Bayer 04 und Hopping

Kanada - USA - Turks and Caicos Islands

Selten war ich/bin ich vor einer Reise so nervös gewesen. Es ist schon etwas anderes, ob man mim Rainer für 20 Euro nach London fliegt, oder über den großen Teich nach Nordamerika um drei Länder, nämlich Kanada, die USA und die wohl dem normalen Fußballfan wenig bekannten Turks and Caicos Islands zu machen. Inklusive diverser, innernordamerikanischen Flügen, seltsamen Einreisebestimmungen der Amis und so weiter. Doch der Reihe nach: wegen meinem Unfall hatte ich etwas Schmerzensgeld bekommen. Für eine richtig dicke Tour würde es jedenfalls reichen. Irgendwann hatte ich die Idee, USA, Kanada und die Bahamas zu kombinieren. Letztere tauschte ich dann gegen die Turks and Caicos Islands aus, ein britisches Inselparadies in der Karibik. Hierfür ließen sich nämlich zum Buchungszeitpunkt, Ende Dezember, bereits Spiele finden und weil die Inseln britisch sind und weil die in der Vergangenheit recht zuverlässig Samstags und Sonntags Ligaspiele ausgetragen hatten machte ich mir wenig Sorgen, dass da was nicht klappen würde. Es kristallisierte sich dann folgende Route heraus: Brüssel – Montreal – Chicago – New York – TCI – Philadelphia und von da per Bus nach Washington. Fußball, so der Plan wird in Montreal, Chicago und Washington geguckt, und natürlich auf den TCI. Wenn, ja wenn die denn spielen. Denn es kam wie es kommen musste, meine geplanten Spiele sind vorerst, wegen dem neun Tage vorher stattfinden Länderspiel der TCI gecancelt worden. Na super! Ein Typ vom Verband machte mir per Mail aber inzwischen wieder Hoffnung, denn er schrieb "there should be matches on the 4th and 7th." Na geil, mehr will ich ja gar nicht. Hoffentlich ist es nicht die C-Jugend, die er meinte. Warten wir es ab. Am 1. April kann ich, auf den Tag genau 20 Jahre nach dem ich zum ersten Mal ein Basketballspiel in den USA (damals Chicago Bulls v Philadelphia 76ers mit Michael Jordan) gesehen habe, ein zweites gucken: nämlich das New Yorker Derby zwischen den Knicks und den Brooklyn Nets im Madison Square Garden. Top! Mal gucken ob es mit dem Athener Basketballderbys mithalten kann, hahaha. In Philadelphia treffe ich mich dann mit Bob, den man im Zagrebbericht von 2008 kennen lernen kann. Ich freue mich ihn nach all den Jahren mal wieder zu treffen, wenn er mir seine Heimatstadt zeigen wird....

...nun sitzte ich im ICE nach Brüssel, froh, dass es losgegangen ist, aber immer noch nervös, ob meiner größten Reise ever, auch wenn die für manchen Leser sicherlich ein Kinkerlitzchen ist. Von Brüssel-Midi muss ich gleich zum Hostel, dort eine Nacht pennen um morgen zurück nach Midi zu latschen. Von dort fahre ich per IC zum Flughafen um dann mit Air Canada nach Montreal zu starten.

Ich bin am Flughafen angekommen, habe den Check-In und die Sicherheitskonrtolle hinter mich gebracht und sitze nun am Gate und warte auf den Flug. Das Central Urban Hostel ist für Brüssel empfehlenswert. Zu Fuß erreicht man es ab Brüssel-Midi in etwa 10 zehn Minuten. Sehr saubere Betten und die vielleicht beste Dusche, die ich in einem Hostel je hatte. Sofort warm bei gutem Strahl. Wenn wir mal siebzig sind, träumen wir davon...
Einchecken muss man im Nebengebäude, aber das ist egal, weil es echt nur zehn Meter sind. Der einzige Nachteil: es gibt keinen Lift. Ich war im vierten Stock untergebracht, was das Schleppen der 15 Kilo schweren Tasche auf der engen Treppe recht mühsam gestaltete, zu Mal mir seit einigen Tagen der Arm schmerzt, was wohl an einem "Knubbel" liegt der auf den Nerv drückt. Das wird mich vermutlich den ganzen Urlaub begleiten, danach muss ich dann mal zum Arzt. Vorher hatte ich da keinen Bock drauf, weil ich befürchtete, dass der mir einen Strich durch meine Reise-Rechnung macht. Zurück zur Hostel: als ich da gestern ankam, hatte wohl irgend ein Depp auf seinem Zimmer geraucht und damit den Feueralarm ausgelöst, zwar war jetzt keine Panik ausgebrochen, auch die Feuerwehr war offensichtlich nicht angereist, es summte aber alle 30 Sekunden ein er schrecklich schriller Ton durch das Gebäude. Das ging lt. einem Zimmergenossen schon seit zwanzig Minuten so, ohne dass der Hostel-Mokel das Dingen abstellen konnte. An Pennen wäre dabei nicht zu denken gewesen, aber Gott sei Dank, hörte es nach etwa zehn Minuten dann auch wieder auf. Ich schlief ganz gut, bis um 5:45 Uhr der Wecker klingelte. Nach einer Dusche, abgetrocknet habe ich mich mangels Handtuch mit meinem Kissenbezug, checkte ich aus, und lief wie erwähnt zurück nach Midi. Der Zug stand schon breit, fuhr pünktlich um 06:45 Uhr ab und erreichte den Luchthaven um 07:08 Uhr.
Der Flug startete etwas verspätet, so circa ne halbe Stunde und konnte dies auf dem Weg über den großen Teich auch nicht wett machen. Im Gegenteil, so sagte doch der Pilot zwischenzeitlich durch, dass sich die Ankunftszeit weiter nach hinten verschieben würde, weil es unerwartet heftigen Gegenwind gäbe. Nun, damit muss man wohl leben... Wir landeteten jedenfalls sicher, was, zugegebenermaßen, nach dem germanwings-crash, zwar nicht wirklich in Zweifel gezogen worden war, aber dennoch beruhigte. Die Einreise verlief dann relativ harmlos: Was wollen sie hier? Kennen Sie jemanden hier? Was machen sie beruflich? Ein paar belanglose Fragen und schon war ich drin im Land der unbegrenzten... ach ne, im Land der Grizzlys und der Braunbären.... der unberührten Natur und... egal. Kanada halt. Ich war echt froh dazu sein. Wie gesagt, war halt doch etwas anders, als mal eben nach England zu jetten....
Per 747-Bus fuhr ich in die Innenstadt. An dieser Stelle sei erwähnt: es gibt ein Tagesticket für Bus und U-Bahn für 10 CAN-Dollar, aber auch ein 3-Tage-Ticket für 18 CAN-Dollar. Man sollte also genau gucken was sich für einen anbietet. Billig ist es in jedem Fall. Auf der Fahrt in die Stadt kam ich mit einer deutschen (Montreal)Studentin ins Gespräch, die gerade ihre Eltern vom Flughafen abgeholt hatte. Sie hatte die ein und andere nützliche Info auf Lager, unter anderem, dass HIER NUN die Station war, an der ich raus musste... sonst hätte ich die glatt verpasst. Danke und schönen Urlaub an die Eltern und schönes Studium an dich...
Von eben dieser Station der 747 fragte ich mich nun durch zu meinem Hostel. Leider war die Wegbeschreibung eher mangelhaft, gefunden hab ich den Laden dennoch. Die Auberge Saint Paul in der gleichnamigen Straße ist ein, bisher, noch habe ich hier ja nicht gepennt und geduscht, ordentlicher Laden. Nachdem ich eingecheckt hatte lief ich drauf los um die Stadt zu erkunden. Ich entwickelte den Plan in einer Bar ein Bier zu trinken, um dann den Carbonara-Länderpunkt in Angriff zu nehmen. Um letzteres machte ich mir weinig Sorgen, da ich frühzeitig viele Restaurants ausgemacht hatte, die meine favorisierte Speise feil boten. So kam es dann auch. Nach dem ich den Magnet für meine Eltern, die Postkarte für Garry, samt den nötigen Briefmarken und dem Dosenbier,  Anheuser Busch in 0,74 Liter Dosen, für mich organisiert hatte, konnte ich eine Bar besuchen. Nun gut, aus einem Bier wurden hier drei, aber sowas kennt man ja... Dann wurde der Pasta die Ehre erwiesen und der immerhin 28. Länderpunkt in dieser Kategorie verwirklicht. ...komme ich damit eigentlich in Guinnesbuch??? In einer Bar, die sich nach Bestellung des Bieres als Nobelrestaurant herausstellte, ging es dann heimwärst, nicht ohne die 9,20 Dollar für das 0.33 Liter Bier abgedrückt zuhaben. Aua, aber was solls... Ist ja Urlaub. Nun sitze ich auf der Hostel und bin dabei eine  der 0,74 Liter Dose Anheuser Busch zu leeren... Ich denke, dass ich dass schaffe, aber dann ist Zeit für Heia...
Natürlich habe ich mir dann auch noch die zweite Dose reingdrückt. Mit knapp vier Litern Bier im Gepäck ging ich dann aber tatsächlich ins Bett und schlief wie ein Stein, nicht mals geräuspert habe ich mich, was ich ja sonst ganz gerne im Suff-Schlaf mal mache. So hat es mir zumindest ein Zimmergenosse am heutigen Morgen erzählt. Gegen viertel vor sieben war ich das erste Mal wach geworden. Definitiv zu früh. Dann wieder um kurz vor zehn. Ich stand nun auf um das im Preis enthaltene Frühstück zu testen. Auf dem Tisch standen Croissants belegt mit Camenbert, Nüssen und Apfelstücken. Mal was anderes und ganz lecker. Zudem konnte man sich Weißbrot toasten und mit Marmelade und/oder Erdnussbutter bestreichen. Das Wichtigste aber war der Kaffee, der heiß, schwarz und stark war. So soll es sein.
Danach ging ich duschen. Nach dem ich rausgefunden hatte, dass man einfach am Hahn drehen, statt ziehen muss, klappte das ganz gut. Jetzt, frisch wie aus dem Ei gepellt, plane ich den Tag und die Weiterreise, morgen, nach Chicago. Ich bin gespannt, wie entspannt die Amis bei der Einreise sind...
Ich lief als erstes Richtung Wasser und da auf eine kleine vorgelagerte "Halbinsel" von der aus ich schöne Fotos machen konnte. Der dort stehende Clocktower war leider geschlossen, da keine Saison war. Seit wann haben Uhren denn Saison? So musste das Foto von dort oben leider ausfallen, was ich einigermaßen schade finde, da die Aussicht sicherlich ganz nett ist. Ich ging nun erst Mal zurück in das Hostel um mir Handschuhe zu holen. Es war gegenüber gestern mal deutlich kälter geworden, so um die minus 5 Grad, dazu ein schneidender Wind. Die Sonne lachte aber vom blauen Himmel. Lieber so als fünf Grad plus und Regen. Weiter ging es per Pedes durch die Stadt, ich suchte was zu Essen und fand tatsächlich eine belgische Frituur mit allem was dazu gehört. Ich entschied mich aber dagegen, weil ich mir dieses Highlight der Weltküche dann doch lieber auch tatsächlich in Belgien gebe. Den Zuschlag bekam eine Filiale der Bar von gestern Abend, die auch eine gute Speisekarte hatte. Ich orderte irgendein Ziegenkäse-Sandwich mit Salat und Pommes und bekam, nach einer gefühlten Ewigkeit etwas, das überhaupt nicht dem entsprach was ich erwartet hatte aber dennoch sehr lecker war. Dazu gab es eine Coke, auf Bier hatte ich noch keine Lust. Es war nun halb drei und Zeit zum Stadion aufzubrechen.


Impact de Montreal v Orlando City SC 2:2
Major League Soccer
28.03.2015 – 16:00 Uhr
Olympiastadion Montreal

An der U-Bahn-Station McGill stieg ich in die grüne Linie Richtung Honoré-Beaugrand und verließ sie zehn Stationen später bei Viau. Verlässt man die Station steht man direkt vor dem Stadion. Man könnte meinen man steht vor einem riesigen UFO, wie ein Stadion sieht es jedenfalls nicht so richtig aus. Daneben ist ein Turm, von dem Seile herabhängen und das Dach des Stadion halten, nicht das Dach über den Rängen sondern das Dach über dem Spielfeld. Weil ich nicht wusste wohin sonst ging ich auch direkt rein. Hinter dem einen Tor ist eine riesige Wand, an der die Anzeigetafel angebracht ist. Ob die beiden großen Ränge, die ansonsten rundum gehen, auch dahinter weiter gehen, und wenn ja, warum man diese zugestellt hat erschließt sich mir nicht. Eigentlich ein geiles Teil, wäre da nicht das erwähnte Dach über dem Spielfeld, das aus einer Art fester Zeltplane zu bestehen scheint. Zu allem Überfluss ist die Wiese auch noch aus Plastik. Aber bei aller Fußballromantik muss man wohl sagen, dass die bei deren Winter, in dem es gerne mal minus 40 Grad werden kann und Schnee in Massen fällt, ohne Plastikwiese und ohne Dach nicht regulär spielen könnten. Nehmen wir das also mal so hin. Die  Ultras Montreal standen völlig woanders als ich es recherchiert hatte, so dass mein eigentlicher Platz hinter denen gewesen wäre. Der normale Mensch sucht sich also einen freien Platz seiner Wahl mit gutem Blick auf eben jene Ultras, die ich später noch kennenlernen sollte, als ich in einer Bar ein Bier trank. Positiv muss erwähnt werden, dass die in Kanada IM Stadion Dosenbier verkaufen. Dieses wird dann nicht etwa in einen Becher gekippt sondern man bekommt die Dose tatsächlich in die Hand gedrückt und kann sie mit zum Platz nehmen. Grandios! Weniger grandios allerdings der Preis: 10,50 Dollar für eine 0,745 Liter Dose sind schon arg happig, sind das doch knapp sieben Euro. Aber man ist ja nur einmal in Kanada (oder doch nicht?). Ich fand dann raus, dass es auch gezapftes Bier in derselben Größe für 8,75 Dollar gibt. Am Ende war mir der Spaß drei Bier wert... GSKR... Das Spiel war sehr ordentlich und Montreal führte schnell mit 2:0. Ein Elfer brachte die Führung die kurze Zeit später durch einen richtig guten Lupfer über den Torwart (der eben am Flughafen-Kiosk neben mir stand) ausgebaut. Doch innerhalb von zwei Minuten konnte der Gast aus Orlando, unter anderem durch ein Kaka-Tor ausgleichen, so dass es mit einem 2:2 in die Pause ging. In der zweiten Hälfte war das Spiel weiter ausgeglichen, aber keine der Mannschaften konnte ernsthafte Torgefahr entwickeln wodurch es beim 2:2 blieb. Schade, hätte gerne so weiter gehen dürfen. Nach dem Abpfiff schnorrte ich mir eine Eintrittskarte, da mein Print@home-Ticket in der Sammlung doof aussieht. Als das erledigt war fragte ich einen Parkwächter nach einer Bar. Ich bekam eine klare Wegbeschreibung und fand die gemeinte Bar nach wenigen Gehminuten. Der Laden hieß Bra99 und beim Betreten erblickte ich sogleich ein Wandbild der Ultras Montreal. Ich kam mit Michael ins Gespräch der in Deutschland studiert hatte und entsprechend sehr gut Deutsch konnte. Auch mit ein paar anderen kam ich ins Gespräch. Dabei musste/konnte ich Aufklärungsarbeit leisten, weshalb Bayer Leverkusen was anders ist als Rattenball Leipzig. Ich denke sie haben mich verstanden. Das Bier in dem Laden war allerdings eher fragwürdig. Das erste, das ich testete war mega Bitter, das zweite schmeckt total seltsam. Das dritte war dann eine Art Ale und war gut trinkbar. 2,50 Dollar für ein 0,3 Liter Glas war dann auch wieder ein humaner Preis im Gegensatz zum Bier im Stadion. Weil ich am nächsten Morgen gegen drei Uhr raus müsste, verließ ich die Jungs gegen halb neun mit einem KOP-Montreal Schal im Gepäck, den man mir für die Fanartikel-Kette von Alfie Lund spendiert hatte. Vielen Dank dafür. Das Foto von Alfie mit dem Schal kommt... Ich fuhr zurück bis Uqam-Berri und machte mich da mal schlau wann in der Nacht die Busse zum Flughafen fahren. 04:07 Uhr sollte meiner sein. Wieder nichts mit ausschlafen... so klingelte dann heute Morgen um 3:15 Uhr der Wecker, ich zog mich an, schaufelte mit ne Portion eiskaltes Wasser ins Gesicht und putzte mir die Zähne. Das sollte reichen. Per Taxi fuhr ich dann für knapp 7,50 Dollar zum Busbahnhof und von dort per 747 zum Flughafen. Als ich an einem US-Airways Automaten einchecken wollte, fand dieser meine Buchung nicht... Das machte mich nervös, weil ja schon mein ursprünglicher Flug von Montreal nach Chicago von Air Canada storniert worden war, obwohl ich eine Buchungsnummer hatte. Irgendwas hatte ich damals überlesen. Weil auf meinem Online-Ticket nun auch eine Buchungsnummer von American Airlines stand probierte ich es an deren Automaten und es klappte. Das heißt der fand eine Buchung verlangte dann aber irgendwann, dass ich mir bitte Hilfe beim Staff holen sollte. Verstehe wer will, warum ich auf einmal mit American Airlines statt mit US-Airways fliege und warum das Einchecken nicht klappte. Der Typ vom Staff war dann aber mega nett und machte alles fertig. Mit der Boardkarte in der Hand passierte ich die Sicherheitskontrolle die nicht strenger war, als an jedem andern Flughafen auch. Nun kam die Grenzkontrolle, ja die kommt hier schon bevor man das eine Land verlassen hat. Es zog sich etwas und als ich dran war, musste ich die Fingerabdrücke abgeben, man hat ein Foto geschossen und ein paar Fragen gestellt. Aber auch der Kollege war super nett und hat mir sogar noch einen Blues Club in Chicago empfohlen. Meine Vermutung, dass Grenzbeamte auf der ganzen Welt aus Prinzip grantig gucken wurde von diesem Menschen wiederlegt. Ein paar Meter hinter mir entdeckte ich dann noch Kaka, der mit seinem Team, dem Orlando FC, auf dem Heimweg war. Später quatschte ich wie oben erwähnt noch kurz mit deren Torwart und er ärgerte sich, dass er beim gestrigen Elfer so knapp gescheitert war diesen zu halten. Auf seinen Fehler beim 2:0 sprach ich ihn nicht an. Ich wollte eigentlich noch ein Foto mit Kaka machen, aber als ich diesen entdeckte war er gerade am Essen. Dabei wollte ich ihn dann doch nicht stören.
Mein Flugzeug rollte ans Gate und ich dachte ich guck nicht richtig... Mit so einem kleinen Dingen bin ich auch noch nie geflogen, einem CRJ200 Canadiar Regional Jet. Ich zählte gerade mal durch: 13 Reihen mit je vier Sitzen, also 52 insgesammt. Nun befinden wir uns über einer verschneiten, weiten und platten Landschaft, irgendwo zwischen Kanada und den USA.

