Bayer 04 und Hopping

Von Alfie über Leeds nach Moskau und München

 

19.11.2016 um 15:00 Uhr

Chorley FC v Gloucester Town FC 4:1
National Premier North
Victory Park
 
Als ich nach viel zu kurzem Schlaf, noch immer ziemlich angepissed wegen der Niederlage gegen die Ratten aus Leipzig, aufwachte, schaffte ich noch einen schnellen Kaffee und eine warme Dusche bevor ich mich auf machte Alfie und seiner Familie eine mal wieder picke-packe volle Tasche mit Schals zu bringen. Für die Trikots muss ein weiterer Trip herhalten. Es war nix zu machen! Die Tasche war voll und eine weiteres Gepäckstück hätte bei Eurowings 75 Euro gekostet. Inzwischen habe ich den nächsten Trip gebucht und zwar für deutlich unter 75 Euro. Irgendwie absurd, wenn ein Hin- und Rückflug inkls. Gepäckstück weniger kostet als ein zweites Gepäckstück...
Am Flughafen gönnte ich mir ein kleines Frühstück mit Cappuchino um noch etwas wacher zu werden. Den Flug über pennte ich noch etwas. In Manchester warteten am Ausgang bereits Mark mit Cameron und Alfie. Wir fuhren noch etwas durch Manchester um irgendeine Jacke abzuholen und ein Foto von irgendeinem Ground zu machen, dessen Namen ich vergessen habe. Unterwegs hielten wir dann auch noch mal in Skelmersdale, dem Verein der den Alfie-Lund-Fund bisher am intensivsten unterstütz. Leider war hier alles dicht. Ich schlug vor statt Preston North End lieber einen näheren und günstigern Non-League-Ground anzusteuern, wenn Mark einer einfiele. Nach kurzem Überlegen schug er Chorley v Gloucester vor. Ich googelte das Stadion und war sofort hin und weg. Drei Tribünen, eine kultiger als die andere, etwas alt und versifft aber dennoch nutzbar. Ein netter Socialclub – dem Pendent zu unserem Vereinsheim – rundeten das Teil ab. Nix wie hin da.
Zunächst ging es aber zu den Lunds wo Mark die Tasche auspackte. Wieder mal war er begeistert. Und ich kann diese Begeisterung nur weitergeben an alle die gespendet haben. Vielen, vielen Dank.
Es waren über 100 Schals!!!
Als Alfies Großeltern eingetroffen waren um auf Alfie aufzupassen, brachen wir, Mark, Cameron und ich, auf nach Chorley. Am Viktory Park angekommen, gingen wir direkt rein. Mark begrüßte ein paar Bekannte und organisierte ein Foto von mir und dem Trainer von Chorley, Matt Jansen, der zu seiner Profizeit unter anderem für die Blackburn Rovers gespielt hat. Ggf. soll das Bild später auf der Seite vom Chorley FC mit einer kurzen Story gezeigt werden. Nach dem Fotoshooting ging es in den Socialclub für ein Ale. Zum Spiel ging es wieder raus in die Kälte. Auf der kleinen Hintertortribüne fanden wir ein Plätzchen und schauten dem müden Kick zu. Lediglich der Fernschuss aus etwa 20 Metern der zum 1:0 ins Tor flatterte wusste uns zu erwärmen. Bier gab es im Stadion leider nicht, dafür aber einen heißen Tee. Ist bei dem Wetter wahrscheinlich auch besser. Zur Halbzeit machten wir es uns dann wieder im Social Club gemütlich. Irgndwie blieben wir kleben und schauen nun von hier aus durch die Fensterscheiben das Spiel. Lediglich für die letzen Minuten trauten wir uns wieder raus. Man wird halt zur Pussy, wenn einem die Chance gegeben wird :-D
Nach dem Spiel kauften wirbei Tesco ein wenig Abendverpflegung ein und fuhren dann zurück nach Hause. Dort war mittlerweile auch Rachel eingtroffen, die den Tag über gearbeitet hatte. Wir bestellten was beim China-Mann der tatsächlich nach drei Nachfragen per Telefon nach fast 90 Minuten kam und wir endlich unseren Hunger stillen konnten. Zum Runterspülen gabe es leckeres Ale aus der Flasche.
Ich war hundemüde und mir fielen immer wieder die Augen zu, so dass ich bereits um halb elf pennen ging. Nach Pub war keinem zu Mute. Bestimmt beim nächsten mal wieder, denn Burscough hat ja ein paar nette davon.
 
