Bayer 04 und Hopping

Über Silvester nach England

 

Seit ich mal am Eck mit den Jungs aus Brighton ein paar Bier hatte, war klar, dass ich da auch mal hin müsste. Zumal Brighton als Stadt ja durchaus sehenwert sein soll. Ich wollte den Trip dorthin dann von Weihnachten 2016 bis in neue Jahr machen, verwarf die Pläne aber wieder mangels Kohle. Aus einer Laune heraus entschied ich mich am 25.12.2016 dafür spontan doch noch rüber auf die Insel zu reisen. Ich hatte gerade den Heiligabendabwasch erledigt und saß auf der Couch und stöberte im Internet. Da stand immer noch das Spiel Brighton v Cardiff City am 30.12.... Ich sah, dass Nick aus Brighton online war und fragte ihn ob er dahin wolle und ob es nocht Tickets gäbe. Beides bejahte er. Also checkte sämtliche Wege und Möglichkeiten nach Brighton zu kommen. Den Zuschlag bekam dann Flixbus bis London Victoria und von dort National Express bis Brighton, am Donnerstag, dem 29.12. Das würde zwar den ganzen Tag dauern, aber es gibt ja Möglichkeiten sich die Fahrzeit zu vertreiben.

 
Am 28.12. fuhr ich abends zu Kumpel Kilian nach Nippes um mit ihm die Dart-WM bei üblichen Getränken zu gucken. Am nächsten Morgen zeigte sich, dass das ganz gut geklappt hatte, als ich bemerkte, dass ich mein Ladegerät bei Kilian zu Hause vergessen hatte. So war das erste, was ich an unnötigen Kosten auf der Tour aufbringen musste 20 Euro für ein neues Ladegerät.
Ich bestieg den Bus und die Rutsche ging los. Klar, dass das Ladekabel nicht funzte. Oder war es mein Handy, dass nen Wackelkontakt hat? Ich war mir nicht sicher. Aber es wird schon alles irgendwie werden... Die Zeit verbrachte ich mit Lesen und facebook – Akku sparen wäre ja auch langweilig. Durch eine Verzögerung am Eurotunnel schrumpfte mein Puffer von einer Stunde, doch am Ende reichte es, um mir in einem kleinen Supermarkt nähe der Victoria-Coach-Station noch drei Bier für die zweistündige Fahrt nach Brighton zu holen. Dort kam ich ziemlich pünktlich um 23 Uhr an, fand zügig meine Herberge und stellte auf dem Weg dorthin fest, dass auch noch einiges los war in der Stadt. Und das an einem Donnerstagabend! Ich checkte ein, brachte mein Zeugs aufs Zimmer und fand mit dem "Globe" direkt einen sympathischen Pub nur 50 Meter vor meiner Haustür. Hier bekam ich neben Bier auch eine Portion Strom für mein Handy, so dass ich irgendwann wieder bei 60 Prozent Akku war. Das reichte mir. Ich verließ den Laden und ging in den Molly Malones Pub der früher mal The Bosun hieß und in den 70er und 80er Jahren der Stammpub der Brighton-Firm war. Heute finden hier jeden Abend kleine Konzerte statt. Nicht schlecht, aber mir heute zu laut. Ich haute also nach einem Bier wieder ab und ging auf ein Letztes in den Globe und dann ziemlich müde ins Bett.
 