Wieder im Flieger, diesmal, vermutlich über dem Bundesstaat Indiana, östlich von Chicago, auf dem Weg nach New York City. Die Stadt, die angeblich niemals schläft ist die dritte Station auf meiner Reise. Fußball wird hier leider nicht geguckt, dafür steht morgen das Spiel der New York Knicks gegen die Brooklyn Nets im Madison Square Garden auf dem Plan... Zunächst werfe ich aber einen Blick zurück auf die letzten zwei Tage in Chicago:

Nach der Landung kam zu meiner Überraschung keine weitere Kontrolle der Einreisepapiere. Obwohl die ja schon in Montreal kontrolliert wurden, hatte ich damit gerechnet, dass die Amis es sich nicht nehmen lassen alles auch noch mal auf eigenem Grund und Boden zu checken. Doch als man aus dem Gate trat, war man mitten im Terminal. Meine Tasche kam als eine der ersten. Ich folgte den Piktogrammen mit dem Zug drauf und war bald an der Station O´Hare der blauen Metrolinie. Ich holte mir auch hier ein Drei-Tage-Ticket (25 US-Dollar), so dass ich ÖPNV-mäßig bis zu meiner Abreise versorgt war. Schon die Fahrt in die Stadt war interessant, passiert die Bahn doch viele Stadtviertel, die gutbürgerlich bis heruntergekommen scheinen. Teilweise fährt man so dicht an Wohnhäusern und Wohnungen vorbei, dass man erkennen könnte was die Leute in diesen auf dem Teller haben. Zwanzig Stationen und eine gute dreiviertel Stunde später stieg ich "Lasalle-Street" aus. Es dauerte zehn Sekunden und die Liebe zu dieser Stadt, die ich schon 1995 mit vierzehn Jahren ein Mal besucht hatte war wieder da. Als ich die U-Bahnstation nämlich verließ und mich umsah fiel mein Blick sofort auf die Hochhäuser. Im Hintergrund überragte der Sears-Tower, oder wie er seit einigen Jahren heisst, Willis Tower, alle andern Gebäude. Schon als Kind haben mich Wolkenkratzer fasziniert. Diese hier so geballt zu sehen ist einfach geil. Der Willis-Tower, war  lange Jahre das höchste Gebäude der Welt und ist immer noch das zweithöchste der USA (nach dem Freedom-Tower in NYC). 110 Stockwerke verteilen sich auf 445 Meter. Später dazu mehr. Zunächst fragte ich einen Parkwächter nach der Straße Wabash. Er zeigte geradeaus auf einen Traintrack, etwa 200 Meter vor mir. Ich ging hin und war schon an der HI-Hostel Chicago angekommen. Ein Hostel mit besserer Lage dürfte schwer zu finden sein. Ich konnte noch nicht aufs Zimmer, aber zumindest den Papierkram erledigen und bezahlen. Gegen Vorlage der Quittung würde ich später meine Keycard bekommen. Ich schloss mein Gepäck ein und machte mich auf den Weg. Ich tat was ich immer tat, ich lief drauf los, ohne echtes Ziel, erst mal Richtung Lake Michigan. Das Wetter war nun leider richtig kacke: es fing an zu Regnen und auch der Wind blies heftig vom See in die Stadt. Weil es am See wohl noch mieser war, drehte ich um und ging in die Häuserschluchten von Down Town. Überall und an jeder Ecke steht hier ein Wolkenkratzer der es wert wäre fotografiert zu werden. Architektonisch einfach wunderschön diese Stadt. Und wenn ein Gebäude mal nicht so geil ist, ist es dennoch irgendwie schön anzusehen, weil es auch dazu gehört. Ich denke man merkt, dass ich wenig Vorbehalte gegen die Heimat der Bulls (Basketball), Blackhawks (Hockey), Cubs und White Sox (Baseball) und Bears (American Football) habe. Die Straßen sind schachbrettmäßig angelegt, so dass man (oder vielleicht auch bloß ich) schnell durcheinander kommt. Die Orientierung verlor ich jedenfalls ständig, was nicht so dramatisch ist, wenn man kein echtes Ziel hat. Ich knippste drauflos und jedes Mal, wenn der Willis-Tower wieder zwischen anderen Gebäuden auftauchte, dachte ich nur: geil! Dieses Gebäude fasziniert mich einfach. Da ich den Carbonara-Länderpunkt bereits vor zwanzig Jahren erledigt hatte, und ich die Bestätigung von diesem in Little Italy in New York erledigen will, war ich bei der Speisensuche quasi frei. Ich fand einen Schnell-Imbiss der sowas ähnliches wie Gnocchis mit Pesto anbot. Weil ich keine Lust hatte noch weiter zu suchen, schlug ich zu, so Mal der Preis hier human war. Chicago ist nicht extrem teuer, aber auch nicht gerade billig. Man findet jedenfalls ein Menge günstige Burger- und Sandwichläden, wenn man für kleines Geld seinen Hunger stillen möchte. Es war inzwischen ein Uhr. Weil ich schwer einschätzen konnte wie lange der Trip zum Toyota-Park, dem Stadion des Chicago Fire Soccer Club dauert, machte ich mich nun auf den Weg dorthin.


Chicago Fire v Philadelphia Union 1:0
Major League Soccer – 4. Spieltag
29.03.2015 – 16:00 Uhr
Toyota Park

Per orangener Metro-Line fuhr ich bis zur Endstation Midway, was der zweite große Flughafen in Chicago ist, und von dort weiter mit einem Shuttle-Bus zum Stadion. Das dauerte zwar gefühlt eine Ewigkeit, klappte aber reibungslos. Am Stadion angekommen kam ich noch nicht rein, Bars gab es hier auch keine. Ich musste nun etwas erledigen, was halt wenigstens einmal am Tag erledigt werden muss. Die einzige Möglichkeit war ein Dixi-Klo vor dem Stadion. Aber bei sowas bin ich ja relativ schmerzfrei. Ich wollte nun einmal ums Stadion laufen, entdeckte dabei aber ein paar Verkaufsstände, wo Leute rumhingen mit Bier in der Hand. Ich mischte mich unter sie und wurde angesprochen: "Hey, you´re a Tottenham-Supporter?- we´re also!" (ich trug meine THFC-Mütze). So kam ich mit Leuten von der Atlantic Fire Brigade ins Gespräch. Das ist quasi ein Fanclub, der sich nach einer Bar namens "Atlantic-Bar" benannt hat. Neben Chicago Fire unterstützen sie halt auch Tottenham und gucken die Spiele von Tottenham in eben dieser Bar. Ich bekam ein Bier ausgegeben und später einen Schnaps namens Jeppson´s Malört. Dieser ist wohl nur in Chicago und der näheren Umgebung zu bekommen. Wenn man ihn probiert weiß man auch warum, schmeckt er doch so bitter, dass es, naja, probiert ihn selbst, wenn ihr mal in der Stadt seid. Ich quatschte mit vielen Leuten die zur aktiven Szene von Chicago Fire gehören und konnte mich so über Fanszenen in Amerika und Europa austauschen. Dabei wurde mal wieder deutlich wie riesig Nordamerika ist. Das naheste Auswärtsspiel von Fire ist 400 Kilometer weit weg. Der heutige Gegner, Philadelphia Union, hat eine Anreise von knapp 1000 Kilometer. Los Angeles ist knappe 3500 Kilometer weit weg. Straßenbahn-Derbys sind haben die jedenfalls nicht, ggf. in New York.
Ein Fan hatte einen alten Krankenwagen zu einem Fan-Mobil umgebaut, inklusive Sitzmöglichkeiten und Zapfhahn. Hier konnte man ein Bier für fünf Dollar kaufen, oder All-you-can-drink für zehn! Hätte ich das mal vorher gewusst... Nun, da es schon halb vier war lohnte sich das nicht mehr. Die ganze Szenerie mit den Grillständen, Bierverkäufen und Fanszeneständen nennen die Ami übrigens "tailgates". Sie sind ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Fankultur, wohl nicht nur beim Soccer, sondern auch bei anderen Sportveranstaltungen. Erst kurz vor Spielbeginn gingen wir, also ich und meine Bekanntschaften ins Stadion. Obwohl das Wetter inzwischen besser war, der Himmel war etwas aufgeklart aber kalt war es immer noch, waren enttäuschend wenige Zuschauer im Stadion. Dieses hat übrigens auf den Längsseiten jeweils eine doppelstöckige Überdachte Tribüne, hinter dem einen Tor nichts bzw, nur die Anzeigetafel und hinter dem anderen Tor unüberdachte Sitzplätze, die von den Ultras und anderen Fangruppen genutzt werden. Hier wurde dann auch, angeheizt durch einen Capo Stimmung gemacht. Es waren so um die  100 Leute, die sich bemüht haben, aber nicht so richtig überzeugen konnten. Aber da war das ein oder andere geile Lied dabei. Zur Melodie von "Tequilla" wurde bspw. der Stadt und dem Verein gehuldigt, dabei tanzte der Mob im Block. In der Halbzeit hatte ich ein Treffen mit Dan, einem Mitarbeiter des Vereins arrangiert. Vor dem Spiel hatte ich ihn vor dem Stadion kennen gelernt. Ich hatte ihm vom Alfie-Lund-Fund und der Fanartikelkette erzählt und gefragt ob der Verein einen Schal spenden wolle. In der Halbzeit bekam ich tatsächlich einen Schal geschenkt, den sonst nur die Season-Ticket-Holder bekommen. Vielen Dank. Einen "Kids-scarf" hatte ich bereits vorher an den tailgates gekauft. Fire war mit drei Niederlagen in die Saison gestartet, so dass es Zeit wurde für einen Sieg.... Ich hatte erfahren, dass Philadelphia Union ohne sechs Stammspieler auskommen musste, was dem Fire natürlich entgegenkam. So dominierten die Gastgeber den Kick und kamen nur selten selber in Gefahr. Aber weil nach vorne auch nicht viel ging endete das Spiel lediglich mit 1 zu 0. Aber das reicht ja erst Mal, damit der Knoten platzt.

Weil der Landeanflug auf New York eingeleitet wurde, musste ich den Computer aus machen. Mittlerweile ist eine Menge passiert knapp: vier Tage in eben diesem New York liegen hinter mir. Doch weiter erstmal beim obigen Stop...