 
20.11.2016 um 13:30 Uhr
Leeds Utd. v Newcastle Utd. 0:2
Championship
Elland Road
 
Am nächsten Morgen gab es eine Schüssel Cornflakes und einen Kaffee zum Frühstück, bevor mich Mark zum Bahnhof Burscough Bridge brachte, von wo ich via Manchester Victoria nach Leeds tuckerte, wo mich Sam bereits erwartete. Sam hatte ich 2014 bei unserem Spiel gegen PSG kennengelernt. Seit dem waren wir via fb in Kontakt und trafen uns nun wieder.
Per Shuttlebus fuhren wir zum Stadion und gingen rein. Zur Stärkung gönnte ich mir ein Fosters und eine "Potatoe-Cheese-and-onion-Pie". Wir saßen direkt hinter dem Tor auf dem "Kop" der Leedsfans. Ich sitze ja eh ungern mitten zwischen den Fans anderer Vereine, allein schon um eine bessere Sicht auf diese zu haben, wenn ich bspw. auf der Haupttribüne sitze. Aber nun unter all den Leedsfans zu sitzen mit einem Newcastlefan neben mir, war schon hart. Hoffentlich jubelt der nicht, wenn Newcastle trifft... Aber ich nehme es vorweg: Sam benahm sich gut und nix passierte... :-)
Das Spiel lief zu seinen Gunsten. Newcastle war klar besser und geht mit dem neunten Sieg in Folge weiter straight Richtung Wiederaufstieg. Die Stimmung war von beiden Seiten sehr ordentlich, gegen Ende natürlich im Gästeblock besser.
Das über die Jahrzehnte mehrfach renovierte Elland Road Stadium bietet Platz für 37.890 und ist damit lt. der Vereinshomepage das 12. größte Stadion Englands. Es gibt eine große Tribüne mit Oberrang und drei Tribünen rundherum. Ein ganz geiles, solides englisches Stadion.
Nach dem Spiel fuhren wir wieder in die Stadt wo sich unsere Weg trennten und ich mich in einen Pub begab den mir Richard genannt hatte, ein Mitglied der European Football Weekends – Gruppe und Leedsfan. Mit ihm und seinen Kumpeln tingelte ich von Pub zu Pub und somit von Bier zu Bier. Jedesmal zahlte irgendwer für mich – vielen Dank. So bekam ich einen guten Eindruck der Stadt und des Nacht- bzw. Abendlebens. Ich kam so bloß leider nicht dazu, was ordentliches zu Essen... Mit dem Bus fuhr ich um 19:30 Uhr von Leeds-Coach-Station zum Airport nach Manchester. Kurios, dass ich auf dem Weg von Manchester Zentrum zum Airport der einzige Fahrgast war. Nun hieß es: Ablungern bis zum nächsten Morgen! Ich schlief so gut es ging auf einer Bank und ging irgendwann in der Nacht durch den Security-Check. Dort haute ich mich noch mal hin. Gegen fünf Uhr gönnte ich mir ein Full-English-Breakfast, was ich auch fast komplette auf aß. Das will was heißen!
 