Matchday – denkste! Aber der Reihe nach. Ich schlief zu lange für das Frühstück im Hostel weshalb ich direkt nach der Morgenwäsche in die Stadt ging. Die Hauptsehswürdigkeit ist derBrighton-Pier.
Dieser führt 524 Meter in den Ärmelkanal. Auf ihm findet man zahlreiche Spielotheken, auch mit kindgerechten Spielen, Cafés, Restaurants und am Ende sogar kleine Achterbahnen. Von hier postete ich ein Bild aufs Meer hinaus bei facebook mit dem naheliegenden Kommentar "Brighton im Nebel". Noch dachte ich mir nix dabei, denn in der Stadt war kein Nebel.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Royal Pavilion. Ein Palast der nach Vorbild indischer Mogulpaläste erbaut wurde und so stark an den Taj Mahal erinnert. Heute ist da wohl ein Museum drin. Als auch das Teil von außen besichtigt war lief ich zum Bahnhof und löste schon mal mein Ticket für meine morgige Fahrt nach Luton.
In einem Pub, dem "Three Jolly Butchers" aß ich einen "Sandwich with Sausage, Caramelised Onions and rocket". In meiner Bleibe lud ich noch etwas mein Handy auf, denn ich hatte inzwischen rausgefunden, das Kabel und Gerärt sich verstehen, wenn man sie in eine ganz bestimmte Stellung bringt. Scheinbar wurde so der Wackelkontakt überwunden.
Gegen 15:30 Uhr traf ich mich dann mit Nick und ein paar seiner Kumpels im Weatherspoons in der West Street. Nach einer herzlichen Begrüßung bekam ich gleich ein Bier. Große Teile der aktiven Leverkusener Fanszene sind seit einigen Jahren gut mit den Jungs aus Brighton befreundet, so dass ich als LEV-Fan sehr willkommen war. Aber, wie oben schon erwähnt, kannten wir uns eh schon von ein, zwei Bier am Eck. Wenig später zogen wir in den "Black Horse Pub". Ein richtig geiler Laden! Hier trudelten nach und nach immer mehr "Lads" ein und der Mob wurde größer. Leider trudelte aber auch eine Nachricht ein: das Spiel stand wegen Nebel auf der Kippe. Auf dem TV-Bildschirm im Pub zeigten sie Bilder aus dem "Amex" – so die Kurzform für das American-Express-Stadion" und ich machte mir wenig Sorgen, konnte man doch ganz passabel sehen. Doch die Engländer tun sich etwas leichter mit wetterbedingten Spielabsagen und eine halbe Stunde später stand fest: Game off! Fuck! Was für ein Mist. Was nun folgte kann sich jeder denken und ist schnell erzählt. Man blieb im Pub und trank sich den Frust darüber weg. Mit einer Gruppe von etwa zehn Leuten wechselten wir noch einmal den Schuppen und landeten schließlich im "Railway Bell". Irgenwann hatte ich aber genug und ging heim. Vielen Dank an Brighton für den geilen Tag, auch wenn es mim Spiel nicht geklappt hat.
 
 
31.12.2016 um 15:00 Uhr
Luton Town FC v Barnet FC 3:1
League 2
Kenilworth Road
 
Per Zug fuhr ich am nächsten Morgen nach Luton. Brighton hatte mir schon angekündigt, die Stadt sei nicht besonders toll, was sich auch bestätigte. Vergeblich suchte ich nen Pub mit warmer Küche um dem Konterbier aus dem Zug etwas entgegenzusetzten. Leider fand ich keinen. Daher musste ich in einem Imbiss eines Inders Hähnchen mit Fritten essen. Das war günstig aber dafür auch mächtig scharf. Im Bricklayers Arms in der High Town Road trank ich ein ekelhaftes Ale und schaute dabei das Old Firm. Dann begab ich mich zur Kenilworth Road. Was für eine geile alte Ranzhütte. Eingebettet in Wohnhäuser bietet das seit 1905 betriebene Stadion auf alles Seiten Tribünen die den Eindruck vermitteln seit 1906 nicht mehr renoviert worden zu sein. Davon ausgenommen die Gegenseite die mit (für heutige Zeiten schäbbigen) Logen bestückt war. Bemerkenswert der Oak Stand, das Away End. Der Zugang hierzu führt über die Oak Road durch zwei Wohnhäuser. Stimmungstechnich ein Reinfall wusste zumindest das Spiel zu gefallen Luton Town gewann mit 3 zu 1. ( https://www.youtube.com/watch?v=KmnhDRZ0RDA )
Für nach dem Spiel war ich mit Anthony und Steve aus der EFW-Gruppe im Bricklayer Arms verabredet. Obwohl der Laden ziemlich voll war fand ich die Beiden zügig und zusammen tranken wir drei Bier. Es war Silvesterabend und weil jeder Pläne hatte trennten sich unsere Wgen bereits gegen 19 Uhr wieder. Ich fuhr per Zug nach Kings Cross und lief von dort zu meinem Hostel der "Smart Russal Square Hostel". Mit 37 Euro pro Nacht im 15er Schlafraum war sie das günstigste was über Silvester in London zu bekommen war. Autch. Ich hatte zwischendurch immer mal wieder via facebook nach Leuten gesucht die auch in Londons Innenstatd sein würden, wenn um 1 Uhr Deutscher Zeit auch in GB das neue Jahr beginnt. Ich traf mich schließlich gegen 22 Uhr mit Leedsfann Richard und dessen Frau in der Museums Tavern gleich am British Museum und startete mit den Beiden eine kleine aber nette Kneipen Runde bis ich um 23 Uhr Ortzeit meine Eltern anrief um ihnen ein frohes Neues zu wünschen. Eine Stunde später feierten auch wir und stießen auf 2017 an. Inzwischen hatte sich auch Lee zu uns gesellt. Ein netter Kerl der Bier liebt und Kölsch scheiße findet. Sehr sympathisch. Um kurz nach 12 verschwanden Richard und Frau plötzlich sehr spontan. Später erklärten sie, sie hätten ihre Bahn bekommen müssen. Vielen Dank für die Gesellschaft. Hat mir Spaß gemacht. Das gleich gilt auch für Lee von dem ich mich eine Stunde später verabschiedete um in das Hostel zu gehen. Dort nahm ich noch nen Schlummertrunk und ging dann schlafen.
Leider war die Gegend um die Thamse, bzw. am Big Ben komplett abgesperrt und man kam nur mit Eintrittskarte rein, weshalb ich mir das Feuerwerk dort geschenkt hatte.
 