Über die Bierpreise dachte ich nicht weiter nach, als ich mir zwei, drei davon gönnte. Ich kann euch nur empfehlen eine Menge Geld mitzunehmen und nicht in einer größeren Gruppe als Einziger anzureisen, der den LP USA neu macht. Die LP-Runde wird teuer...
Nach dem Spiel wollte von meinen neuen Bekannten keiner mehr ein Bierchen trinken. War ja auch Sonntag und da muss der normale Mensch am nächsten Tag früh raus und malochen. Daher fuhr ich alleine zurück in die Stadt. Normalerweise wäre ich nun in einen Supermarkt gegangen und hätte mir Bier fürs Zimmer geholt, aber auf meiner Herberge war Alkohol streng verboten. Und mit den Amis möchte ich mich da ungern anlegen. So fand ich noch eine Bar in der Nähe und goss mir ein paar Letzte rein, während ich mit einigen Eingeborenen ins Gespräch kam. Gegen 23 Uhr ging ich dann aber doch in die Heia, schließlich wollte ich ja am nächsten Morgen noch was von Chicago sehen. Das Frühstück hatte ich verpennt, so dass ich mir bei Dunkin Donuts zwei von Homer Simpsons Lieblingsgebäckkringeln holte, dazu einen Kaffee orderte und mich damit zu Fuße des Sears/Willis-Towers auf eine Treppe hockte und bei strahlendem Sonnenschein frühstückte. Das war so richtig geil. Da weiß man warum man dieses Hobby macht. Trick 17 brachte mich dann an der bestimmt 100 Meter langen Schlange der Wartenden vorbei, kostenneutral auf das Skydeck des Anfang der 70er Jahre fertiggestellten Turmes. Weil der Himmel nahezu Wolkenfrei war hatte man eine fantastische Sicht auf Chicago und den See, der nach dem östlich von diesem liegenden Bundestaat Michigan benannt ist. Seit 2009 gibt es einen Balkon mit Glasboden, hier kann man Fotos von sich machen lassen, soweit klappte auch Trick 17. Die Fotos wurden gemacht und später unten ausgedruckt. Doch dann wollten die 40 Dollar für zwei Bilder haben. Nene, das war dann etwas zu viel des Guten. Ich ging ne Kleinigkeit essen, was, das weiß ich schon gar nicht mehr und danach kurze Zeit auf Zimmer relaxen. Dann brach ich wieder auf und ging zum See, dort an der Promenade entlang Richtung Museum of Scince and Industry. Vor zwanzig Jahren war ich dort gewesen und kann mich erinnern, dass es sich richtig lohnt, so dass ich gerne wieder rein gegangen wäre, es aber zeitlich dieses Mal nicht passte. Ich ging daher weiter zum Soldier Field Stadion, das für Soccer leider nicht mehr genutzt wird, sondern nur für American Football, wenn die Chicago Bears spielen. Ich hatte einer Kollegin versprochen etwas von den Bulls zu organisieren. Ein Trikot von Michael Jordan war komischer Weise nicht zu bekommen, stattdessen holte ich eine Trainingsjacke. Ich hoffe sie passt und gefällt dem Jungen, wenn er im April Sieben wird. (was ich inzwischen bestätigen kann) Ich erkundigte mich bei den Hostel-Mitarbeitern, ob es in der Nacht sicher sei, alleine zur U-Bahn zu gehen und dann auch noch alleine mit dieser zu fahren. Ich überlegte stattdessen einen Taxi zu nehmen. Doch der Hostel-Info-Mokel sagte, es sei absolut sicher. Und das war es dann auch. Um 3:00 Uhr nachts ist auch in Chicago nicht viel los. Ein paar Straßenarbeiter, ein, zwei Autos das war es. In der U-Bahnstation waren ein weiterer Fahrgast und zwei Sicherheitstypen. Alles easy also. Die Bahn war dann sogar so voll, dass von "alleine" nicht die Rede sein konnte. Taxi gespart, 45 Dollar gespart. Sehr gut. Am Flughafen gab es dann ein paar Sachen, die ich zuvor noch nie gesehen habe: da standen vor der Sicherheitskontrolle Behälter in die man seine Wasserflasche entleeren konnte, um diese dann hinter der Sicherheitkontrolle an "refill-Stationen" wieder aufzufüllen. Absolut nachahmenswert. Am Delta-Gate gab es dann Kaffee und Tee für umsonst. Auch top, gut dass ich mir nicht vorher für teures Geld einen gekauft hatte. (Später in New York am Delta-Gate gab es diesen Service leider schon nicht mehr). Der Flug nach New York Laguardia startete etwas verspätet gegen kurz vor Sieben und landete um kurz vor zehn Ortszeit. La Guardia ist ja mal ein Miniflughafen, dachte der wäre viel größer. Nach dem richtigen Gepäckband musste ich jedenfalls nicht suchen, es gab nämlich nur eines. Eine Mitarbeiterin von einem Shuttle-Servive verkaufte mir ein Ticket für den Express-Bus nach Manhattan für 14 Dollar. Es geht wohl auch mit Bus und Metro, aber das kam mir recht kompliziert vor. Der Express-Bus hält an der Grand Central Station, an Penn Street und an Port Authority, wo ich dann auch ausstieg und per U-Bahn zur Canalstreet fuhr. Das U-Bahn-Netz von New York finde ich, zumindest nach diesem ersten Besuch recht unübersichtlich. Blöd auch, dass es wenige Maps vom Netz gibt, und die Aushänge, im Gegensatz bspw. zur Tube in London sehr spärlich sind. Zudem sind die Eingänge eng und durch Drehkreuze versperrt. Ich hatte mich mit einer Metrokarte versorgt und diese mit 19 Dollar aufgeladen, was meine Kalkulation nach reichen musste. Diese Metrokarte zieht man durch einen Schlitz am erwähnten Drehkreuz und kommt so rein. Die Züge selber sind nicht die neusten und recht schäbig. Erwartet man eigentlich eher in Osteuropa, aber gut, genug gemeckert. An Canal Street stieg ich also aus und erfragte mir die richtige Richtung zu meinem Sun Bright Hotel in der Hester Street, mitten in China Town, und in direkter Nachbarschaft zu Little Italy. Diese beiden Bezirke sind eigentlich nur ein paar Straßenzüge, dafür aber ihrem Namen alle Ehre machend. Nur Chinesen und chinesiche Läden, bzw. Restaurants, in Little Italy dasselbe halt mit Ristorantes... Obwohl es erst 11 Uhr war, konnte ich bereits auf mein Zimmer um das Gespäck los zu werden. Mir knurrte nun heftigst der Magen, so dass ich mich auf die Suche nach einem Restaureant machte, das Carbonara anbietet. Das war in Little Italy erwartungsgemäß kein Problem, im Gegenteil, ich hatte die Qual der Wahl. Alle Restaurants deren Chefs mich schon auf der Straße anquatschten um mich in ihren Laden zu locken, disqualifizierten sich. Ich entschied mich dann aus nicht näher zu erläuternden Gründen für das Casa Bella auf der Mullberry Street. Den Länderpunkt USA hatte ich ja bereits 1995 gemacht. Aber ein Ground nicht zählt, wenn man ihn mit nem eigenen Spiel gemacht hat, weiß man nicht so genau, ob Carbonara-Grounds und Länderpunkte zählen wenn man das Zeugs selber gekocht hat. Hier müssen noch eindeutige Regeln geschaffen werden. Nun, da ich Carbonara auch in einem Restaurant gefuttert hatte, besteht jedenfalls kein Zweifel mehr an der Gültigkeit des LPs. War das also auch erledigt. Ich wollte nun eigentlich zum Ground Zero laufen, bzw. zum Freedom-Tower der dort mittlerweile etwa 540 Meter in den Himmel ragt. Daraus wurde nur leider nichts, da ich mich entschied in einer Bar namens Whiskey-Tavern EIN Bier zu trinken. Wie naiv! Kaum hatte ich das Erste ausgetrunken, stand schon das zweite auf dem Tresen. Wie in einem Brauhaus in Düsseldorf oder weiter südlich davon. Nur halt, dass es sich hier um Pints handelte. Das dritte kam dann auch ratzfatz und weil ich durch das Fenster sehen konnte, dass es zu regnen angefangen hatte, blieb ich einfach da. Ich war zwischenzeitlich auch mit Jim, einem Iren, der seit 29 Jahren in New York wohnt, und später auch noch mit Thomas und Adam ins Gespräch gekommen. Die beiden waren Freunde, Thomas aus London und Tottenham-Fan, der andere, Adam, aus der Bronx. Die Gespräche waren durchaus nett und ausgiebig, über New York, Tottenham, Rivalitäten und Hauereien beim Fußball, europäische und amerikanische Sport- bzw. Fankultur und und und. So vergingen die Stunden, es wurde dunkel und zehn Bier und drei Whiskey später war ich pissed. Zehn Stunden in NYC und schon rattenvoll – tolle Stadt. Aber wie das so ist, wollte ich noch ein Bier auf dem Zimmer trinken. Ich dachte nicht, dass es so schwer würde irgendwoher noch zwei Flaschen Bier zu bekommen, aber kaum ein Laden verkaufte in China-Town Bier. Bloody Chinese... Irgendwann hatte ich dann Glück und fand nen Laden. Nach der Hälfte der ersten Flasche protestierte dann mein Magen kurz und heftig gegen das in den letzten Stunden getätigte Konsumverhältnis von flüssigen und festen Stoffen... Die zweite Flasche habe ich heute Morgen (Freitag) dann für die Putzfrau stehen lassen... Kleiner Sinnloskauf halt, aber man kennt das, wenn man erst mal Bock auf Bier hat...
Weil sich mein Magen halt schon am Abend vorher erfolgreich beschwert hatte, ging es mir nun, am Mittwochmorgen gut. Ich schlief aus und machte mich dann, ohne Zwischenstops in irgendwelchen Kneipen auf den Weg zum Ground Zero. Unterwegs griff ich dann noch einen Kaffee und einen Donut ab. Ich fragte mich durch, konnte mich aber auch am Freedom-Tower orientieren der immer wieder zwischen den anderen Gebäuden auftauchte. Thomas hatte am Vorabend erzählt, dass das Museum am Ground Zero 25 Dollar kosten würde und sich nicht lohne. Ich ging daher nur in eine Art Info-Shop und guckte hier in ein paar Bücher, die Bilder zeigten, die man alle schon mehr oder weniger kannte. Vom WTC selber oder dem was übriggeblieben war konnte man nichts mehr sehen. Ist auch unfassbar, dass das schon 14 Jahre her ist. Ich lief einmal um den Freedom-Tower und ging auch rein, wurde aber direkt mit "Sir, can I help you?" aufgehalten. Der Sicherheitsvogel erklärte mir, dass nur Arbeiter und Angestellte der ansässigen Firmen Zutritt hätten und die Besucherplattform noch nicht auf habe. Schade, aber eine anständige Aussicht auf Manhattan würde ich ja eh morgen beim Hubschrauberrundflug haben. Ich lief nun an der Südseite von Manhattan entlang und konnte so den ersten Blick auf die Freiheitsstatur erhaschen. Immer wieder geil, wenn man eine berühmte Sehenswürdigkeit, die man nur von Bildern oder aus dem Fernsehen kennt, auf einmal doch in echt vor sich hat. Die Queue am Fährhafen war ellenlang und Trick 17 zog hier nicht. Daher verzichtete ich auf eine Fahrt Statue und ging weiter an Battery Park vorbei zum Heliport. Ich hatte mein Ticket heute nicht dabei, so dass es nicht ging meinen morgigen Flug kurzfristig auf heute um zu buchen. Aber die Trulla erzählte mir, dass das Wetter morgen genauso wie heute sein würde, was auch mit meiner Recherche übereinstimmte. Dann halt morgen. Ich ging zurück nach Manhattan rein und fand einen typischen amerikanischen Diners. Ich bestellte mir ein Sailsbury Steak, Southern Style mit Gemüse und Pommes. Das Ganze war eine Frikadelle mit Zwiebeln und halt Pommes und Gemüse. Knapp 12 Dollar mussten berappt werden, für Down-Town Manhattan sicherlich ganz fair. Nach dem Essen ging ich noch mal auf mein Zimmer und ruhte mich etwas aus. Nun freute ich mich auf das NBA-Spiel zwischen den Knicks und den Brooklyn Nets. Ich ging auf den Broadway und diesen entlang, bis ich am Empire State Building angekommen war. Die Faszination Manhattans sind für mich nicht bloß die ganz bekannten Hochhäuser (Freedom-Tower, Chrysler-Building, Empire-State-Building, Trump-Tower usw.) sondern die Tatsache, dass fast jedes Haus mindestens zehn, ganze viele aber auch 30, 40 oder 50 Stockwerke haben. Das ist einfach der Wahnsinn und einfach unbeschreiblich. Ich kam zum Union-Square wo viele Künstler und Straßenmusiker auftraten. War ne schöne Atmosphäre dort, die ich mir einige Minuten anguckte. Das Empire-State-Building wollte 32 Dollar für einen Besuch. Das war mir zu viel, zumal ich ja wie, erwähnt morgen eh die wohl beste Aussicht auf New York haben werde. Im Kaufhaus Macys, dem größten der Welt, dessen Gründer Isidor Strauß übrigens mit der Titanic unterging, kaufte ich mir ein Polohemd, welches mir in einer kleinen Tüte mitgegeben wurde. Ich ermahnte mich diese Tüte nicht irgendwo stehen zu lassen. In einem Café trank ich einen Cappuccino und aß eine Portion Tiramisu, es dürfte bekannt sein, dass ich auf Desserts stehe. Danach ging ich direkt zum Madison Square Garden und fand nebenan auch eine Bar und weil die Sonne schien nahm ich auf der Terrasse Platz. Ich trank drei Bier und ging dann in die "worlds most famous arena" wie die Betreiber ihren Laden nennen. Ich will nicht wetten, dass sie damit Unrecht haben. Ich hatte eine Karte mit Barstool, das hieß ich würde an einer Art Theke sitzen mit Blick auf das Spielfeld. Das hört sich doch toll an. Ich hoffte auch hier mit ein paar einheimischen einen Schütten zu können, saß aber sinnloser Weise zwischen zwei Päarchen aus Frankreich. So habe ich dann halt alleine geballert. Ich spare mir eine taktische Analyse des Spiels, möchte aber erwähnen, dass es zum Ende richtig spannend wurde. Nach dem die Nets bereits mit 15 Punkten geführt hatten kamen die Knicks noch mal richtig ran, und verpassten den Sieg knapp mit einem gescheiterten Buzzer-Beater. Statt 101:100, hieß es daher 98:100. Die Atmosphäre in der Halle fand ich okay. Es gab außer den "Defence" rufen zwar nur wenige Anfeuerungsrufe und keine Fanblöcke, aber das war ja klar. Ansonsten merkt man, dass die Amis aus ihren Sportarten halt ne dicke Show machen. So gab es die Dance-Cam, die tanzende Zuschauer filmte, wo durch überall ein paar Verrückte wie wild lostanzten. Es gab ne Promi-Cam, die die Promis in der Halle einfing und jedesmal eine Jubelarie auslöste, als bspw. Liv Tyler eingeblendet wurde. Es gab einen Hochzeitantrag, der bejaht und dann noch mehr bejubelt wurde und und und. Den ganzen Kram will ich nicht beim Fußball sehen, aber hier gehört es halt dazu. Während des Spiels fiel mir auf das etwas fehlte. Ich hatte die Macys Tüte tatsächlich in dem Café vom Nachmittag stehen lassen. VERDAMMT!!!! Aber die werden die schon finden. Nach dem Spiel schnorrte ich mir eine richtige Eintrittskarte und lief dann zu dem Café, es war schon zu, aber am Tresen machte noch jemand sauber. Diese jemand kam dann auch zur Tür als ich klopfte, verstand mein Problem und gab mir meine Tüte. Hatte ich wieder mal Schwein gehabt. Ich fuhr nun zurück Richtung Süden und stieg an der Chambers Street aus. Ich lief was durch die Gegend und fand eine Bar namens Broom Street Bar wo ich einkehrte und noch den Abend ausklingen ließ. Dabei trank ich weitere Biere und passte wie ein Luchs auf meine Tüte auf. Zu dem konnte ich hier die Musik bestimmen, bestimmt 10 Dollar schmiss ich in die Jukebox, aber ich war gut gelaunt und es war es mir wert. Filmriss. Ich wachte auf und wusste nicht wie ich ins Hotel gekommen war. Aber das ist ja nichts neues. Aber: wo ist meine Tüte? Das kann doch nicht wahr sein? Ich durchsuchte das Zimmer in allen Dimensionen und fand sie nicht. Ich begann mich zu hassen. Ich schaute mir nun die Bilder in meinem Handy an und fand heraus, dass ich nach der Broom Street Bar noch in einem anderen Laden war. Auf den Bildern war auch meine Tüte zu sehen. Ich kannte weder den Namen und noch hatte ich einen blassen Schimmer wo der Laden ist. Vermutlich zwischen Broom Street Bar und meinem Hotel. Das würde Sinn machen. Also begab ich mich in diese Gegend und zeigte das Bild der Bar allen möglichen Leuten: Taxifahrern, Polizisten, andern Barbesitzern, jungen Leuten auf der Straße usw. Keiner kannte diese Bar, obwohl das Foto charakteristisch zeigte, dass in der Bar jede Menge Sportflaggen unter dem Decke hingen. Einige glaubten die Bar zu kennen und wiesen mir den Weg. Leider lagen sie aber immer falsch. Ich gab vorerst auf, ärgerte mich über mich selber und wollte mich ablenken. Da kam der Hubschrauber-Rundflug gerade recht. Diese hatte ich via Internet auf der Seite heliny.com gebucht. Seit ich mal nen Hubschrauber-Rundflug in den Alpen gemacht hatte wollte ich unbedingt noch mal einen machen. Und wo sollte es sich mehr lohnen als in New York. Da GSKR nahm ich auch gleich die größere Variante und investierte 289 Dollar. Verrückt ja, aber es hat sich gelohnt. Der Hubschrauber hob ab, flog in Richtung Coney Island und dann zurück an der Freiheitsstatue vorbei, den Hudson River hoch, bis zum Yankee-Stadion und wieder zurück. Der Pilot erzählte dabei allerhand Sachen über die einzelnen Gebäude. Das Gefühl wenn der Hubschrauber losschwebt und aufsteigt ist einfach geil. Ebenso wenn er in eine steile Kurve geht, und wieder sinkt... Ich kann den Rundflug nur empfehlen, denn obwohl es natürlich ordentlich was kostet, lohnt es sich. Nach der Landung holte mich aber die Tatsache ein, dass ich meine Tüte wieder haben wollte. Erst mal ging ich aber wieder was essen. Und da sie so toll schmecken, holte ich mir in einem anderen Restaurant noch mal Carbonara. Ich relaxte noch ne Stunde, da ich nun merkte, dass mir der gestrige Abend doch noch mehr in den Knochen hing als ich bis dahin gedacht hatte. Nach der Pause dann das gleiche Spiel wie am Vormittag. Leute fragen ob sie den Laden kennen... der 99ste etwa kannte ihn und nannte mir den Namen und die Adresse und erklärte mir wie ich hinkäme... Na, endlich. Als ich an der Adresse ankam, gab es aber auch diesen Laden nicht. Scheiße!!!  