Nun begann das eigentliche Abenteuer: Russland! Ich hasse Visa. Teuer und nervig! Aber leider unvermeidlich wenn man in manche Länder will. Die Spomer-GmbH ist eine Agentur die schon öfter für LEVs Visa organisiert hatte, weshalb auch ich mich an sie wand. Ich schickte also Antrag, Passfoto und Pass dahin und wartete. Wenige Tage später bekam ich einen Anruf von Spomer und man sagte mir, das Konsulat habe meinen Pass abgelehnt mit der Begründung er sei zu versifft. Zugegeben: auf meiner Tour im Sommer ist mir einiges an Sonnenmilch darüber gaelaufen und das sah man auch. Man konnte jedoch alles erkennen. Jeden Stempel und jeden Eintrag. Schöne Scheiße! Dass der Pass lecker nach Sonnencreme roch, interessierte die nicht! Das hieß, weil die Zeit knapp war, einen Express-Reisepass zu beantragen. Sinnlose 91 Euro! Ich kotzte echt heftig ab. Der Mitarbeiter der Stadt wollte dann mein Passfoto nicht, da dieses angeblich auch etwas dreckig sei... Herr je... alos weitere sechs Euro für ein neues Passfoto. Mit Porto und so weiter also insgesamt fast hundert Euro unnötiger Kosten... Aber was tut man nicht alles.
Nun, in Manchster war das auch egal. Ich hoffte einfach, dass alles glatt gehen würde. Der Flug mit Brussels Airlines via der nahmensgebenden Stadt verlief anschließend Einwand frei und ich landete gegen 16 Uhr Ortzeit auf dem Flughafen Domodedovo, südlich von Moskau. Per Express-Zug fuhr ich für 470 Rubel zum Bahnhof Paveletsky, wo ich in die Metro umstieg. Eine Fahrkarte kostet 50 Rubel und man kann so weit fahren wie man will. Es gibt auch Tickets für zwei, 20 und 50 Fahrten. Relativ sinnlos, wenn man nur drei Tage in der Stadt ist. Mit der braunen Linie, der Ringlinie, fuhr ich zunächst in die falsche Richtung, weil man mich falsch informiert hatte. Letzlich kostete mich das aber nur zehn Minuten und ich war in Komsomolskya. Dort stiegt ich in die rote Linie um, erwischte auch die richtige Richtung und war zwei Stationen später in Chistye Prudy. Gleichzeitig Station und Stadtteil. Von hier war es noch ein Fußweg von fünf Minuten bis zu meiner Hostel. Die Fasol-Hostel kann ich uneingeschränkt weiter empfehlen. Die Bewertung auf booking.com von 9,8 Punkten kommt nicht von ungefähr. Ich hatte ein Viererzimmer gebucht, weil auch Sven, Olli und Manuel im Anflug waren. Daniel und Andy, jeweils mit Frau unterwegs, würden später in privaten Zimmern absteigen.
Nach einer dringed benötigten Dusche machte ich es mir mit einem Tee in der Küche, die gleichzeitig Aufenthaltsraum war, bequem und kam da mit anderen Deutschen ins Gespräch. Zwei LEV-Fans aus Köln (Sachen gibts) und ein Hopper aus Bergisch Gladbach. Wir quatschten ein wenig und ich trank das zwischenzeitlich in einem Supermarkt erworbene Bier. Viel später als erwartet trafen dann auch meine drei Zimmerkollegen ein und nachdem diese ihr Zeug abgelegt hatten zogen wir los in die Nacht. Noch in der Einfahrt trafen wir auf Daniel und Jessy. Daniel versprach nach zu kommen, tauchte aber nicht mehr auf. Das geile an Moskau ist, dass es jede Menge Läden gibt die 24 Stunden auf haben und auch rund um die Uhr warmes Essen servieren. Wir gingen in die Tema-Bar, die direkt bei uns um die Ecke war. Hier gab es tatsächlich auch Spaghetti Carbonara. Entsprechend wurde geordert. Länderpunkt 45, check! Und das um 01:30 Uhr in der Nacht. Seltsamerweise servierte der Laden aber kein Bier, obwohl zahlreiche Zapfhähne und Flaschen zu sehen war. Keine Ahnung was das sollte. So wurde die Pasta mit einem Long-Island-Icetea runter gespült. Der nächste Laden den wir ansteuerten entpuppte sich als 24-Stunden-Teestube. Auch ohne Bier! Aber die nette Bedienung zog ihre Stiefel über und stapfte voran um uns zu einem weiteren 24-Stunden-Laden zu führen der Bier hatte. Es war inzwischen drei Uhr oder so und alle schon ziemlich fertig. Dennoch gönnten wir uns noch zwei Bier und zwei Shots aus Vodka. Dann ging es heim in die Hostel auf ein letztes Bier in der Küche. Totmüde fielen um 4:30Uhr alle in die Betten. Geiler Auftakt!
 