 
01.01.2017 um 15:00 Uhr
Sutton United FC v Bromley FC 2:0
National League
Borough Sportsground
 
Von irgendeinem Bahnhof aus brach ich am Morgen auf gen Sutton im südlichen London. Kurz nach der Buchung der Flüge hatte ich in EFW meinen Plan gepostet und gefragt ob irgendwer die gleichen Spiele ansteuern würde. Und tatsächlich hatten sich auch für diesen Kick einige Leute angekündigt. In Wimbeldon im Bahnhof stand aber zunächst ein mir bekanntes Gesicht neben dem Zug und stieg ein. Ich dachte, das könne nicht sein, so ein Zufall, doch die Welt ist und bleibt halt ein Dorf. Zunächst setzte sich JNJ samt Freundin einen Vierer weiter und ich war mir nicht sicher. Aber als ich die Beiden Deutsch sprechen hörte war aber klar, dass er es ist. Was für ein Zufall. Selbes Spiel, selber Zug, selbe Tür... Das kann man sich nich ausdenken.
Am Bahnhof sah ich dann ein mir von fb bekanntes Gesicht: Andy Rainey. Aston Villa – Fan und Groundhopper aus den Midlands, samt vierzehnjährigem Sohn Ethan. Andy war einer der Leute die schon unter meinem oben erwähnten Post geschrieben hatten, dass sie kommen wollten. Nicht geplant und völlig überraschend traf ich dann im Ground noch den Effner, Wuppi und Westi sowie Andy Brück mit einem weiteren Kollegen. Unfassbar!
Das Stadion ist ein geiles Teil: schicke alte Haupttribüne, flankiert von Stehstufen mit Wellenbrechern und kleinen überdachten Stehtribünen auf der Gegenseite und hinter den Toren.
Es regnete und war nass-kalt. Da war ich froh einigermaßen windgeschützt mit Andy und Ethan hinter dem Tor zusammen mit den hin und wieder supporteten Heimfans zu stehen. In der Halbzeitpause schauten wir uns den Clubshop an und gesellten uns dann zu den anderen Deutschen auf der Gegentribüne.
Das Spiel war kein Kracher, aber immerhin fielen zwei Tore zum viel umjubelten Heimsieg.
Der Abend wurde nun noch sehr geil. Mit Andy und Ethan fuhr ich zurück nach Eutson, wo die Beiden nach Wolverhampton umstiegen. Ich ging auf das Hostel, legte meine Dosen in den Kühlschrank und ging dann was essen. Ich hatte zwischenzeitlich mit nem Spurs-Kumpel geschrieben und mich mit ihm in einem Pub nahe Euston-Bahnhof verabredet. Dort traf ich mich dann auch mit ihm und seinen anderen Spurs-Kumpeln. Gemeinsam tranken wir ein paar Feiergetränke und feierten den Auswärtssieg des THFC in Watford, wo sie vorher gewesen sind.
Irgendwann mussten die aber alle gen Heimat aufbrechen. Ich ging noch in einen anderen Pub und schaute da das epische Halbfinale der Dart-WM zwischen MVG und RVB. Nach dem Sieg des Holländers ging ich dann heim und schlafen.
 