Ich ging in eine andere Bar, dort in der Nähe und die Frau hinter der Theke, sah das Bild und brauchte eine Sekunde um zu sagen: "Thats Tironas, its around the corner!" Da wusste ich, dass diese Frau weiß wovon sie redet. Ich ging hin und konnte es nicht fassen, dass ich den Laden gefunden hatte. Ich war in der Nacht tatsächlich bestimmt zwei Kilomter in eine völlig andere Richtung als zu meinem Hotel war gelaufen, um in diesem Schuppen noch zu trinken. Wie gesagt ab der Broom Street Bar weiß ich gar nichts mehr. Herrje, was für eine Nacht. Ich fragte den Barkeeper nach meiner Tüte, und er wusste von nichts und fand auch keine Tüte, wofür er sich hundert Mal entschuldigte. Ich konnte es nicht glauben, und gab in diesem Moment auf. Keine Ahnung was passiert ist und wo ich die Tüte habe... Ich habe sie abgehakt... Hauptsache Portmonee und Pass sind am Mann... Auf den Schock jedoch trank ich dann erst Mal ein Bier. Danach ging es in den Laden wo man mir den Tip mit dem Tironas gegeben hatte.  Weil dort heute Live-Musik anstand, könnte der Abend ja noch nett werden. Ich war um sechs Uhr da und schaffte bis sieben, dem Beginn der Live-Musik gerade mal ein Bier. Ich war nicht richtig in Form. Bei der Musik schaffte ich ein zweites. Es war ne ganz coole Band, die normalen Unterhaltungs-Rock á la Sweet Home Alabama spielte und coverte. Die Kneipe war relativ voll und einige tanzten ein wenig. Recht gesellig das Ganze. Nach einer Stunde war Schluss und ich ging, obwohl noch eine zweite Band spielte... Ich wollte nun das letzte Bier in New York, so wie das erste, in der Whisky Tavern trinken. Ich betrat den rappelvollen Laden fand einen Platz an der Theke und bestellte das lieb gewonnene Brooklyn Lager. Meine Bekannten vom Dienstag suchte ich vergebens, was vielleicht aber auch gut war. Wer weiß was sonst wieder passiert wäre.
Am nächsten Morgen klingelte um 7:00 Uhr der Wecker und ich ging sofort duschen. Ich packte anschließend meine Tasche und machte mich auf den Weg zum John F. Kennedy Airport. Dafür fuhr ich ab Bowery mit dem J-Zug einmal durch ganz Brooklyn und bekam so noch eine Menge von der Stadt zu sehen. Imposant die rieseigen Wohnsiedlungen, bzw. die endlosen Straßenzüge von Einfamilienhäusern. Ansonsten bekommt man aber auch viel Versifftes zu sehen, heruntergekommene  Gebäude an der Bahn, voll gesprüht mit sinnlosen Graffitis. An der Station Jamaica steigt man dann um in den Airport-Train, der einen direkt zum Flughafen bringt. An Terminal 4 war für mich Endstation. Direkt im Terminal konnte man einchecken was super zügig ging und auch die Sicherheitskontrollen gingen halbwegs schnell. Komisch nur, dass Schilder anzeigten man könne Laptop und Flüssigkeiten in der Tasche lassen, man dann aber am Schalter doch aufgeforderte wurde diese raus zu nehmen. Am Gate machte ich dann weiter mit der Schreiberei von diesem Text bis es boarden hieß. Ich war reichlich überrascht, dass uns eine Boeing 737 zu den Turks and Caicos Islands bringen würde. Dass da so viele Leute hinfliegen, hätte ich nicht gedacht. Aber in den USA ist Ostern und da hauen die halt auch mal ein paar Tage aus der Kälte ab. Der Taxifahrer bestätigte später auch, dass 90 Prozent der Touristen aus den USA und Kanada kommen. Weil irgendwelche Leute ihre Plätze tauschten konnte ich nun doch am Fenster sitzen was ich sehr begrüßte. Von Düsseldorf nach London ist mir ja inzwischen ein Gangplatz lieber um schneller raus zu kommen. Aber bei einem neuen Ziel, und dann noch so einem wie TCI (wie ich die Turks and Caicos Islands im Folgenden nennen werde) erst recht. Auf dem Flug schrieb ich dann weiter an diesem lyrischen Erguss und unterhielt mich mit meinem Nebenmann, der tatsächlich ursprünglich aus Griechenland kam. Er war der erste Grieche der sich bei mir (als Repräsentanten) des Deutschen Volkes bedankte, dass wir Milliarden nach Athen pumpen. Ich verschwieg, dass mir das eigentlich inzwischen auf den... Halt! Keine Politik! Der Landeanflug war dann schon ein kleines Highlight, konnte man doch erahnen welch ein Paradies man anflog. Der Weg durch die Einreisekontrolle zog sich dann wie Kaugummi. Scheinbar kommen alle Maschinen aus den USA und Kanada dort innerhalb von einer Stunde an, so dass da nun bestimmt 400 Leute in der Schlange standen. Nach etwas über einer Stunde war ich dann durch und konnte mir mit vier Amerikanerinnen ein Taxi teilen, das uns zu unseren Hotels brachte. Ich hatte lange überlegt welches Hotel ich nehmen sollte. Denn die sind hier schweineteuer. Ich entschied mich dann für das günstigste, das Silver Palm Beach House, was auch immer hin 735 Euro für fünf Nächte kostet. Soweit GSKR, aber wenn das nächst günstigere Hotel, das zwar wesentlich geiler war, direkt fast 1000 Dollar mehr kostet, hat auch GSKR seine Grenze erreicht. Der Taxifahrer musste etwas suchen bis er meine Butze gefunden hatte. Selassie, der wohl so eine Art Besitzer, Hausmeister, Concierge und Hotelboy in einem ist, begrüßte mich bereits vor dem Hotel und zwar in strömendem Regen. Kann ja wohl nicht sein. Warum fliege ich eigentlich ins Paradies? Aber ebenso schnell wie dieser eingesetzt hatte hörte er auch wieder auf. Ich konnte sofort auf mein Zimmer, welches ein großes bequemes Bett bietet, ein ordentliches Bad mit Dusche, Klimaanlage, Ventilator und nen fetten 31 Zoll Flachbildfernseher. Sicherlich okay, aber ich vermisse die Kochnische, die im Hoteltext angekündigt war. Bin bisher nicht dazu gekommen das zu klären. Schon seit Tagen hatte ich alle möglichen Kanäle bemüht zu bestätigen, dass am morgigen Samstag ein Spiel stattfinden würde. Irgendjemanden hatte mir auf Facebook geschrieben, es "sollten wohl Spiele am 4.4. und am 7.4. stattfinden." Was, wer, wie und wo genau stand völlig in den Sternen. Es blieb eine vage Hoffnung. Als ich mich dann geduscht hatte und nach dem Flug erst mal auf dem Bett bequem gemacht und den W-Lan Code in den Laptop gehauen hatte, rief ich Facebook auf, checkte die Seite der TCIFA und wäre fast vom Bett gefallen. Da stand doch tatsächlich eine konkrete Begegnung um eine konkrete Uhrzeit an einem konkreten Ort. Nun sind und bleiben die TCI fußballerisch aber eine, drücken wir es positiv aus: flexible Nation. Ich versuchte also weiter eine konkrete Aussage einer konkreten Person zu bekommen, die mir meine explizite Nachfrage explizit bestätigt (was wahrscheinlich immer noch nix heißen würde, mich aber beruhigt hätte...) zunächst bekam ich aber keine Antwort... Auch meine Freundschaftsanfrage bei fb an die Präsidentin des Verbandes (kein Scherz) blieb und ist bis heute (Sonntagabend) unbeantwortet. :-)  Ich ging erst mal zum Strand, der etwa 500 Meter weit weg liegt und stampfte ein wenig durch das türkisfarbene Wasser. Man kann schon sagen, dass der Grace Bay Beach ein schön ist. Ich ging aber recht bald zum Hotel zurück und hockte mich in ein Restaurant, das "Mr.Groupers" gegenüber des Hotels. Ich bestellte breaded pork chops und bekam quasi ein Schnitzel, dazu Pommes mit Mayo. War jetzt noch nicht so richtig Landestypisch, aber das kommt noch. Immerhin war das Bier ein einheimisches. Das "Turk´s Head Lager" ist gut trinkbar und sollte nicht das Letzte bleiben. Bei einer nahe gelegenen Tanke wollte ich dann noch etwas Bier holen um es auf/vor dem Zimmer zu trinken, doch die hatten keine Lizenz. Ich wurde weiter geschickt zu einem Laden etwas die Straße rauf. Da wurde ich fündig und entdeckte sogar eine Packung Aspirin mit Bayerkreuz hinter der Ladentheke. Schön, sehr schön! Mit meinen drei Bier ging ich die hundert Meter zurück zum Hotel, als hinter mir ein Kerl auftauchte und irgendwas mit "hey, sorry, mister" murmelte, ich schluckte mein mulmiges Gefühl runter, es war inzwischen Stockfinster, sagte: "sorry, no" und ging weiter, und tatsächlich gab er direkt auf. Vielleicht bin ich ja paranoid, aber ich hasse solche Situationen. Auf der Terrasse des Hotels, das eigentlich viel mehr ein Haus ist, das privat ein paar Zimmer anbietet, trank ich nun meine Biere, und surfte im WWW und hoffte alle zwanzig Minuten auf eine positive Antwort des Verbandes oder der Liga. Vergeblich. Irgendwann war das Bier alle und ich auch. Ich ging pennen. Ich versuchte es zumindest. Ich war etwas aufgedreht und nervös, der Ventilator machte krach und die Klimaanlage noch mehr, so dass ich letzte abschaltete und mich auf den Ventilator verließ. Der Morgen begann mit einer Dusche und einem Marsch in die nächste Stadt. Dort versorgte ich mich mit einem Mietfahrrad, das ich allerding erst um 13:30 Uhr abholen könnte, einer Badehose (nein, ich hatte diese nicht zu Hause vergessen, sondern es wurde mal Zeit für eine neue) und Badelatschen (nein, siehe Badehose). In einem Supermarkt holte ich mir ein Baguette, Butter und Käse: mein Frühstück für die nächsten vier Tage... Zurück im Hotel checkte ich zum X-ten Mal meine Email und fand die Erlösung. Das Spiel ist on und eine Wegbeschreibung zum Ground, der TCIFA-Academy, war auch dabei. Ich jubilierte und frühstückte nun erst mal. Auf google-maps hatte ich am Vorabend einen Fußballplatz etwa fünfhundert Meter hinter dem Hotel entdeckt. Dort ging ich nun hin um mal zu gucken was das genau ist. Ich kam nun in eine Art Ghetto wo Leute auf der Straße rumhingen, an ihren Autos lungerten oder im Schatten der Bäume saßen und nix taten. Ein Typ mit Rastafari Hair kam auf mich zu und fragte ob ich Weed will. Ich lehnte dankend ab und wurde gefragt wo ich denn hin will, die Straße sei schließlich ein dead-end. Ich erklärte, dass ich den Fußballplatz suche und bekam ein kopfschüttelndes "yeah, its over there, somewhere" als Antwort. Ich nahm nun einen kleinen Fußweg der scheinbar in den Busch führte. Keine Ahnung was mich geritten hat diesen Weg weiter zu gehen, bei meiner Abneigung gegen jedes krabbelndes Tier. Ich kämpfte mich regelrecht durch ein paar Gebüsche und stand irgendwann vor einem Zaun, dahinter ein Rugby-Platz auf dem gerade sogar ein Spiel stattfand, allerdings wohl nur irgendein Hobbyspiel, denn Trikots oder gar Zuschauer waren nicht auszumachen. Etwas enttäuscht nahm ich den gleichen Weg zurück.
Danach ging ich zum Strand und badete ein wenig, ich legte ich auf eine Liege und merkte, dass diese Rumlungern am Strand mit "gar nix tun" nichts für mich ist. Daher ging ich nun mein Fahrrad holen. Als ich auf dem Fahrrad zurück zum Hotel radelte spürte ich gewisses Gefühl von Freiheit. Ich fuhr auf einem lustig aussehenden Fahrrad durch ein karibisches Inselparadies. Wer kann das schon von sich behaupten. Ich musste aufpassen, dass ich beim Grinsen keine Fliegen und Mücken zwischen die Zähne bekam. Es war nun etwa zwei Uhr und ich wollte schnellst möglich zum Ground um zu gucken, ob da schon irgendwas los ist oder zumindest irgendjemand ist, den man noch mal fragen kann. Ich war als Radfahrer nun quasi wieder aktiver Teilnehmer am Straßenverkehr und das wo die Leute hier auf der linken Seite fahren. Ich bevorzugte den Bürgersteig und musste nur hin und wieder auf die Straße ausweichen, wenn auf dem Bürgersteig ein dickes Loch vor mir lag. Nach etwa 1,5 KM bog ich ab, und musste nun noch etwa 1,5 weitere Kilometer auf dem "Highway" zurücklegen. Dieser hat in beiden Seiten zwei Spuren und je einen breiten Seitenstreifen. Ist also zur Not auch für Radfahrer sicher. Der mir in der Wegbeschreibung angekündigte Supermarkt kam und ich bog wie gefordert davor links ab und düste den Hügel runter. Hier war tatsächliche ein Fußballplatz, der Fußballplatz der TCIFA-Academy. Natürlich war aber knapp vier Stunden vor Kick-Off noch keiner da. Die nächsten zwei Stunden radelte ich durch die Gegend. Dabei kam ich zum ehemaligen Nationalstadion, dass aber wenn überhaupt nur noch für Leichtathletik genutzt wird. Ich sah zwei Jogger die hinter dem Stadion herjoggten und an der TCIFA Academy wieder raus kamen. Ich fuhr denen nun hinterher und machte das gleiche durch, wie heute Morgen auf dem Weg zu dem Rugbyplatz, nur halt dies Mal mit dem Fahrrad. Völlig behindert, ich fuhr einfach weiter, weil es ja scheinbar nen Weg gab... zwischenzeitlich musste ich absteigen und schieben weil die Büsche zu eng waren. Ich fragte mich mehrfach, ob es nicht Sinn gemacht hätte mal zu checken welche Tiere es in den Gebüschen auf den TCI gibt... Wenn mich hier was gebissen hätte, wäre ich verwest bevor man mich gefunden hätte. Als ich mich endlich durch den Busch gekämpft hatte, stand ich: vor einem Zaun... !!! Hatte ich ein dejavue? Nein, hatte ich nicht. In dem Zaun war ein Tor, das man etwa 30 Zentimeter weit aufmachen konnte. Da waren die Jogger durchgeschlüpft. Für mein Fahrrad war das aber zu eng. Also ging es wieder zurück... zurück durch die Büsche mit dem Fahrrad. Ich hatte immer noch genug Zeit und auch der Hunger machte sich nun bemerkbar. In einem Supermarkt gab es warme, halbe Hähnchen für knapp 5,30 Dollar, dazu ein 7up – eine Top-Mahlzeit. Ich fuhr weiter durch die Gegend und die Zeit zog sich wie Kaugummi. Zurück im Supermarkt holte ich mir nun ein Sixpack Turk´s Head Lager und fuhr damit zu Stadion zurück. Ich kam gerade an, als ein junger Mann dort durch das Eingangstor ging. Es war ein Spieler der Cheshire Hall und sagte, "the Game should be on". Meine Hoffnung stieg. Ich verquatschte die Zeit mit ihm und niemand sonst kam. Es kam mal wer, verschwand aber wieder. Zwischenzeitlich war Steve Kendrew eingetroffen und hatte mich sofort mit Namen begrüßt. Er war derjenige, der mir am Morgen die Email geschrieben hatte. Er stellte sich vor und erzählte, er sei der Präsident der Liga und auch ansonsten unterhielten wir uns lange über den Fußball in Europa und auf den TCI. Er erzählte vom Länderspiel und den Problemen bei der Organisation eines solchen. Der eigentliche Torwart hatte bspw. nicht frei bekommen, weil er Bootscaptain ist, und man derzeit, in der Hochsaison, nicht auf ihn verzichten könne.
Im Laufe der Zeit hatte sich nun aber herausgestellt das angepfiffen würde. Und das wurde es dann auch,...