 
22.11.2016 um 18:00 Uhr
ZSKA Moskau v Bayer 04 1:1
Champios League 5. Spieltag
PFK ZSKA Stadion
 
Viel zu früh klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Aber der Plan war um 14 Uhr das U19-Spiel zu gucken und vorher noch das historische Zentrum von Moskau anzusteuern. Andy und Steffi waren inzwischen auch eingtroffen wollten aber noch etwas entspannen. Ebenso Daniel und Jessy. Meine Zimmergefährten und ich brachen daher alleine auf. Mit der roten Metrolilie fuhren wir zur Station Okhotnyy Riad. Hier findet man in unmittelbarer Nähe den Kremel, verschiedene Kirchen und den Roten Platz. Letzterer ist leider derzeit mit Weihnachtsmarktbuden bebaut. Ich finde es immer wieder geil, wenn ich weltbekannte Gebäude, die jeder von Bildern kennt, das erste mal live und in Farbe vor mir habe. Nachdem wir Lenin in seinem Mausoleum einen Besuch abgestattet hatten, liefen wir rum und machten Fotos. Wir kauften Tickets für den Kremel, der extra kostet und taten dort das gleiche. Anschließend aßen wir in einem brauhausähnlichen Restaurant etwas zu Mittag und orderten das erste Bier des Tages. Anschließend liefen wir etwas mehr durch die Gegend um uns dann in einer Beerhall nieder zu lassen. Wir hatten inzwischen beschlossen uns das U19-Spiel zu schenken und statt dessen einfach in dem Laden zu bleiben.
Ein paar Getränke später fuhren wir dann mit der Metro zum Stadion. Welche Station das war, weiß ich nicht mehr. Am Stadion angekommen mussten wir jedenfalls ein mal komplett drum herum durch eine Art Wald. Das war alles andere als angenehm. Zum einen weil es dunkel war und man Stolperfallen und "Eispfützen" nicht wirklich gut erkennen konnte, zum anderen weil man nie weiß, wer einem hier über den Weg läuft. Ein mal haute es mich dann auch auf einer rutschigen Stelle hin ohne das etwas passierte, dann waren wir an unserem Block und gingen rein.
Das Stadion ist ein moderne Neubau von dem ihr genügend Bilder im WWW findet, weshalb ich mir ne Beschreibung schenke. Etwa 150 Leute hatten es in den Away-Sektor geschafft. Wie viele davon aus Russland waren und weiß ich nicht. Aber es waren einige. Es gibt ja sogar einen Bayerfanclub im Land der Zaren: die russischen Pillendreher! Respekt dafür.
Der überschaubare Mob versuchte gute Stimmung zu machen was auch halbwegs gelang. Jedenfalls empfand ich das so. Die gefürchteten Moskauer machten auch ordentlich Lärm, besonders nach dem Ausgleich. Dann kam auch das, was man in Russland öfter sieht: trotz Eiseskälte supportete ein Großteil der Russen oberkörperfrei. Verrückt
Nach dem Spiel gingen Daniel mit Frau, Andy mit Frau und die vier Singels zurück in die Beerhall. Das war recht einfach, weil es einen Busshuttle zum Roten Platz gegeben hatte. Diese Fahrt nutzten Daniel und ich um übers Bordmikrro irgendeine Scheiße zu labern und zu singen. Ob das die Leute im Bus freute oder eher nervte weiß ich nicht. Es dürfte sich die Waage gehalten haben.
In der Beerhaal ging der Spaß weiter, es wurde jedenfalls viel gelacht und auch der Kellner hatte seinen Spaß. Auch, dass er sich weigerte "My heart will go on" zu spielen tat dem keinen Abbruch.
 