 
02.01.2017 um 15:00 Uhr
Fullham FC v Brighton & Hove Albion 1:2
Champioschip
Craven Cottage
 
Ich schlief ewig, so bis etwa 11 Uhr und machte mich dann fertig. Obwohl ich das schon war. Ich werde halt alt... Nach einem full-english-breakfast mit nem Ale war ich wieder einigermaßen auf dem Damm und bereit weiter zu machen... Ich fuhr mit der Tube nach Putney und traf mich da im Pub wieder mit meinen alten und neuen Freunden aus Brighton, die heute in Fulham spielen würden. Da ich da aber schon mal war und ich ne Karte für QPR hatte war der Plan deren Spiel gegen Ipswich Town zu schauen. Plan ist Plan, umplanen manchmal nötig. Weil die Gesellschaft nett war und das Bier schon wieder schmeckte und alleine trinken doof ist und man mir ne Karte für Ümme anbot, als Freundschaftgeschenk von Brighton an LEV, sagte ich kurzer Hand zu, mit den Jungs ins Awayend zu gehen. Auch wenn ich so keinen neuen Grund machen würde. Das Problem war aber, dass ich meinen Flug von Stanstad nach dem Spiel im Londoner Süden nicht mehr erreichen würde. Ich fand aber nen günstigen Flug für 35 Euro nach Bremen am nächsten Morgen. Dank BC100 kein Problem für mich. Zu dem konnte ich so auf den teuren Stanstadexpress verzichen und nen langsameren Bus nehmen. Weil ich dabei 10 Pfund sparete, kostete mich der neue Flug unterm Strich also nur knapp 22/23 Euro. Das kann man mal machen. Als das Spiel dann näher rückte gingen Nick, Steve mit Sohnemann Harry, noch ein Kerl und ich in den Ground. Der Craven Cottage dürfte bekannt sein. Ein fantastischer Oldschool-Ground mit nem Häuschen in einer der Ecken. Dem Cottage! Obwohl Brighton Tabellenführer war, spielten sie sauschlecht, was für Frust im Awayend sorgte. Die Stimmung war dennoch gut. Sensationelle 6000 Leute waren von der englischen Südküste angereist. Wahnsinn! Und manchmal meinte es der Fußball gut mit einem. Brigthon drehte wie aus dem Nix das Spiel druch einen Doppelschlag in den Minuten 74 und 75. Der Mob drehte völlig durch und supportete ab da umso geiler. Es blieb beim 2:1 und alle waren froh. Glückseelig gingen Nick und ein paar andere Lads nach dem Spiel noch in zwei, drei Pubs wo ich mich nett mit vielen von den Jungs unterhalten konnte. Ich freue mich, wenn ihr mal wieder in LEV seit. Fühlt euch jederzeit willkommen. Danke für nen geilen Freitag und nen noch geileren Montag.
Gegen 19:30 Uhr fuhr ich von Putney zurück in die Innenstadt nach Liverpool Street und nahm von da den Bus zum Flughafen. Die Fahrt verpennte ich total. Auch am Flughafen gönnte ich mir ne qualvolle Mütze Schalf auf dem unbequemen Boden. Im Weatherspoons Windmill gönnte ich mir am frühen Morgen noch ein Hair of the Dog als Marco kurz vorbei schaute, der auch irgendwo hin nach Hause flog.
Dieses Treffen war ja abgesprochen, aber, dass die Welt ein Dorf ist zeigte sich mal wieder, als am Gate plötzlich der Herr Linke neben mir stand. Mit ihm trank ich später in der Lounge in Bremen noch einen Kaffee, bevor sich unsere Wege trennten und ich per IC heim fuhr. Eine weitere Supertour nach England. Wenn es da nicht so teuer wäre, könnte ich da ständig hin. Danke an die Brighton-Lads, an Anthony und seine Kumpels von den Spurs, an Richard und Frau aus Leeds, Steve und (den anderen) Anthony, an Andy und Ethan sowie meine Deutschen Hopperkollegen die mir über den Weg gelaufen sind.
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