Bayer 04 und Hopping

Schottland und England Juli 2017

 

Als ich vor knapp fünf Wochen bei Schottland v England in Glasgow war, kündigte ich an früher oder später mal die Highlands zu besuchen. Dass ich bereits knapp fünf Wochen später in der City Hostel in der High Street in Inverness, der Haupstadt der Highlands, sitzen würde, hätte ich damals nicht gedacht. Der Plan war eigentlich den Sommeruraub auf dem Balken zu verbringen um dort mit Mazedonien und Albanien zwei längst überfällige Länder von der Liste zu streichen. Oder sie drauf zu schreiben. Wie man es nimmt. Aber ich fange mal bei Null an:


Ende Mai hatte ich mit Barry, einem lieben Freund aus Portsmouth bei facebook geschrieben. Wer meine Berichte regelmäßig liest, dürfte ihn kennen. Er fragte wann ich mal wieder rüber kommen könnte, es sei schließlich mehr als genug Zeit seit dem letzten gemeinsamen Pint vergangen. Nach einigem hin und her Geplane, inklusive beantragen und genehmigen lassen vom Urlaub, stand der Auftakt einer knapp zweiwöchigen Reise mit unbekanntem Ausgang, da zu diesem Zwitpunkt die Europapokal Quallifikationen noch nicht ausgelost waren. Ich hatte halt bloß die dem Rahmenspielplan nach berechtigte Hoffnung, dass während meiner Urlaubszeit Spiele in Mazedonien und Albanien stattfinden würden. Losgehen sollte es jedenfalls Richtung Südengland zu einem Cricketspiel mit einer Menge Bier. Eine Menge Bier? Klar! Aber Cricket? Jau, das Spiel, dass den Laien an Baseball erinnert, wurde mir schon öfter von meinen englischen Freunden empfohlen. Nicht zuletzt weil es im Sommer ein toller Zeitvertreib und eine gute Gelegenheit sei, eben eine Menge Bier zu trinken. Hört sich doch nicht schlecht an.
Als die Begegnungen der Quallirunden dann kamen erfüllte sich meine Hoffnung.Weil aber die Flüge von England in den Balkan bei 200 Euro lagen orientierte ich mich um und buchte kurzer Hand Schottland.
 