 
23.11.2016 um 18:00 Uhr
FC Rostov v Bayern München 3:2
Champions League 5. Spieltag
Stadium Olimp-2
 
Noch früher als gestern klingelte auch heute, am Mittwoch, der Wecker, das Arschloch. Aber es hieß: weiter ziehen. Ich begnügte mich mit einer Katzenwäsche und verließ die Herberge per Taxi zum Vnukovo. Das kostete zwar 1500 Steine, war mir an dem Morgen aber lieber, als der Stress mit umsteigen.
Angekommen in Rostov na Don, hatte ich etwas Schlaf nachgeholt. Wenig überaschend traf ich bereits hier am Flughafen einige Bayernfans. Mit zwei von denen fuhr ich per Minibus in die Stadt. Die Beiden stiegen irgendwann aus und ich etwas später am Bahnhof. Nun stand ich da. Ich hatte keinen Plan wo ich hin musste. Man verlässt sich ja auf sein Smartphone. Wenn aber nicht mals das GPS-Signal funzt ist man verlassen, bzw. man ist wieder in einer Zeit wie vor 10 oder 15 Jahren. Immerhin konnte ich Leuten die Adresse meiner Herberge zeigen und man wieß mir grob den Weg. Auffällig bereits hier, dass kein Mensch auch nur ein Wort Englisch spricht. Gar nix! Mit Händen und Füßen kam ich dann aber doch ans Ziel. Die Schlampe hinter dem Rezeptionstresen hielt mir ihr Handy hin mit dem sie mir per Translator auf Englisch zu verstehen gab: "Ausländer sind hier nicht willkommen!" Eigentlich hätte ich schon da sagen müssen: "Fuck off!". Aber sie entschied sich dann, mir doch ein Bett zu geben, als sie merkte, dass ich über booking.com gebucht hatte. Das Bett war eine Katastrophe, würde aber für eine Nacht reichen. Würde, denn es kam anders: Die beiden Russen auf meinem Zimmer waren so freundlich, dass es mir komisch vorkam. Zumindest soweit es deren extrem rudimentäres Englisch zu ließ. Irgendwann begannen sie mir dann, per Handytranslator Fragen zu stellen. Erst viel blabla, dann "do you like boys" und "do you have money for tea and bread?". Als ich letzteres verneinte, schrieb mir einer der Beiden: "we can also kill you, if you dont stop lying!". Das war es dann für mich! Er sagte zwar: "I am only jokeing", aber ich packte meine Sachen und ging. Scheiß auf die fünf Euro! Ich entschied mich, koste es was es wolle, ein EZ in einem anständigen Hotel zu nehmen.
Ich rannte nun erst mal planlos durch die Gegend weil ich keine Ahnung hatte was ich tun sollte. Hotels in Bahnhofsnähe fand ich keine, helfen konnte mir mangels Sprachkenntnissen auch niemand. Auch im Busbahnhof checkte keiner irgendwas. Mit Mühe und Not konnte ich an einem Kiosk eine Straßenkarte erwerben. Diese führte mich dann zum Theaterplatz, dem Treffpunkt der Bayernfans. Blöd bloß, dass die scheinbar schon weg waren. Gut aber, dass hier nebeneinander zwei gehobendere Hotels lagen. Besser, dass das eine das Teamhotel der Bayern war. Keine Angst, ich werde nicht zum Fanboy, dennoch fragte ich mal nach ob die noch ein Bettchen frei hätten. Hatten sie! EZ für 115 Euro. Das wäre heftig, aber zu Not würde ich es machen. Das "Koste es was es wolle" war ernst gemeint. Ich fragte im Nachbarhotel nach, aber das schied aus, weil der günstigste Raum hier 240 Euro kostete. Neben der Rezeption unterhielten sich ein paar Leute auf Deutsch, weshalb klar war wo die hinwollten. Ich erzählte meine Geschichte und bat ob man mich, ggf. gegen Bezahlung mit zum Stadion nehmen könne. Man konnte, auch ohne Bezahlung.Danke schön!
In der geilen, alten, aber zügigen und kalten Ranzbude traf ich dann RM-Andy und Wuppi, der mir ja auch das Ticket organisiert hatte. Danke dafür.
Das Spiel war unterhaltsam und endete nach spannender Endphase mit 3:2 für die Gastgeber, was diese ausgiebig feierten.
Das wichtigste aber war, dass Andy den selben Plan hatte wie ich und am nächsten Tag nach Krasnodar weiter wollte. Und! Er hatte ein Hotel wo noch ein weiteres EZ frei war für 35 Euro. TOP TOP TOP ! Per Shuttle-Bus ging es zurück zum Theaterplatz. Pustekuchen! Das war der Opernplatz. Wie auch immer. Wir stiegen hier aus und gingen in einem Restaurant noch was essen, was schwieriger war als nötig, da in dem Laden mal wieder keiner Englisch sprach und die nix checkten. Nicht mals wenn man auf die Bilder in der Karte zeigte. Letztenendes bekamen wir aber doch noch was und fuhren gesättigt ins Hotel. Mein Zimmer war ein Traum: riesiges Bett, geile warme Dusche und keine Wichser die mich mit dem Tode bedrohen.
 