Rozo FC v Cheshire Hall 0:6
Pokal TCIFA
04.04.2015 – 19:00 Uhr
TCIFA - Academy

...am Anfang zwar nur mit 10:8 Spielern, aber das ist ja regulär und daher okay und wohl auch völlig normal auf den TCI. Ich machte in der ersten Hälfte der ersten Hälfte mein Groundrunde und konnte dabei auch eines meiner Six-Pack-Biere trinken. Ich begab mich nun auf den Balkon wo auch Steve das Spiel guckte und er erzählte weiter vom Fußball auf den TCI. Er war seit sechs Jahren hier und seit vier Jahren Präsident der Football-League (nicht der der FA!), dies sei eine Frau namens Sonia Bien Aime, diese sei auch eine "richtig Gute" und unter anderem eine gute Freundin eines CONCACAF Funktionärs mit Ambitionen auf den FIFA-Präsidenten-Sessel. Gut möglich, dass man noch mal von ihr hört. Auch weil sie "weiblich und schwarz sei", was für die FIFA einiges bedeutet, schaffe es doch Reputation... Er erklärte mir, dass die Liga populärer würde, sich mehr Menschen für Fußball begeistern ließen, es aber immer noch ein Problem sei, dass die Meisten auf den TCI eher auf die US-Amerikanischen Sportarten stehen würden und außerdem eher dem Soccer in den USA oder den europäischen Ligen, insbesondere der englischen folgen würden. Außerdem gäbe es viele Haitianer und Jamaikaner die sich, wenn es um die Nationalmannschaft dreht,  natürlich eher den eigenen Teams die Daumen drückten. Dennoch zeigte er sich halbwegs zufrieden mit dem Abschneiden bei den beiden Begegnungen mit St. Kitts in den Wochen zu vor, bei dem man zwei Mal mit 2 zu 6 verloren hatte. Bei Heimspiel seien sogar "a couple of german journalists" anwesend gewesen... - komisch, was wollten die da?
Das Spiel war durchaus unterhaltsam. Zwischenzeitlich waren immer neue Spieler eingetrudelt, so dass etwa ab der 30. Minute auch 11 v 11 gespielt wurde. Cheshire Hall dominierte das Geschehen und führte zur Halbzeit mit 3 zu 0. In der zweiten HZ fiel schnell das 4:0, ab da plätscherte das Spiel vor sich hin, bis die Gäste (die allerdings nur auf dem Papier Gäste sind, weil tatsächlich spielen alle Mannschaften auf dieser Anlage) eine rote Karte bekamen. Warum weiß keiner! Es plätscherte weiter, bis in der Nähe der Eckfahne von Rozo ein Zweikampf stattfand. Der Rozo-Spieler watschte den Hall-Spieler, der schuppste zurück, der Rozo-Spieler ballerte ihm daraufhin die Faust ins Gesicht. Das brachte einen Hall-Spieler dermaßen auf die Palme (von denen gibt es hier übrigens ne Menge), dass er zwanzig Meter Anlauf nahm und dem Rozo Spieler mit dem Knie voran ins Kreuz sprang. Nun war der Teufel los. Sämtliche Spieler schrien sich in einer Mischung aus Englisch und Kreolisch an, schubsten und schubsten zurück. Doch der Schiri behielt die Übersicht und Nerven und schickte die richtigen Spieler mit Rot vom Platz. Cheshire Hall, nun deutlich in Unterzahl, scorte dennoch zwei Mal und schraubte das Ergebnis auf 0:6. Dann war Feierabend und ich echt happy über diesen geilen Länderpunkt. Steve fuhr mich dann noch samt Fahrrad im Kofferraum seines Jeeps nach Hause. Ohne Licht am Fahrrad wäre das auch allzu abenteuerlich geworden. Daher vielen Dank an Steve für den Umweg....
Ich ging nun zu Fuß nach Grace Bay, einem Kneipenviertel von Provo. Auf dem Weg quatschte mich ein Pärchen an und fragte mich nach diesem und jenem Hotel und woher denn die Musik käme, die zu hören war. Das Pärchen war offensichtlich so gut wie blind und das meine ich ganz im Ernst. Um das zu verdeutlichen: wir standen auf einer Straße zwischen zwei Ortschaften mitten im Nirgendwo. Was macht ein blindes Pärchen mitten in der Nacht, dort mitten auf einer holprigen Straße??? Ich konnte denen natürlich nicht helfen und war froh als ein weiterer Passant kam und denen den Weg erklären konnte. Der Typ wollte auch in das Viertel wie ich und so teilten wir und einen illegalen Taxi. Das Wort dafür ist mir leider entfallen. Das ganze läuft so: wenn man zu Fuß unterwegs ist, wird man angehupt und wenn man will zeigt man an, dass man mit will. Vermutlich kennen die Einheimischen die Preise dieser illegalen aber üblichen Taxen, Touris aber natürlich nicht. Ich sagte daher beim Einsteigen "to Saltmill Plaza one Dollar, okay?" - "Yes Sir, thats fine", war die Antwort. Robert und ich stiegen ein und waren eine Minute später da. "Ten Dollar!", "nono, you said one is fine", "nono, five, each" – "nono, here you have three", ich drückte die dem Penner in die Hand und ging. Ziemlich frech, aber das gehört wohl zum Spielchen. Robert schlug vor in den Danny Bouys Pub zu gehen. Ich sagte ihm, ich würde ihm folgen nach dem ich meine Carbonara gegessen hätte. Ich erklärte ihm kurz warum ich unbedingt Carbonara essen müsste und er nahm es mit einem Schmunzeln hin. Er empfahl mir den Laden PizzaPizza und ich folgte diesem Tipp. Ich bekam eine ordentliche Portion der besten aller Pasta-Varianten und fiel aus allen Wolken. Hier in Grace Bay, Provodencial, Turks and Caicos Island hat sich der Laden der PizzaPizza Kette unter die Top-Drei der jemals gegessen Carbonara katapultiert. Schon die erste Gabel zerging auf der Zunge. Richtig, richtig geile Carbonara. Der zweite Länderpunkt des Tages wurde damit grandios eingetütet. Sensationell! Innerhalb von drei Stunden! Ich ging nun überglücklich und pappsatt in den Danny Bouys Pub und traf Robert wieder. Er saß mit ein paar Ami-Tussen zusammen und ein paar weitere Leute saßen drumherum. Wir quatschten über dies und das und schauten dabei das Final-Four Halbfinalspiel der amerikanischen College-Basketball-Liga zwischen  Wisconsin und Kentucky. Aus irgendeinem Grund war der ganze Laden für Wisconsin, so dass da echt Stimmung war. Wisconsin gewann das spannende Spiel dann auch, aber statt zu feiern begaben sich alle Fans nach Hause. In unserer Gruppe befand sich auch ein Engländer mit dem ich durch mein THFC Tshirt ins Gespräch gekommen war. Meine Frage warum nun alle nach Hause gehen und wie das nach so einem wichtigen Spiel wohl in einem englischen Pub aussähe kommentierte er mit: "fuck, the hell we would all wank it down..." Dieser Engländer fuhr mich nun noch nach Hause, weil es für ihn eh auf dem Weg lag. Den absolut erfolgreichen Tag ließ ich dann noch bei ein zwei Bier auf der Terrasse ausklingen und ging mitten in der Karibischen Nacht gut gelaunt ins Bett.
Am Sonntag schlief ich erst mal lange aus, um dann gegen 11 Uhr aufzustehen, zu duschen und mir bei der Tankstelle gegenüber nen Kaffee zu holen. Ich nahm ne Cola dabei und bekam den Kaffee umsonst. Kaffee und Cola, für einen Dollar, da kann man mal nicht meckern. Ich durchstöberte nun, nach dem ich gefrühstückt hatte, das Internet nach brauchbaren Boots-Touren, es gibt mehrere Anbieter für Halbtages- und Ganztagesausflüge mit ähnlichem Programm: Gefahren wird mit einem Katamaran, Schnorcheln im drittgrößten Korallenriff der Welt, die Ausrüstung wird gestellt, Halt in der Halfmoon-Bucht, wo die Crew zeigt wie das Fleisch der Muschel aus der Schale entfernt wird und anschließend aus dem Fleisch einen Salat zaubert, dazu gibt es Bier, Softdrinks, kleine Snacks usw. Das Ganze kostet knapp 80 bis 100 Dollar. Der Ganztagesausflug bietet zudem einen größeren Grillevent an einem weiteren Strand. Kostet dann aber auch etwa 165 Dollar. Ich entschied mich nach Sellassies Tip für einen Halbtagesausflug mit dem Anbieter Caicos Dream Tours. Man konnte zwar online buchen, bekam aber keine Bestätigung, weshalb ich zu dem Laden hinfuhr, der im Alexandra Resort, einem Hotel nur fünf Fahrradminuten von meine Butze entfernt lag. Dort bestätigte man mir einen Termin für Montag, 13:30 Uhr. Als das erledigt war setzte ich mich aufs Bike und fuhr die Straße Richtung Grace Bay, durch Grace Bay  durch und einfach mal drauf los, um zu sehen was die Insel noch so kann. Dabei kam ich am Club Med vorbei. Dies war 1984 der erste Club, der auf den Turks and Caicos Island ein Resort einrichtete und immer noch erfolgreich ist. Man machte damals mit der Regierung einen Deal: Ihr gebt uns das Land, und wir bauen euch den Flughafen aus, die Straßen usw. Damit war das Tourismuszeitalter auf den TCI ausgebrochen. Noch heute ist es mit Abstand das wichtigste Standbein der lokalen Wirtschaft. Ich fuhr aber weiter und kam irgendwann zu einer holprigen Seitenstraße, auf die ich spontan abbog, in der Hoffnung am Ende eine einsame Bucht oder so zu finden. Das war es zwar nicht, aber der Strand dort war auch ein absoluter Traum, gekrönt durch eine Bar mit geilem Meerblick. Ich trank ein Bier, ging den Strand etwas auf und ab und trank wieder ein Bier. Richtig schön hier. Ich fuhr dann wieder zurück, nahm eine Dusche auf dem Zimmer und recoverte. Am Abend ging ich zu Mr. Groupers, dem Restaurant gegenüber und dinierte fein: In Coconut-fried-snapper mit einer Backofenkartoffel und irgendeinem süßgebratenem Gemüse. Sehr karibisch, sehr lecker. Der Local-food Part war damit definitiv erledigt. Nach dem Essen trank ich auf der Terrasse wieder noch ein Bier und ging dann pennen.
Am nächsten Morgen packte ich früh mein Brot, die Butter, den Käse und meine Badeklamotten ein und machte mich gegen halb neun auf zum Strand, ich ging eine Runde schwimmen. Das Wasser ist hier gar nicht so warm wie ich angenommen hatte, aber immer noch sehr angenehm. Nach der Abkühlung setzte ich mich auf eine Liege und frühstückte mit Blick auf den karibischen Atlantik. Absolut herrlich. Ich wurde dann von einem Typen angesprochen, der sich dabei auch neben mich in den Sand setzte ob ich irgendwas brauche, Dope, oder ob ich irgendwelche Wassersportarten machen wolle, Frauen, was auch immer... sein Name sei, Gabe, und er könne mir bestimmt helfen. Ich lehnte dankend ab, sage aber, dass ich ihn fragen würde wenn ich doch noch was brauche. Damit gab er sich zufrieden und verschwand, nicht ohne Ghetto-Fist. Ich beobachtete zwei Einheimische die von einem anderen trainiert wurden wie man Baeachvolleyball spielt. Ich grübelte für was die wohl trainieren würden? Rio 2016? Wer weiß... Ich ging dann am Strand entlang Richtung Alexendra Resort um rauszufinden wo ich mich gleich für meinen Katamaran-Trip melden muss. Ich fand die Stelle und ging dann zurück zu meinem Fahrrad und fuhr ins Hotel zurück. Auf dem Bett liegend relaxte ich, ist ja schließlich Urlaub vom Urlaub. Ich plante nun den Dienstag in dem ich die Tourismusseite der TCI durchsuchte. Boris Mardo hatte mir empfohlen mit nem kleinen Flieger nach Cockburn, der Hauptstadt der TCI zu fliegen. Für siebzig Dollar war das sicherlich eine Alternative. Aber irgendwie sagt mir das nicht zu, zumal ich ja auch noch per Taxi zum Flughafen muss, und wieder zurück. Denn mit dem Fahrrad wäre mir das zu weit. Ich entdeckte auf genannter Internetseite ein anderes Angebot: die TCI Food-Tour. Fünf Gänge, einheimische Spezialitäten in fünf verschiedenen Lokalen, abseits der Touristen-Pfade, dazu würde der Guide etwas über Geschichte, Kunst und Kultur der TCI erzählen. Für 99 Dollar zwar kein Schnapper, aber da ich ein Verfechter guten Essens bin und so etwas über die TCI lernen und Plätze die man sonst nicht sieht, kennen lernen würde, buchte ich. Auch hier bekam ich keine Bestätigung, so dass Selassie den Laden anrief. Eine Bestätigung sei nicht nötig, zumindest keine gedruckte, ich solle einfach morgen bei Salt Mill Plaze am Casino sein. Perfekt!