Nach der Arbeit am 13.07. fuhr ich noch mal nach Hause, packte meine Tasche und fuhr dann zum Köln-Bonner-Flughafen. Hier vertrieb ich mir die Zeit damit, eben diesen Flughafen bei facebook dafür zu bepöbeln, dass hinter der Sicherheitskontrolle in Dosen nur Kölsch verkauft wird und es zu wenige Steckdosen gibt. Das mögen Ersteweltprobleme sein, aber schwerwiegende! Erst recht das mit dem Kölsch. :-) Der Flug mim Rainer verlief unspektakulär und pünktlich.
Amüsant war, dass der Buseinweiser am Stanstad der gleiche war, wie der der da schon stand, als ich zum Tottenham v Gent Spiel eingetrudelt war. Ich erinnerte mich an ihn weil auch er Tottenham-Fan ist. Wir hielten also einen kurzen Smalltalk bevor ich den Bus nach Victoria bestieg. Ich nächtigte in der Publovehostel "The white Ferry" nahe des Victoria Coach Station. Für mehr als eine Nacht würde ich den Laden nicht empfehlen. Gut genug um etwas besser als am Airport zu pennen ist er aber schon. Vorteilhaft dort ist, dass der inkludierte Pub 24/7 geöffnet ist. Allerdings kostet der Pint da auch knapp fünf Pfund. Halbwegs ausgepennt ging ich am nächsten Morgen zurück zur VCS und fuhr nach Portsmouth. Am Busbahnhof begrüßte mich Barry mit der Frage ob es schon "beertime" sei. Selbstverständlich! Es war ja schon fast 14 Uhr. In einem Pub in Cosham, dem Stadtteil wo Barry wohnt, warteten wir daher bei einem Bier auf Barrys Frau Anita, mit der wir etwas später dann zu Barrys Haus fuhren.
Nachdem ich mich häuslich eingerichtet hatte, gab uns Anita einen Lift zum Ageasbowl, dem Stadion des Hampshire Cricket Club. Das ist ein ganz ansehnliches Teil. Buchstäblich rundherum ums runde Spielfeld bietet es zahlreiche Sitzreihen. Teils überdacht, teils nicht. Bei Regen wird aber eh nicht geespielt, so weit ich weiß. Ich denke es ist nicht verkehrt ein paar erklärende Worte zu diesem sehr britischen Spiel zu schreiben, denn so doof ist es gar nicht. Es gibt zwei Varianten. Die sogenannten Testgames, welche sich von der anderen Variante, den T20-Blast Games nur dadurch unterscheiden, dass sie teilweise fünf Tage dauern, und die T20 Blasts nur drei Stunden. Es spielt Team A gegen Team B. A fängt an. Sie spielen mit zehn Mann, inklusive zwei Werfern (bowler), gegen die zwei Schläger (batsmen) von B. Die batsmen stehen dabei jeweils am Ende einer markierten Fläche (pitch) in der Mitte des riesigen, runden Spielfeldes. Die Bowler von A werfen den Ball (delivery) vom einen Ende der pitch auf den batsman am anderen Ende der pitch, möglichst so, dass der Batsmann, diesen nicht bekommt. Trifft der Batsman den Ball aber doch, bekommt er vier Punkte (runs), wenn er ihn bis zur Bande drischt und sechs Punkte wenn er ihn (ohne auftitschen) über die Bande zimmert. Weitere runs bekommen die batsman wenn sie nach dem Schlag aufeinander zu laufen und es schaffen sich in der Mitte der pitch zu kreuzen. Berührt ein Spieler von A den Ball nach dem Schlag ist es vorbei mit der Kreuzerei. Das ganze wiederholt sich sechs Mal. Das ist ein "over". Nach einem Over wirft der andere bowler vom anderen Ende der pitch auf den batsman am einen Ende der pitch. Wieder sechs Mal! Also wieder ein Over. Nach 20 Overn ist Team A fertig mit Werfen und der Zuschauer im Idealfall schon voll. Team B hat so in etwa 150 bis 200 runs gesammelt. Dann werden die Teamrollen getauscht und es werden 20 weitere Overs gespielt. Wer am Ende mehr runs hat, gewinnt das Spiel. Zu erwähnen ist noch, dass ein Batsman ausscheidet, wenn sein Schlag aus der Luft gefangen wird. Alles easy, oder? Es gibt noch ein paar weitere Regeln, aber die schenke ich euch.
Bei hervoragendem Wetter klappte das Biertrinken wunderbar und auch das Spiel war, nachdem ich die oben genannten Regeln halbwegs auf dem Schirm hatte, ganz unterhaltsam. Als ich gerade jedoch das Endergebnis recherchieren wollte steht auf der Seite nur was von "Hampshire won by 29 runs". Warum die nicht einfach 189 zu 160 schreiben: keine Ahnung. Aber sagte nicht schon Asterix: "Die spinnen, die Briten"? Wir freundeten uns noch ein wenig mit den Leuten hinter uns an, so dass es auch eine sehr gesellige Veranstaltung war. Hat sich jedenfalls definitiv gelohnt da mal anzutischen. Wenn ihr mal an einem Freitag in GB unterwegs seid und weit und breit kein Fuppes ist, fragt einfach mal nach nem Cricketspiel.
Zurück ging es dann mit der Bahn. Wir hatten noch etwa 20 Minuten Zeit. Zeit genug den Bahnhof fluks zu verlassen um im nahegelegenen Pub noch vier kleine Bier für den Zug zu holen. Also zwei für jeden. Man muss ja nicht übertreiben. Der Abend nahm dann im Wohnzimmer bei Barry und Anita einen gemültlichen Ausklang.
 