24.11.2016 um 20:00 Uhr
FK Krasnodar v FC Salzburg 1:0
Europa League 5. Spieltag
Stadium Krasnodar
 
Ich schlief gut aber mal wieder zu kurz. Bereits um 06:15 traf ich mich mit Andy wieder an der Rezeption um per Pedes zum Bahnhof zu laufen. Ich holte mir ein Ticket für den Expresszug nach Krasnodar, Andy hatte seins schon. Ich freute mich bereits auf eine Tuckel-Tour in einem 60er-Jahre-Zug, wurde aber enttäuscht. Der Zug war top mordern und d ie Durchsagen sogar auf English. Was aber am erstaunlichsten war, war, dass die Temperaturranzeige von minus 8 auf plus 11 stieg! Was sollte das denn??? Ich war eingepackt bis zum gehtnichtmehr! Als ich in Krasnodar ausstieg musste ich erst mal die Hälfte meiner Klamotten ausziehen, damit ich nicht völlig durchschwitzen würde.
Als nächstes gingen wir in einem schäbbigen aber günstigen Imbiss am Bahnhof was essen. Dann fuhren wir zum Airport und schlossen da unser Gepäck weg. Mangels Englisch der Gepäckabgabetrulla war das einigermaßen kompliziert. Zurück im Zentrum liefen wir durch die Stadt zum Stadion Kuban vom gleichnamigen Zweitligisten. Was für ein Moped, da lohnt es sich fast noch mal herzukommen. A pro pro "wieder herkommen"! Andy erzählte wie selbstverständlich, dass er schon mal hier war. Mit den Basketballern des FCBs!!! Der Typ ist definitiv positiv irre. Das Kuban jedenfalls besticht duch wahnsinnige Flutlichtmasten die so überdimensioniert sind, dass man meint, alle Russen stünden auf Fallussymbole. Aber lassen wir das.
Der Plan war nun mim Taxi zum Ibis-Hotel zu fahren. Doch keiner der Taxifahrer verstand was wir wollten bzw. kannte den Laden. Bei aller Liebe: wie wird man Taxifahrer wenn man eines der wichtigsten Hotels der Stadt nicht kennt? Bitter, bitter! Per Hand, Fuß, Bus und Bahn fanden wir dann mit Mühe und Not irgendwie doch noch dahin und trafen dort den Fanbeaufttragten der Roten Bullen. Andy, der ja Fanbeauftragter bei Bayern ist, hatte mit ihm Kontakt aufgenommen und sich über ihn ne Eintrittskarte besorgt. Und weil eh noch massig über waren bekam ich auch noch eine. Für Ümme! Da dankt man doch! Weil es sich nicht vermeiden lässt, kam natürlich auch hier das Thema RB und Fußball auf. Er erzählte die ganze Sache aus seiner Sicht und ich gab mich damit zufrieden. Ein Freund der RB-Vereine werde ich sicherlich nicht. Aber die Leute, also auch die anderen wenigen Fans, waren nette Zeitgenossen und man verbrachte die Zeit bei einem Spaziergang durch die Stadt und dem damit Verbundenen abklappern der wenigen Sehenswürdigkeiten gemeinsam. Zeitig ging es dann per Bus-Shuttle durch den chaotischen Verkehr zum Stadion. Dieses ist schon von außen sehr imposant und kein gewöhnlicher Neubau. Tausende Betonsthelen, dicht an dicht lassen das Teil wie ein Kolloseum wirken. Definitiv mal was anderes. Von außen war es größer als es dann von innen. Bevor ich rein ging, setzte ich mich aber noch mal in zwei Kneipen ab, wo ich so gut es ging mit Fans der Heimmannschaft quatschte.