Dann war es auch schon fast eins und ich brach auf, erst Mal nach Grace Bay um mich mit einer Käppi zu versorgen. Ich hatte keinen Bock auf nen Sonnenstich. Ich fand ein Angebot: Käppi plus Tshirt der TCI für zusammen 19.99 Dollar. Billiger wird es wohl nicht, also zugeschlagen. Dann ging es zurück zum Alexander Resort wo an der entsprechenden Hütte der Caicos Dreamtours bereits viele Leute warteten und mit Flossen und einer Art Schwimmweste ausgestatten wurden. Insgesamt stachen drei Boote um 13:30 Uhr in See. Auf meinem tummelten sich außer mir, zwei Familien mit insgesamt drei Jungs, zwei davon etwa 18 bis 20, der jüngste circa 13 Jahre alt, eine Mutter mit ihren zwei Töchtern und ein Pärchen. Unser Captain hieß Jason, sein Kollege Keith. Beide waren echte Entertainer und machten lustige Ansagen, zumindest soweit ich es verstanden habe, was leider im Detail nicht immer der Fall war. Nach etwa einer viertel Stunde Fahrzeit erreichten wir das GGG-Riff. Dies ist nach dem Great-Barrier-Reef vor Australien, dem XXX-Reef vor ZZZ das dritt größte der Welt. (Die korrekten Namen konnte ich leider nicht behalten und auch nicht eindeutig recherchieren) Es misst in der breite etwa 50 Meter und ist 194 Meilen lang. Ich bin noch nie in meinem Leben geschnorchelt. Und ich wollte es hier nicht ausprobieren, war ich mir doch sicher, dass ich den Schnorchel eher unfreiwillig als Strohhalm für das Salzwasser benutzen würde, denn als Atemgerät. Daher sprang ich zwar mit dem Schnorchel an der Taucherbrille ins Wasser setzte ihn aber nicht ein. Ich wusste nun gar nicht was mich erwartet, holte tief Luft und tauschte den Kopf unter Wasser. Was für ein Schock! Unmittelbar vor mir schwammen hunderte, schwarze, etwa mannshandgroße Fische fröhlich vor sich hin. Wie gesagt, von Riffen, Schnorcheln, Tauchen und so einem Kram habe ich keine Ahnung, deshalb war ich nicht davon ausgegangen, so schnell so nah an irgendwelchen Fischen dran zu sein. Möglich, dass das naiv war, aber so war es halt. Nun gut, jetzt waren das keine Haie und auch keine Ungeheuer. Nach dem ersten "Überraschungsschock" tauchte ich daher wieder unter und gab mich nun der Faszination dieses Riffes her, schließlich habe ich sowas vorher noch nie in echt gesehen. Das einzige Mal, dass ich getaucht bin, war im Freibad in Opladen... Die Riffformationen, die von knapp zwei Metern Wassertiefe auf zehn oder mehr Meter Tiefe abfielen, die scharfen Kanten und die Pflanzen dazwischen  wirkten mit den Fischen die überall umher schwammen echt faszinierend und der Ausflug hatte sich jetzt schon gelohnt. Ich schwamm also mit den anderen wie ein Schwarm menschlicher Fische um das Boot herum und beobachtete die fabelhaften Wesen unter Wasser... Aber ehrlich gesagt, so schnell wie die Faszination kam, war sie dann auch wieder weg. Nach dem ich mir eine gute Viertelstunde das Treiben angeguckt hatte, hatte ich auch den Eindruck alles gesehen zu haben. Für einen ahnungslosen wie mich sieht dann halt doch alles gleich aus. Es sei  denn man hat die Kraft und die Geduld es stundenlang dort unten auszuhalten. Ich hatte weder die Kraft noch die Geduld.... das geschluckte Salzwasser spülte ich an Bord dann mit einem Bier herunter. Einige blieben noch etwas länger im Wasser. Als es dann nach einer guten Stunde nach dem Stop weiterging wurde die Musik an Board aufgedreht und bei Bier, Rumpunsch und Tortillas wurde ein wenig gequatscht. Dabei kam heraus, dass die beiden älteren Jungs in Los Angeles an einem College Soccer, eh Fußball, spielen. Wir unterhielten uns daher ein wenig über Sport hüben wie drüben. An einem Strand der sich Half Moon Bay nennt machten wir unseren nächsten Stop, hier zeigte Keith wie man bei einer Conch (gesprochen wie Konk) das Fleisch aus der Schale holte. Die Conchs hatte er während wir schnorcheln waren und bei vereinzelten Stops an bestimmten Stellen im flachen Wasser selber aus dem Meer geholt. Dafür klopfte er mit einem Hammer ein Loch in die Schale, stach mit einem Messer hinein und konnte nun das Fleisch aus der großen offenen Seite heraus ziehen. Ohne das Loch-rein-klopfen geht das wohl nicht, weil sich das Viech sonst in der Muschel zu fest ansaugt. So habe ich es zumindest verstanden. An dem für ein ungeübtes Auge völlig wirr wirkendem Geschöpf zeigte Keith nun wo der Kopf, der Mund, das Geschlechtsorgan usw. ist. Er schnitt etwas ab, das leicht glibbrig wirkte, circa 15 cm lang war und aussah wie ein Gummiband. Er reichte dies nun rum und erklärte, dies zu essen sei gut für die Potenz. Das hatte ich aber nicht richtig verstanden, weshalb ich nachfragte. Arg peinlich berührt wiederholte eine junge Mitfahrerin: "Its good for your penis, hihihi" - verklemmte Amis. Kann man nicht einfach mal SCHWANZ sagen,...? Naja,lassen wir das. Die Männer und Jungen in der Gruppe probierten nun das Glibberdingen und es schmeckte wie von Keith angekündigt wir ein salziger Gummibär. Muss man nicht haben, aber ich dachte es sei schlimmer. Nun schickten Keith und Captain Jason uns los, den Strand zu erkunden, damit sie unser Lunch zu bereiten könnten. Ich schlenderte los und machte im Unterholz einen Leguan aus. Dieser starrte mich an und ließ sich bereitwillig ablichten. Sehr cool. Der Strand hier in der Half Moon Bay war mal richtig geil. Absolut flach, feinsandig, palmengesäumt und von zwei Seiten von Meer umgeben. Auf der anderen Seite, man musste etwa 50 Meter rüber gehen, ankerte ein Segelkatamaran und machte ein ähnliches Programm mit seinen Gästen wie unser Boot. Ich setzte mich später in den Sand, bewaffnet mit einem Bier, dass ich mir vom Boot geholt hatte. Welch Romantik, mein Bier und ich am Strand der Half Moon Bay auf den Turks and Caicos Islands... :-) irgendwann riefen Keith und Jason zum Essen. Es gab Tuna- oder Turkysandwiches, Tachos und den Conch-Salat. Die Conch, bzw. Das Fleisch von dieser war in kleine Stücke geschnibbelt worden und unter einen Salat von Tomaten, Gurken und Zwiebeln gemischt worden. Ein leckerer erfrischender Snack. Das Conch schmeckt, bzw. zäh ist wie Kaugummi sollte ich am nächsten Tag erleben. Hier und in so kleinen Stücken merkte man davon nichts. Nach dem Essen fuhren wir wieder heimwärts und die Gespräche über den Fußball wurden fortgesetzt. Ich erzählte dabei mehr als die anderen, interessierten sie sich doch für den europäischen Fußball. Gegen 17 Uhr war der Spaß vorbei und wir legten wieder am Alexandra Resort an. Ich fuhr nun nach Hause und haute mich nach einer Dusche erst mal hin. Ich holte mir in dem Shop nahe des Hotels noch drei Bier und setzte mich damit vor das Hotel und hörte Musik via youtube. Ein Mal querbeet alles was mir einfiel. Mein Hotelnachbar setzte sich kurz zu mir und wir quatschten über die zu hörende Musik, das meiste kannte er nicht. Kein Wunder, er kommt aus Grenada – wer kennt da schon die Onkelz?
Ich fuhr nun mit dem Rad wieder nach Grace Bay um im Danny Bouys Pub das Finale der amerikanischen College-Basketballmeisterschaft zu gucken. Es spielten die von mir favorisierten Wisconsin-Budgets gegen die Duke Blue Devils aus Durham in North Carolina. Ich gesellte mich zu ein paar Badgets-Fans die mich nett in ihrer Runde aufnahmen und gemeinsam schauen wir das Spiel. Ich hatte ihnen nicht erzählt, dass ich als LEV eher Pech bringe wenn es um Finalspiele geht, so dass sie nicht sauer waren, als es am Ende 71:64 für die DUKEs stand. Schade, wieder einmal ein Finale verloren. Die Badgets gaben dennoch ein, zwei Bier aus, dann zollte ich der Hitze und dem Trinken während meines Ausfluges und vor dem Hotel Tribut und fuhr nach Hause. Völlig geplättet fiel ich ins Bett.
Ohne gefrühstückt zu haben fuhr ich am nächsten Morgen gegen zwanzig vor elf nach Salt Mills. Ich fragte eine Dame wo das Casino sei. "You have to continue the road for 15 Minutes" – WAS? Ich dachte der Treffpunkt wäre hier, Salt Mills, am Casino! Unter ein paar überdachten Bänken saßen einige Leute die offenbar auf etwas warteten. Ich fragte sie instinktiv ob sie auf die Food-Tour warteten und bekam ein "yes". Perfekt, aber warum Casino? Die Lösung ist einfach, dieses überdachte Dingen nennen die Amis Kasiber. Ausgesprochen von einer Einheimischen, durch ein Telefon ins Ohr eines Deutschen hörte sich das halt wie Casino an. Egal, jetzt! Ich war am richtigen Treffpunkt. Um kurz nach Elf traf Sherryn ein, unser Guide. Sie hatte ihre Cousine von den Bahamas dabei. Als erstes ging es in einen Laden, direkt am Kasiber. Hier gab es eine mega-leckere Conch-Suppe mit Kartoffeln auf Sahne-Basis. Sensationeller Start. Ich liebe ja Suppen. (Gibt es eigentlich eine Carbonara-Supper, irgendwo?) Sherryn erzählte beim Essen, dass unser zweiter Stop ein Laden namens Mr.Grouper sei. Och nö, da war ich doch schon zwei Mal... Wir fuhren  einen Umweg und kamen zu einem Strand auf der anderen Seite der Insel, es erübrigt sich zu sagen, dass auch dieser traumhalft schön ist. Hier entsteht daher auch gerade das erste Resort auf dieser Seite der Insel. Gebaut von einem Typen, dem bereits zwei andere Resorts auf den TCI gehören. Nun ging es aber in mein "Stammlokal". Hier wurde eine süße Limonade serviert, zu essen gab es gegrillten Fisch im Ganzen, mit einem Makkaroni-Käseauflauf und dem süßen, gebackenen Bananen: Lecker, aber die Unmengen Gräten nervten dann doch arg. Nun ging es einmal quer über die Insel nach Downtown, bzw. durch Downtown durch zu einem Laden namen Bugaloos. Was soll ich sagen? Ich glaube ich habe noch nie ein Restaurant in einer so geilen Lage gesehen. Es war direkt am Strand, einem natürlich traumhaft schönen, so nah am Wasser, dass einige Tische im Wasser standen. Ein Typ machte Livemusik im karibischen Stil und so war die Unterhaltung perfekt. Das war nicht extra für die Touri-Gruppe engagiert. Das war da einfach so, deshalb war es auch authentisch. Hier gab es einen Conch-Salat, ähnlich dem von Keith und Captain Jason, eine Art gebratenen Fleischball und Conchs in Panade gebraten. Salat und Fleischball waren gut. Die Panade-Conches aber waren so zäh und kaugummi-artig, das es einfach lästig war die zu kauen. Den "Aufwand" ist es nicht wert, denn besonders schmecken tun die nicht. Auch die Cocktail-Mayo konnte das nicht wett machen. Zu trinken gab es hier einen alkoholfreien Cocktail aus Orangen- und noch nem Saft. Keine Ahnung was, war aber lecker. Nach diesem Gang gab es eine Vorstellung die ich schon kannte. Und zwar von Keith. Hier zeigt es anderer "Muschel-Fänger-Knacker" was er kann. Dasselbe Spielchen wie am Vortag: Loch rein klopfen, Messer rein stechen, Fleisch rausziehen. Auch hier wurden die einzelnen Körperteile erklärt usw... Es wurde aber auch beim zweiten Mal nicht langweilig, weil ich nun etwas näher dran war und besser hinsehen konnte. Als die Vorstellung beendet war fuhren wir zu einem Schnell-Imbiss und bestellten sieben Mal BBQ-Chicken und einmal grilled Pork-chops. Wir befanden uns an einem typischen Imbiss für die Einheimischen. Bis das essen fertig sein würde, fuhren wir nun noch nach Blue Hills einer Gegend direkt am Meer die es bei Hurricans am ärgsten trifft, wie Scherryn erzählte. 2008, beim letzten schweren Hurrikan auf den TCI waren die Zerstörungen hier am schlimmsten, so schlimm, dass sogar einige Gräber auf Friedhöfen, nahe des Wasser zerstört und "aufgeschwemmt wurden". Bei den Hurrikans auf den TCI ist wohl nicht der Wind das größte Problem, sondern die ungeheuren Wassermassen die vom Himmel und vom Meer kommen. Nach Blue Hills fuhren wir zurück zu dem Schnellimbiss, der sich heute aber eher als Langsamimbiss herausstellte. Minute um Minute verging, wir warteten im Auto und nichts passierte. Ich hatte irgendwann die Schnauze voll und fragte ob ich mal raus dürfte, was natürlich kein Problem war. Nur etwa 50 Meter vor mir lag schließlich ein Ground, und der sollte erkundet werden, es handelte sich um den Downtown-Ballpark. Für Fußball wird der aber wohl nicht genutzt, sieht jedenfalls gar nicht danach aus. Aber man kann ja mal Fotos davon machen für Europlan, sonstige Non-League Fotos. :-)
Irgendwann kam dann unser Essen doch noch und wurde uns in den Wagen gereicht. Nun wurde es etwas albern. Anstatt mit dem warmen essen irgendwo hin zu fahren, an einen Strand, eine Bucht oder sonst einen Platz wo die Einwohner gerne rumlungern fuhren wir nach Grace Bay zurück und dort zu einer Rumverköstigung. Diese war sehr knapp und die Probierschlücke so klein, dass man quasi nichts geschmeckt hatte. Und zu verdauen gab es ja auch nicht viel, weil das Essen ja in der Plastikbox eines jeden kalt wurde.... Als die Rumverköstigung vorbei war, war auch die Tour vorbei. Der Abschluss war dann doch ein wenig enttäuschend. Es haben nicht mal alle Gruppenteilnehmer zusammen probiert sondern irgendwie durcheinander. Das hätte man besser organisieren müssen und können. Nun gut, unterm Strich war es okay. Wenn auch keine 99 Dollar wert...

...ich sitze übrigens inzwischen im Greyhound-Bus von Philadelphia nach Washington DC. Ich hatte bis zu dieser Stelle immer mal wieder häppchenweise weitergeschrieben, ohne zu vermerken wo ich das gerade tue. Einmal saß ich dabei im oben erwähnten Mr.Grouper auf den TCI, einmal bei mir auf dem Zimmer auf den TCI. Das nur der Form halber.  Mein derzeitiger Standort impliziert, dass das Abenteuer Turks and Caicos Islands und der Abstecher nach Philadelphia vorbei sind... Doch wie  immer der Reihe nach...