Trotz unfassbar bequemen Bett und flauschigen Decken wachte ich viel zu früh auf. Das Restbier wollte raus. Als das erledigt war konnte ich noch mal zwei Stunden weiter pennen. Urlaub ist toll. Aber war ja eh Samstag. Samstag ist gleich Fußballtag. Und heute stand ein preseason friendly in Winchester an. Dazu eine kleine Anekdote: Irgendwann letzte Saison, im Januar, oder so, traf ich bei einem Heimspiel ein paar Engländer. Zwei von denen, James und Robert, haben eine enge Beziehung zum dortigen Winchester City FC, weshalb sie mir einen Sticker von diesem schenkten, den ich in meiner Handyhülle verstaunte. Aus Faulheit holte ich den da aber nie raus. Als ich später vor dem Deutschland v England spiel mit Garry und ein paar seiner Kollegen in einer Bar ein Bier trank, sprach einer das Wort Winchester aus. Den Zusammenhang hatte ich gar nicht mirbekommen, aber in diesem Moment zog ich dann doch mal den Sticker aus der Schale und fragte: "This Winchester?" Auf ein Mal brachen alle Engländer in schallendes Gelächter aus und lobten mich für diesen "magictrick". Keine Ahnung was die hatten. Nach dieser Geschichte war jedenfalls klar, dass ich dahin wollte, als ich den Test im Forum der Seite nonleaguematters.co.uk gefunden hatte. (Übrigens ein Top-Tipp diese Seite für unterklassige Testspiele im Sommer)
Zurück zum eigentlichen Geschehen: Anita spielte wieder das Taxi und fuhr uns zum Weatherspoons wo es für schamales Geld ein Frühstück und ein Bier gab. Barry schwärmte von Winchester, weil dort Pub neben Pub sei. Unzählige! Hervoragend! Hin da! Doch auch geschichtlich ist diese Stadt interessant, war sie doch im späten zehnten und frühen elften Jahrhundert die Hauptstadt Englands. Wichtigstes Gebäude der Stadt ist die Kathedrale. 1079 erbaut ist sie die zweitälteste Englands. Berühmt auch durch das Lied der "new vaudville band" aus dem Jahr 1966.
Per Bahn angekommen enterten wir dann auch zunächst den angeblich ältesten Pub der Stadt und dann den kleinsten. Beides ziemlich sinnlose Atribute, weil weder der erste alt noch der zweite klein waren. Aber gut, dass das Bier da trotzdem geschmeckt hat. Nachdem auch die Kathedrale besichtigt war, gab es in einem dritten Pub ein drittes Bier.
 
15.07.2017 um 15:00 Uhr
Winchester City FC v Hanwell Town FC 4:0
Testspiel
Simplyhealth City Ground
 
Am Stadion waren fünf Pfund für den Einlass zu berappen, dafür kostete der Pint im Socialclub nur drei. Für England ein guter Preis. Sehr lobenswert ist, dass man von der Terasse des Sociaclub auf Spielfeld gucken kann, was es ermöglicht auch während des Spiels die Milch für Männer einzusaugen. Wir quatschten ein wenig mit den genannten Robert und James und auch mit einem anderen Kerl der da rumstand. Vom Spiel bekamen wir daher nicht wirklich viel mit. So wie immer halt bei unterklassigen Testkicks. Das Endergebnis musste dann gerade für diesen Bericht nachträglich recherchiert werden. Das Stadion bietet übrigens eine kleine Tribüne die in den Vereinsfarben gehalten ist, welche mit Schwarz-Rot optimal gewählt sind.
Nach dem Spiel gingen wir recht zügig in den nächsten Pub, die Hyde Tavern. Ein uriger, geiler Laden mit coolem altbackenen Ambiente. Auch hier wurde kein Kaffee bestellt. Bier ist halt zu Hmmmmm. Nächster Pub, nächstes Bier. Letzer Pub letztes Bier. Hier trafen wir zufällig Robert und James wieder und quatschten noch ein wenig über das Spiel, welches ich kaum gesehen habe.
Nach der Heimfahrt per Zug bin ich dann wohl im Wohnzimmer bei irgendeinem Lied im Wohnzimmer im Sessel eingepennt. Wie niedlich.
 