Obwohl das Stadion nicht sehr groß ist, wirkt es auch von innen extrem. Das liegt hauptsächlich an der gigantischen Leinwand die schlicht und ergreifend ein Mal ganz rum geht und direkt unterm Dach ist. Stimmungstechnisch war es aber ein Reinfall. Lediglich eine kleine Gruppe Russen supportete, von RB Seite kam nix.
Später am Abend gingen Andy und ich in einem russichen Imbiss was essen. Man fragte uns nach Dessert und wir verneinten. Dennoch stellten man uns zwei Teller, vollgepackt mit Pfannekuchen hin. Ein mal mit Schafskäse und ein mal mit Honig gefüllt. Einfach so für umsonst zum probieren. Super Geste! Wir aßen so viel wir konnten, schafften aber nicht alles. Einfach viel zu viel.
Zum Abschluss ging es noch mal in eine Kneipe für zwei Bier, bevor wir uns gen Airport verabschiedeten. Dafür nutzten wir eine Art privates Taxi, das wesentlich günstiger war als ein reguläres.
Am Flughafen holten wir unser Gepäck ab, was reibungslos klappte. Gott sei Dank! Sicher waren wir nicht ob das so sein würde. Im Flieger wurde genächtigt. Mit der Landung in Sheremetjevo konnte auch der dritte Flughafen Moskaus gekreuzt werden. Zusammen mit Krasnodar und Rostov konnte ich damit fünf neue Flughäfen auf einer Tour zu meiner Liste mit an/bgeflogenen Airports hinzufügen. Neuer Rekord! Insgesamt bin ich da auch schon bei 93 angekommen... oderabgflogen...
Andy flog direkt weiter nach München, ich fuhr zurück zu meiner Herberge, wo ich Gott sei Dank direkt auf mein Zimmer und in mein Bett konnte. Ich schlief noch bis etwa 12 Uhr.
Nun hatte ich noch reichlich Zeit zum Gorki-Park zu fahren und mir das Gum-Kaufhaus angucken. Das war der Plan und der ging auch auf. Der Gorki-Park wirkte teils trostlos, aber gleichzeitig auch sympathisch da es auf der Eisbahn von Eisläufern wimmelte die sich vergnügten. Das Gum ist ein Luxuskaufhaus, dass alle westlichen Topmarken im Bereich Schmuck und Mode bot. Die Preise waren jedoch völlig absurd. Aber weil man sich als Ausländer ja anpassen soll, bestelllte ich mir in einem der Lokale eine Portion Kaviar. Dafür, dass das ja Fischeier sind ist der geschmack nicht so schlimm: schleimig, salzig. Noch mal brauche ich aber nicht. Räucherlachs mit ordinärer Remoulade ist mir lieber.
Den Abend verbrachte ich wieder in dem Hostel wo ein Gast aus Venezuela etwas landestypische für alle kochte.
Mit zwei anderen Gästen teile ich mir dann am nächsten Morgen ein Privat-Taxi, wodurch ich für 200, statt für 1500 Rubel zum Flughafen kam. TOP ! Die Ausreise war ebenso easy wie die Einreise, so, dass ich bald im Flieger saß und nach München flog.
 