Die Food-Tour war vorbei und ich nicht richtig satt. Das will was heißen, bin ich doch normalerweise nach ner kleinen Pizza so pappsatt, dass ich am liebsten jedes Mal schlafen würde... Ich überlegte daher jetzt schon, was ich am Abendessen sollte. Ich guckte im Internet noch mal nach ein paar Restaurants und fand auch einige gute, aber die waren einfach zu teuer. Will man was mit Meerblick haben, kostet in den Läden ne Hauptspeise immer über 25 Dollar. Zu dem kommen die Getränke und ne Servicepauschale. Und weil ich irgendwann keinen Bock mehr hatte zu suchen entschied ich mich für meine Leibspeise, die war, wie erwähnt, ja auch Weltklasse gewesen. Als ich ein wenig gerastet hatte, begab ich mich zunächst zum Strand, wo ich mich abkühlte und anschließend etwas in meinem Buch las, etwas das ich die ganze Tour noch nicht getan hatte. Danach fuhr ich zurück, duschte, verfluchte die Mückenstiche und ging bei PizzaPizza essen. Die Carbonara waren wieder super, wenn auch nicht ganz so geil wie beim ersten mal. Zum Nachtisch gönnte ich mir dann noch ein Stück Boston-Cake.
Am nächsten Morgen stand leider die Abreisevorbereitung an. Als erstes brachte ich meinen treusten Weggefährten der letzten vier Tage heim in seinen Drahteselstall. Nun musste ich zu Fuß zurück, machte aber an einem Supermarkt halt und holte mir ein Schokocroissant. Frühstück muss ja auch mal sein. Ich watschelte nun durch die für zehn Uhr morgens bereits immense Hitze und kam total durchnässt im Hotel an. Dort duschte ich zunächst und packte dann meine Tasche und meinen Rucksack.  Als das erledigt war organisierte Selassie einen Taxi der mich zunächst zum Postamt brachte, damit ich meine Postkarte für Garry einschmeißen konnte und dann zum Flughafen. Ich stieg aus, machte ein, zwei Schritte vom Taxi weg und der düst los. Die Tasche!!! Ich rannte los, dem Taxi hinterher, bis dieser nach etwa 50 Metern anhielt, sich tausend Mal entschuldigte und mir meine Tasche gab... heilige Scheiße, das wäre was geworden. Ich hatte zwar Portmonee, Handy und vor allem meinen Reisepass in der Hosentasche, aber völlig ohne Kleidung reist man ungern... Aber et hät noch äwwer jut jejange... oder so ähnlich.
Beim Einchecken der nächste Schreck. Die Trulla wollte die Adresse von Bob haben, bei dem ich in Philadelphia pennen würde. Die hatte ich auch auf einem Zettel in meinem Portmone, daran aber in diesem Moment nicht gedacht. Nun ging ich in das Flughafencafé, wo es W-Lan gab um Bob per Whatsapp nach seiner Adresse zu fragen. Dass klappte aber nicht. Nun kam die Trulla, die ab sofort nette Dame heißt und reichte mir ein Telefon, damit ich Bob anrufen kann. Das tat ich dann auch, bekam ihn an die "Strippe" und er gab mir seine Adresse durch. Ich notierte sie und gab den Zettel der netten Dame. Diese fragte nun bei der einen Zahl oder dem anderen Buchstaben nach, was es denn heiße. Ich konnte das nun aber selber nicht mehr lesen, weil der Stift so scheiße war und ich auch so krakelig geschrieben habe. Da ich aber mittlerweile etwas ruhiger war, sagte ich einfach irgendwelche Zahlen die halbwegs passten und gut war die Kiste. Ich hätte wahrscheinlich auch irgendeinen kompletten Kappes angeben können und es wäre okay gewesen... aber nun gut, ich bin Deutsch und da ist man gründlich. Man versucht es wenigstens, um den Ruf aufrecht zu erhalten...
Die Sicherheitskontrolle verlief dann easy und als ich gestresst auf einen Sitz in der Wartehalle fiel, kam mir auch mein Zettel wieder in den Sinn. Ich schiebe das jetzt mal nicht auf die Verpeiltheit, sondern auf meine Aufregung. Ich war bei den ganzen Einreisen und Ausreisen immer etwas nervös. Ist halt nicht Schengen...
Der Abflug erfolgte zehn Minuten früher als geplant, so, dass wir ohne nennenswerte Zwischenfälle in Atlanta landeten. Hier musste ich durch die Passkontrolle die aber easy verlief. Nun musste ich meine Tasche abholen und diese erneut an einer dafür vorgesehen Stelle abgeben. Warum die die nicht durchchecken habe ich auch nicht kapiert. War letztlich aber alles einfacher als ich es befürchtet hatte, als es mir die nette Dame erklärt hatte. Es war mittlerweile 23:00 Uhr deutscher Zeit. Ich zitterte und hatte ein flaues Gefühl im Magen, denn genau während ich im Flieger gesessen hatte, hatte im heimischen Leverkusen der SVB gegen die Blödköppe aus Bayern gespielt, Pokal Viertelfinale! Handy an, W-Lan an, soccerway...arrrgrhhrhrhrhgghh verdammt... 0:0 und im Elfmeterschießen verloren... Ich hätte fast vor irgendwas vorgetreten, konnte mich aber noch beherrschen. So eine verfluchte Kacke. Drmic hatte diesmal verschossen. Aber das ist ja eigentlich egal. Wenigstens hatte ich bis zum Abflug noch Zeit für ein NUR-DER-SVB-Frustbier. Es kam aber was kommen musste, mein Flug hatte zunächst eine Stunde, dann noch eine weitere halbe Stunde Verspätung. Ich kehrte daher an die Bar zurück und kam mit einer Amerikanerin ins Gespräch die zufällig auf demselben Flug gebucht war und ebenfalls die Zeit totschlug. Ich unterhielt mich lange mit ihr und während ich auf Toilette war bestellte sie zwei Mal ein neues Bier. Die kosteten immerhin acht Dollar jeweils... Irgendwann, als ich schon halbwegs einen im Tee hatte ging es dann endlich los. Als ich den Boardingpass bekommen hatte, hatte der Typ noch was von Exit-Row gefaselt. Ich war daher davon ausgegangen schön an einem Notausgang zu sitzen und Beinfreiheit zu haben. Stattdessen saß ich nun eingepfercht zwischen zwei Typen und es war nur eine Frage der Zeit bis ich pinkeln müsste... Aber egal. Auf dem Flug las ich mein Buch weiter und so verging der Flug dann auch recht schnell. Ein paar Worte zu Delta Airlines: peinlich beschreibt es wohl am besten. Außer dem Frei-Kaffee am Gate in Chicago können die nix. Pro Flug gibt es ein Getränk und ein einen "Snack". Dieser Snack besteht aus einer sagenhaften 12-Gramm Tüte Erdnüssen oder Salzbrezeln... Peinlich eben. Die Verspätung am Ende war nur das Tüpfelchen auf dem negativen i.
Am Flughafen in Philadelphia traf ich dann nach knapp sieben Jahren Bob wieder. Bob hatte ich zusammen mit Sebe auf einem Trip nach Zagreb in einer dortigen Jugendherberge kennengelernt, gemeinsam mit ein paar Einheimischen haben wir die ganze Nacht durchgesoffen bis morgens um Sieben. Absolute Kultnacht. Wir blieben via Facebook in Kontakt und nun, da ich ihm von meinem Trip erzählt hatte, war ich eingeladen, bei ihm, seiner Frau und seinem einjährigen Sohn zu pennen. Vielen Dank, an dieser Stelle schon mal. Er sagte schon auf der Fahrt zum ihm nach Hause, dass er, sein Sohn und auch seine Frau alle ein wenig kränkelten, zu dem könne er nicht frei machen. Das ist schade, lässt sich aber nicht ändern. Bei ihm zuhause angekommen trank ich noch ein Wasser, dann gingen wir auch schon pennen. Bob zeigt mir mein Zimmer und das haute mich fast um. Riesengroß und ein absolutes Traumbett. Doppelbett mit mega vielen bequemen Kissen und einer warmen Decke. Richtig geil. Das Bad passte sich dem ganzen an und war quasi mein eigenes. Bob verabschiedete sich und ich legte mich in mein kleines Paradies. So bequem habe ich woanders selten geschlafen, wie im Fünf-Sterne-Hotel....

...so, wir erreichen langsam Washington... ich halt mal nach diesem Weißen Haus Aussicht, muss in der Nacht ja ganz gut zu sehen sein... :-)

...Ich habe das Weiße Haus in der Nacht nicht mehr gesehen. Aber am nächsten. Doch der Reihe nach. Mittlerweile bin ich zu Hause und habe mich aufgerafft, die Letzten Tage niederzuschreiben...