Der Sonntag sollte dann im Zeichen der Erholung stehen. Es traf sich ganz gut, dass Barry irgendwelchen Familienkram zu erledigen hatte, denn ich hatte eine Einladung zu einem Familiengrillen von Darren. Darren hatte ich vor einigen Monaten bei einem Heimspiel am Stadioneck zufällig kennen gelernt. Er wohnt auch in Portsmouth und die Einladung folgte, kaum dass ich ihm geschrieben hatte, dass ich nach Portsmouth komme. Er holte mich am späten Vormittag ab und gemeinsam mit seiner Frau und einer Freundin samt Tochter ging es in den Queen Elisabeth Country Park. Das ist ein sechs Quadratkilometer großes Naherholungsgebiet mit Bolzplätzen, Volleyballnetzten, Grillstationen und dergleichen. An "unserer" Grillstationen war schon einiges los. Wie sich herausstellte war es der sechste Geburtstag irgendeines Knaben aus Darrens Familienkreis. Bei Essen und eingen (heute wenigen) Bieren verlaberte ich mit allmöglichen Leuten die Zeit. Eines der Kinder fand es total toll, als ich es auf Deutsch zu textete. Die fremden Worte kamen ihr doch sehr komisch vor.
Nach der Feier fuhren Darren und ich noch zu ihm. Er wohnt nur einige hundert Meter vom Meer entfernt, wo wir dann hingingen und er mir erzählte, dass aus der Bucht regelmäßig Schwimmer und Angler aufs Meer hinausgezogen werden, weil die Ströhmung dort so krass sei.
Nach einem Bier im Garten fuhr er mich dann wieder heim. Auf dem Weg schauten wir noch kurz am Fratton Park vorbei. Ein herrliches alltes Gammelstadion.
Anita hatte Hähnchen mit Sauce und Yorkshire Pudding gekocht. Vielen Dank dafür. Nach dem Essen saßen wir noch etwas im Garten zusammen und unterhielten uns über Gott und die Welt in Deutschland und England.
Viel zu schnell, gingen diese drei ereignisreichen Tage zu Ende. Ich habe wieder viel gesehen und viel nette Menschen getroffen. Mein Dank geht an alle die meinen Weg gekreuzt haben.
 
Über London nach Inverness in die schottischen Highlands. Barry fuhr mich Montagmorgen zum Busbahnhof, National Express kutschierte mich dann zurück zur Victoria Coach Station. Ich legte mein Gepäck in dem Publove Laden ab und lief einmal durch die halbe Stadt zur Tower Bridge. Für mich die schönste Brücke der Welt. 244 Meter lang, 65 Meter hoch. Erbaut von 1886 bis 1894. Auf dem Weg dorthin besuchte ich noch das London Transport Museum. Trick 17 brachte mich kostenneutral rein. 17,50 Pfund wären mir auch deutlich zu viel gewesen. So aber kam ich in den Genuss diverser alter Busse, Tube-Bahnen, Taxen und Zügen. Außerdem waren bspw. Tubefahrpläne und Tubemaps aus allen Jahrzehnten seit den Anfangstagen der Tube (Mitte des 19. Jahrhundert) ausgestellt. Zwei Stunden die sich gelohnt haben.
Von der Tower Bridge lief ich dann zum Borough Market und trank in jenem Restaurant ein Bier, in dem Roy Larner, der Millwall Fan, gegen drei ISIS-Wichser gekämpft hatte. Mein klitzekleines Zeichen gegen den Terror. Wir lassen uns das Bierttrinken nicht vermiesen, ihr Penner!
Eigentlich wollte ich mich noch mit Guy treffen, einem Millwallfan der Daniel und mir im Januar die Karten für Charlton v Millwall organisiert hatte. Leider musste er aber länger arbeiten,weshalb das Wiedersehen ausfiel. Stattdessen ging ich relativ früh pennen.
Per Bus fuhr ich am Dienstag um 6 Uhr nach Luton zum Flughafen wo ich bis zum Abflug abgammelte. Easyjet beförderte mich dann nach Inverness, dem Tor zu den Highlands. Inverness liegt am Beauly Firth an der Mündung des Flusses Ness. (Inver heißt Mündung auf Gälisch). Kulturelle Bedeutung hat die Stadt mit etwa 50.000 Einwohnern in erster Linie durch seine Burg auf der in Shakespeares Meisterwerk Duncan von Macbeth getötet wird. Sie ist aber auch der Ausgangspunkt vieler Touren in die Highlands und ans Loch Ness. Dazu jeweils später etwas mehr.
Nach der Landung auf dem Flughafen von Invernes fuhr ich zunächst mit Bus Nummer 11 in die Stadt und checkte in das "City Hostel" ein, das sich direkt in der Stadt in der High Street befindet. Ein guter Laden mit Küche, Aufenthaltsraum und sauberen Zimmern in perfekter Lage. Ich ging auf ein Bier und eine Portion Fish and Chips in einen Pub und guckte ziemlich doof weil im TV BVB v Milan live aus China gezeigt wurde. Scheiß Moderner Fußball
Am Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Elgin, etwa 60 Kilometer östlich von Inverness. Ich stieg aus dem Zug und was sehe ich? Einen Lidl! Das muss man sich mal vorstellen: Ein Kleinstadt irgendwo im Norden von Schottland und das erste was man sieht ist ein verdammter Lidl. Interessant ist, dass die in GB überall sind. Scheinen das Land übernehmen zu wollen.
Ich drehte eine Runde durch die Stadt und traf mich dann in einem Pub mit Graem, der mir ja vor fünf Wochen das Ticket für Schottland v England besorgt hatte. Später trafen wir in einem anderen Pub noch auf Neill, einen Hearts Fan aus Edinburgh und desses Freunde. Zusammen gingen wir zum Stadion.
 