 
26.11.2016 um 18:30 Uhr
Bayern München v Bayer 04 2:1
Bundesliga 13. Spieltag
Allianz Arena
 
In München traf ich mich mit Andy Wundy und Marco in der DB-Lounge um einen Kaffee später zum Cafe Schiller zu gehen und dort Edwin aus England und seinen Vater traf. Mein Hinweis an Edwin, dass sich 2001 England und Deutschland schon ein mal dort getroffen hatten, verstand er zunächst nicht. Wir tranken ein paar Bier und brachen auf nach Ismaning um das Spiel gegen Rain/Lech zu gucken. Am Ground angekommen erfuhren wir aber, dass die Deppen das Spiel auf einen Kunstrasenplatz etwa zwei Kilometer von dort verlegt hatten. Schöne Scheiße! Einigermaßend tröstend war, dass wenigstens das gute Vereinsheim auf hatte. Dort kehrten wir und drei weitere Engländer, die auch als Hopper da waren, nun ein und aßen und tranken typisch bayerische Spezialitäten. Als es Zeit wurde brachen wir zum Schlauchboot auf und gingen dort noch alle zusammen für zwei Bier in die Kneipe Nord, bevor sich unsere Wege fürs Spiel trennten.
Das Spiel vom Bayer war okay, sie hielten gut mit und kamen zum verdienten Ausgleich. Leider reichte es am Ende mal wieder nicht, und der Bayer verlor mit 2:1.
Auch nach dem Spiel traf sich unsere Prämatchgesellschaft in der Kneipe Nord wieder. Andy und ich hatten eh Zeit, weil wir uns erst gegen 23 Uhr mim Olli Leisner in Neumarkt am Bahnhof treffen wollte. Das klappte auch wunderbar, weshalb der Abend in netter Runde beim Leisner und dessen Frau zu Ende ging.
 
27.11.2016 um 14:00 Uhr
FC Ingolstadt II v Greuther Führt II 2:0
Regionalliga Bayern
BZA Süd-Ost
 
Nach einem ausgiebigen Frühstück verließen Olli, Andy und ich Ollis Frau und fuhren nach Ingolstadt. Vielen Dank an dieser Stelle für die Gastfreundschaft.
Die Karre war schnell geparkt, das Stadion, wo bis zum Umzug in den Audisportpark der FCI seine Heimspiele austrug, schnell gentert und die Tribüne alsbald in Beschlag genommen. Es war schweinekalt und auch das Spiel konnte nicht erwärmen. Lediglich ein Fan mit einem halben Dutzend Fahene erheiterte uns. Und, dass er bei den beiden Toren völlig austickte machte ihn noch kultiger.
Nach dem Abpfiiff gingen Andy und ich zum sehr nahe gelegenen Bahnhof und Olli fuhr heim. Danke noch mal.
Nun trennten sich auch Andy und meine Wege und wir beide fuhren per Bahn nach Hause.
 
Eine sehr geile Tour endete in meinem warmen Bett. Da ist es doch am schönsten.
"