Ich wachte früh auf, was nicht, wie Bob mich vorgewarnt hatte, am Geschrei seines Sohnes lag, sondern, trotz aller Bequemlichkeit, am erneut neuen Bett. Ich machte erst mal nur ne Katzenwäsche und ging dann runter. Ich lernte nun Bobs Frau Kristy und seinen Sohn Oliver kennen. Kristy begrüßte mich freundlich und auch Oliver grinste mich an. Nach einem Kaffee musste Kristy leider schon los zur Arbeit, dafür traf Chanel, die Nanny ein. Kurze Zeit später musste auch Bob zur Arbeit. Ich verabschiedete mich unter die Dusche und als ich wieder runter kam war auch Katie mit Evan da, ein weiterer Einjähriger, den Chanel beaufsichtigte. Ich trank noch einen Kaffee und unterhielt mich mit Chanel und Kristy und soweit dies geht mit den beiden Hosenscheißern. Gegen zehn brach ich dann auf in die Stadt, ich lief die 20. Straße Richtung Down Town rein und machte wieder fleißig Fotos. Philadelphia ist was die Hochhäuser angeht nicht sooo imponierend wie Chicago oder New York, hat aber dennoch ein paar schöne Gebäude zu bieten. Die City-Hall zum Bespiel war vor etwa 140 Jahren, als sie erbaut wurde für einige Jahre das höchste Bürogebäude der Welt. Laut Wikipedia ist der 167,03 Meter hohe Uhrenturm bis heute, das höchste gemauerte Gebäude der Welt.
Was nicht jeder weiß: Philadelphia ist eine der geschichtsträchtigsten Städte der USA, so wurde hier am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben und 1787 die amerikanische Verfassung. Von 1790 bis1800 war "Philly", wie die Metropole am Delaware Fluss kurz genannt wird, sogar die Hauptstadt er USA, bevor es Washington DC wurde. Knapp 1,5 Millionen Menschen leben in der Metropol-Region Philadelphia. Philly ist damit die fünf größte Stadt der USA, nach New York, Los Angelas, Chicago und Houston.
Genug Infos! Nach dem ich also ein wenig durch die Stadt und einmal um die City-Hall gelatscht war, ging ich zu einem mit Bob vereinbarten Treffpunkt. Wir gingen in einer Bar was Essen. Ich nahm eine Portion "dark-fried fries mit chees" klingt seltsam und war es auch. Die Pommes waren nicht übel, aber Mayo wäre mir lieber gewesen. Bob lud mich ein – vielen Dank. Zum Essen trank ich dann auch endlich das erste Bier in der Stadt, die gemäß einem CNN-Bericht die achtbeste Bierstadt der USA sein soll... Es war irgendein lokales Bier und schmeckte nach gar nix. Das kann nur besser werden. Bob gab mir noch zwei Tipps: das Mütter-Museum, wo zahlreiche medizinische Exponate ausgestellt sind und das Franklin Institute. Zweiteres ist ein Interaktiv-Museum für Technik und Wissenschaft. Das Mütter-Museum (es hat nichts mit Mamas zu tun, sondern der Gründer hieß Mütter) kostete 15 Dollar – zu viel, weil mir das Thema des Ladens auch nicht wirklich zu sagte. Also ging ich zum Franklin-Institute. Benannt ist es nach einem der wichtigsten Söhne der Stadt: Benjamin Franklin, immerhin Erfinder des Blitzableiters und von vielem mehr. Hier waren zwar 35 Dollar Eintritt zu berappen, aber da mir die Thematik des Museum zusagte und zudem eine Ausstellung des Lego-Künstlers Nathen Sawaya und eine Animals-Inside-Out Ausstellung des von Körperwelten Bekannten Deutschen Gunther von Hagens inklusive waren ging ich rein. Ich bin ja ein Lego-Fan, und so fand ich die Kunstwerke die Sawaya aus den bunten Steinen geschaffen hat echt faszinierend. Skulpturen eigener Schaffenskunst, aber auch Repliken bekannter Stauten und Gemälde waren zu sehen. Auch die Animals-Inside-Out Ausstellung bot einiges faszinierendes. Leider waren die Erklärungen nur auf Englisch und nun mit medizinischen und anatomischen Fachbegriffen gespickt, so dass ich nicht viel verstand, weil mein Englisch dann doch kapitulierte. Das gilt auch für die Ausstellungen des eigentlichen Museums, zu dem Themen "giant heart", "Elektrizität", "Sport" und anderen Dingen. Wer will kann sich ja mal die Internetseite des imposanten Schuppens angucken: https://www.fi.edu/ Ganze 3,5 Stunden verbrachte ich im FI, dann war es genug, so dass ich Richtung Heimat, bzw. Bobs Haus ging. Unterwegs kehrte ich in einem Pub ein und trank ein anderes einheimisches Bier. Das war schon besser. Bob kam gegen 17 Uhr dazu und wir tranken ein Bier gemeinsam, dann war es Zeit Chanel abzulösen. Zu Hause angekommen wurde Ewan gerade von seiner Mutter abgeholt. Oliver war gar nicht gut drauf und quängelte rum. Auch Bob ging es nicht so gut. Und Kristy auch nicht. Es lief darauf hinaus, dass wir alle zu Hause bleiben würden. Ich war darüber nicht traurig, hatte doch auch mein Bierdurst schon mal bessere Tage gehabt. Wir bestellten Pizza und gerade als diese kam, passierte das kleine Malleur. Oben in seinem Kinderzimmer ließ sich Oliver seine Milch noch mal durch den Kopf gehen. Ich habe es mir nicht selber angeguckt, aber anhand dessen, dass Bob meinte ich solle schon mal mit der Pizza anfangen und das ich fertig war, als die drei runter kamen, kann man ermessen, dass es wohl recht brachial gewesen sein musste. Oliver grinste jedenfalls übers ganze Gesicht und es schien ihm deutlich besser zu gehen als vorher. Jaja, wer von uns kennt es nicht – Sonntag morgens...! Wir aßen noch gemeinsam ein wenig weiter, dann gingen Bob, Kristy und Oliver schlafen. Schade, aber wenn man krank ist, ist Schlaf halt eine gute Medizin. Ich recherchierte noch ein wenig Infos für den morgigen Tag. Bob hatte mir vom "Brauhaus Schmitz" erzählt. Dem angeblich "authentischsten deutschen Brauhaus" an der Ostküste. Nach all dem Ami-Futter dachte ich mir: scheiß drauf, gehste halt mal typisch deutsch essen und überprüfst die Authentizität des Brauhauses.
Ich ging aber erst mal pennen um am nächsten Morgen mit einem ähnlichen Ablauf wie am Vortag in den Tag zu starten. Gegen halb zehn lief ich dann los und begab mich zur Indipendence Hall. Diese wurde 1741 als Pennsylvania State House gebaut und war der Sitz der Regierung von Pennsylvania. 1776, am 4. Juli, wurde hier die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Dieses Ereignis gibt dem Gebäude seinen heutigen Namen. Tickets für die Besichtigung bekommt man im Visitors-Center eine Straße weiter. Bis 16 Uhr war alles voll, aber das würde nicht passen, so setzte ich den Dackelblick auf, und bekam weil ich "just one" war, noch ein Ticket für 2 AM. Perfekt! Ich schaute mich nun etwas um und lief los, weil ich mich um 12:15 Uhr mit Bob im Brauhaus verabredet hatte. Als ich den Laden betrat war mein erster Gedanke: das passt. Es war echt typisch deutsch, nicht übertrieben, aber einfach so wie halt ein Brauhaus in Düsseldorf (oder von mir aus auch in K) ist. Ich bestellte mir ein Füchschen Alt!!! Kein Scherz, das gab es da. Und kaum hatte ich ein gutes deutsches Bier auf dem Tresen, hatte ich auch Schaum drauf. Diesen gibt es bei amerikanischen Bieren nämlich eher selten. Ich bestellte mir Käsespätzle und Bob Wurstplatte mit Spätzle. Na wenn das mal nicht so richtig Deutsch ist – mitten in Philadelphia. Im Nachhinein kann ich dem Laden ne sehr gute Note ausstellen. Wer mal in Philly ist, und sich nach zu Hause sehnt, sollte hier einkehren. Nur, die sieben Euro für ein 0,3er Altbier sind dann doch, Gott sei Dank, eher untypisch für Deutschland. Leider hieß es nun schon wieder Abschied nehmen von Bob, da er arbeiten musste und nicht vor meiner Abfahrt zu Hause sein konnte. Ich dankte ihm vielmals für seine Gastfreundschaft und wir versicherten uns, dass wir uns wiedersehen würden. Als Bob weg war zahlte ich und ging dann zurück zur Indipendence Hall und machte meine Tour. Diese war nicht uninteressant, auch wenn der Guide zu schnell sprach damit ich alles verstand. Ich habe allerdings kapiert, dass der Stuhl der in einem der Räume steht, der selbe ist auf dem vor knapp 240 Jahren George Washington als erster Präsident der USA gesessen hatte. Ein nettes Detail zum Schluss: die Indipendence Hall ist auf der Rückseite des 100-Dollar-Schein abgebildet.
Zurück im Hause Striker packte ich nun schnell meine Tasche und passte auf, dass ich alles habe. Das Taxi kam dann leicht verspätet aber rechtzeitig um mich zum Busbahnhof zu bringen. Hier wusste ich nun nicht, ob ich meine große Tasche einchecken müsste, wie manche es taten, daher fragte ich nach und fand raus, dass man das nur muss, wenn man weiter als Washington fuhr... Seltsame Regelung. Der Bus startete dann mit einer Verspätung von knapp 30 Minuten dafür aber mit gutem W-Lan gen Washington DC, der Hauptstadt der Welt? Eher nicht, wenigstens aber der, der USA. Meine letzte Etappe hatte begonnen...
Knapp 200 Kilometer fährt man, von Philly nach Washington DC, die meiste Zeit über die Interstate 95. Dabei kommt man u.a. durch Baltimore, der Heimat der bekannten American Football Mannschaft Baltimore Ravens.
Schon auf der "Einfahrt" nach Washington zur Union Station fährt man über die H-Street East. Auf dieser Straße lag mein Hostel, das DC Hostel Washington. Ich entdeckte es nicht, war aber begeistert, dass wir direkt von der H Street in die Union-Station einbogen. So musste ich nun nur den Ausgang H-Street nehmen, da rechts abbiegen und etwa 500 Meter geradeaus gehen. Schon war ich da. Optimal! Direkt mal möchte ich diesem Hostel eine gute Note ausstellen: sauber und ordentlich. Bettzeug und Handtuch inklusive UND: es gibt JEDEN Abend zwischen 7 und 9 pm ZWEI Freibier. Das ist doch mal geil! Dummerweise kam ich heute zu spät dafür, konnte aber, nach dem ich meine Tasche abgestellt hatte, mit auf den Pubcrawl gehen. Zunächst gingen wir in eine Kneipe, dann, nach zwei Bier in einen Club. Weil die Truppe mit der ich unterwegs war, echt nett war, wollte ich nicht meckern. Aber nach einer knappen Stunde hatte ich auf den Laden einfach keinen Bock mehr. Clubbing ist einfach nichts für mich. Ich ging hoffnungsfroh ins "Rock-Cafe" gegenüber, musste aber feststellen, dass die hier keinen Rock, sondern den selben RnB Quatsch spielten wie in dem anderen Club. Also rückwärts wieder raus und weiter, neben an in einen Irish Pub, zwei Bier, weiter, und nun landete ich in einer Kneipe wo tatsächlich Hardrock lief und wo das Bier nur drei Dollar kostete. Hier blieb ich dann etwas länger. Ich kam mit dem Kellner ins Gespräch, der als Jugendlicher drei Sommer hintereinander von seiner Mum zu seiner Tante nach Heidelberg geschickt wurde, und so die Vorzüge, des "ab-16-Saufen-Dürfens" kannte. Ich wollte, als der Laden zu gemacht hatte noch mal in die erste Kneipe des Abends, aber die war auch schon zu. Also ging ich pennen.
Nun begann also der erste echte Tag in Washington. Leider schlief ich etwas zu lang um meinen Plan in die Tat umzusetzen. Dieser hatte so ausgesehen: Samstag: Sightseeing: Capitol, Washington Monument, Lincoln Memorial, White House. Dann um 16 Uhr Fußball. Abends: mal gucken... Sonntag: ein, zwei Museen.
Ich ging nun los via Massachusetts Avenue zum Capitol, welches leider eingerüstet war. Zumindest der Turm oben drauf. Ich fotografierte nahezu jedes Gebäude was mir in die Quere kam und ging weiter durch die Parkanlagen hinter dem Capitol. Es ist hier echt schön, viele Bäume, viel Grün. Aber auch viele Menschen. Unmengen Menschen. Selten zuvor habe ich so viele Touris gesehen. Das ging mir gut auf die Eier, aber beschweren ist ja ziemlich albern, war ich schließlich einer von diesen Touris. Ich kam nun am Washington Monument und am Weißen Haus vorbei. Der erhoffte "Boaaaaahhh" - Effekt stellte sich nicht ein,  kam man halt nicht wirklich nah an den Präsidentensitz ran. Fotos kann man nur von sehr weitem machen, immer angerempelt von anderen Touristen. Es hat sich aber dennoch gelohnt. Immer schön, berühmte Sehenswürdigkeiten mal live zu sehen.      Ich machte mich dann auf die Suche nach was Essbarem, fand aber zunächst nichts Brauchbares. Entweder zu teuer oder voll. Bei einem Kubaner fand ich dann ein Plätzchen, aber man sagte mir, dass es nur Tapas gebe – entgegen der Lunch-Karte. Also war das auch nicht das Wahre. Beim Chinesen musste man dann tatsächlich Nummern ziehen um dran zu kommen! Sind wir auf dem Amt, oder was. Raus da! Alle guten Dinge sind drei. Ich fand eine Bar, Graffiato, direkt neben dem Verizon Center, und dort eine Pizza die sich interessant anhörte: "The gladiator", belegt mit geröstetem Pfeffer, Zucchini, Perlzwiebeln, Mozzarella und Mandeln. War sehr geil. Zwischenzeitlich hatte ich rausgefunden, dass mein Spiel nicht um 16, sondern um 19 Uhr ist. Ich holte mir nun ein Sixpack Budweiser und begab mich damit ins Hostel auf die Couch. Dort quatschte ich ein wenig mit den anwesenden Leuten und trank mich warm. Apropos warm, es war so warm draußen, dass ich lediglich im Pullover los zog und zu Fuß die knapp drei Kilometer zum Stadion lief. Auf dem Weg kam ich durch wunderschöne Wohngebiete, sauber und gepflegt. An dieser Stelle sein gesagt, dass mich Washington richtig begeistert hat. Nicht bloß wegen den genannten Top-Sehenswürdigkeiten, sondern wegen eben jenen schönen Seitenstraßen und Wohngebieten. Am Stadion angekommen kaufte ich im Fanshop drei Pins für Carsten, Paffi und Schädel und ein T-Shirt für Alfie, bzw. seine Fanartikel-Kette. Dann ging ich rein, ins Robert F. Kennedy Stadium.


DC United v RB New York 2:2
MLS – 6. Spieltag
11.04.2015 – 19:00 Uhr
Robert F. Kennedy Stadium

Das Stadion ist eine riesige Betonschüssel mit zwei dicken Rängen. Der Unterrang allerding unterbrochen, bzw. zugehängt, der Oberrang komplett geschlossen. Dennoch sehr beeindruckend. Das Programm hier war ähnlich wie bei den anderen MLS-Soccer Spielen. Viel Party, viel Event, gute Musik, denn auch hier lief guter Rock. Zumindest das gefällt sehr gut. Die Bierpreise waren wieder horrend: 10 Dollar für eine große Dose Bier. Aber GSKR wenn es ums Bier geht. Daniel sagte einst: "Es ist falsch, am Bier zu sparen." Richtig so! Vom Support der Barras Brava und der Ultras von DC war ich dann ziemlich enttäuscht. Ich hatte da quantitativ und qualitativ mehr erwartet. Die Gegengerade war zwar relativ voll, aber nicht viele machten mit beim Supporten. Links standen die Ultras, rechts die Barra Bravas. Warum die nicht zusammen stehen, weiß ich nicht. Ich saß auf der Hauptseite und konnte beide Gruppen nur sehr mäßig vernehmen. Die RB-Fans, überzeugten, so ungern ich das sage, zunächst, wurden aber immer schwächer. Und als es nach dem schnellen 2:0, plötzlich nur noch 2:1 stand, stellten die RBs den Support völlig ein. Siehste: Sinnlose Leute!  Erst als das 2:2 in der Nachspielzeit fiel, hörte man die New Yorker wieder...
Ich ging wieder zu Fuß Richtung Hostel, nicht ohne dabei drei oder vier verschiedene Kneipen auf der H-Street East mitzunehmen. Eine geile Straße, wo man nicht verdursten kann... Gegen zwei oder drei kletterte ich dann wieder in mein Hochbett in meinem Viererzimmer.
Am nächsten Morgen schlief ich noch länger als am Vortag, so dass der Plan mit den Museen auch ad acta gelegt wurde. Weil ich es am Vortag nicht zum Lincoln Memorial geschafft hatte, mietete ich mir ein Fahrrad. Das geht in Washington, so wie in vielen anderen Metropolen auch, ganz einfach. Über die ganze Stadt verteilt findet man Rad-Stationen mit Automaten, an welchen man seine Kreditkarte reinschiebt, einen Code bekommt und mit diesem dann ein Fahrrad bekommt. Nur Helm und Schloss bekommt man nicht. Man kann aber das Fahrrad an einer Station, woanders wieder einloggen, und später, mit dem Code auch wieder ausloggen. Der Code ist je nach Buchung 24, 48 oder 72 Stunden gültig.  (HIER EIN WICHTIGER NACHTRAG: einige Tage nach der Tour checkte ich meine Kreditkartenabrechnung und sah, dass man mir 38 Dollar zusätzlich für das Fahrrad abgebucht hatte. Auf meine Email-Nachfrage hin erfuhr ich, dass man das Fahrrad alle dreißig Minuten irgendwo einloggen muss, damit gewährleistet ist, dass immer überall Fahrräder verfügbar sind. Das hatte ich nicht gewusst. Und weil ich nun mit dem Fahrrad etwas über drei Stunden unterwegs war, kostete es nen ordentlichen Aufschlag…, ärgerlich, aber GSKR ) Mit dem Fahrrad fuhr ich nun los gen Capitol. Unterwegs machte ich Stop im Cafe Berlin um zu, nennen wir es Brunchen. Ich bestellte einen potato-pancake, also einen Reibekuchen mit irgendeinem Zeugs drauf und Lachs. War nicht ganz so geil, aber ich war satt. Leider war der Service lahm, so dass ich da locker 1,5 Stunden rumsaß. Nach dem Essen fuhr ich dann mit meinem Drahtesel am Capitol vorbei, an den ganzen Parkanlagen vorbei und wieder an unzähligen Touristen vorbei bis zum Lincoln Memorial. Hier konnte ich mein Bike leider nicht sicher abstellen, so dass ich Fotos nur von außen machen konnte. Ich fuhr daher auch direkt auf der anderen Seite der Parkanlagen vorbei zurück zum Hostel. Ich holte mir im Supermarkt noch ein wenig Süßkram für den Rückflug und ging dann ins Hotel. Meine Klamotten hatte ich bereits am Morgen gepackt. Ich setzte mich noch auf die Couch im Commen-room, trank zwei Bier, die ich noch vom Vortag über hatte und schaute den Quatsch der im Fernsehen lief. Gegen halb fünf schnappte ich mir meine Tasche und meinen Rucksack und ging zu Fuß zur Union-Station. Der Fahrkartenautomat überforderte mich völlig, aber ein netter Herr half mir. Und wenn man weiß wie es geht, ist es auch völlig easy: Man drückt einen Buchstaben-Kombi für sein Ziel und dann auf einem Hoch-runter-Knopf so lange bis man den angezeigten Preis erreicht hat. Dann schiebt man seine Kreditkarte oder Bargeld in den jeweiligen Schlitz und schon hat man sein Ticket. Die Fahrt zum Dulles-Airport dauert knapp 90 Minuten, man sollte also frühzeitig aufbrechen. Mit der U-Bahn geht es von der Union-Staion zunächst mit der roten Linie Richtung Shady Grove. In Metro-Center steigt man um in die Silver Line und fährt mit dieser bis zur Endstation Wiehle-Reston East. Dort geht es noch mal in einen Shuttle-Bus, der einen direkt vor dem Terminal rauswirft. Der Terminal selber ist ziemlich übersichtlich und so hatte ich schnell eingecheckt. Ich trank ein letztes Bier gegenüber des Gates und ging dann, an Bord. Neben mir saß ein Elfjähriger aus Mannheim mit seinem Vater, so dass wir uns ein wenig über Fußball unterhielten. Später schaute ich noch Titanic aus dem Bordprogramm, ja ich schaute diesen Katastrophenfilm. Er dauerte drei Stunden und der Flug war da schon fast rum. Es ging ja zunächst nur bis Reykjavik. Dort hieß es der Flug sei überbucht, Freiwillige sollten sich melden, um sich auf einen anderen Flug umbuchen zu lassen. Dafür würde man einen 400 Euro Icelandair-Voucher bekommen. Ich sah, dass es einen Flug, fünf Minuten später als meinen, nach Amsterdam gab. Ich hätte dann zwar noch den ICE von Amsterdam nach Düsseldorf bezahlen müssen, aber 400 minus (etwa) 60 wären immer noch 340 Euro "Gewinn" gewesen. Das lohnt doch, dachte ich und ging zum Service-Schalter. Leider war die Sache da aber schon erledigt. Pech gehabt. Wird der LP Island doch teuer....

Ne Stunde später ging es auf die Reise nach Frankfurt, dort ohne Probleme in den ICE und nach Hause.

Der Beste Trip meiner bisherigen Hopper-Karriere endete. Es war absolut geil. Allen, die ich auf diesem Trip begegnet bin, die mich unterhalten haben, die mit mir ein Bier getrunken haben oder sonst wie meine Gesellschaft teilten, sei Gedankt. Besonders aber Bob und seiner Familie für die Gastfreundschaft in Philadelphia.

 

 

 

 

 

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