 
18.07.2017 um 19:45 Uhr
Elgin City FC v Hearts of Midlothian 0:1
Scottish League Cup
Borogh Briggs Stadium
 
Ohne Anstehen war ein Ticket schnell organisiert. Der Ground ist ein richtig cooler. Eine wirklich schöne, alte Haupttribüne mit Giebeldach und eine lange Gegentribüne bilden die Highlights. Hinter den Toren gibt es Graswälle. Im Stadion traf ich dann noch einen zweiten Neill. Diesmal einen Rangersfan aus Inverness, der noch zwei Heartsfans im Schlepptau hatte. So wurde die Veranstaltung zu einem kleinen European Football Weekends Meeting. Das Spiel war leider eine einzige Katastrophe. Elgin konnte als Drtittligist nicht richtig, die Hearts wollten scheinbar nicht. So plätscherte der Kick langweilig vor sich hin bis irgendwann in der zweiten Halbzeit das 0:1 fiel. Support gab es nicht, stattdessen standen und lagen die etwa 500 Auswärtsfans hinter dem einen Tor auf dem Graswall. Zu erwähnen lediglich der gute Cheeseburger den ich mir in der HZ gönnte.
Nach dem Spiel tranken wir noch ein Bier im Socailclub. Über einen Offiziellen vom Club konnte ich einen Schal für Alfie ergattern, dann nahm mich Neill mit zurück nach Inverness.
Auf meiner Butze machte ich noch zwei Bier weg und ging dann pennen.
 
Ich hatte Urlaub. Also schlief ich erst mal aus am nächsten Morgen. Ich machte mir nen Kaffee und aß ein paar Kekse dazu die ich mir schon in Portsmouth geholt hatte. Der Plan für heute war Nessie einen Besuch abzustatten. Dafür nahm ich ab dem Busbahnhof einen Bus nach Fort Augusta an der Südspitze des Loch Ness. Die Fahrt dauerte etwas weniger als eine Stunde und vermittelte einen ersten Eindruck wie schön dieses Land ist. In Fort Augusta angekommen suchte ich mir ein brauchbares Restaurant um mich dort einer Herausforderung zustellen: Haggis essen! Nur um mal klar zu machen warum das eine Herausforderung ist kurz und knapp eine Beschreibung was das ist: Haggis ist ein Schafsmagen, der mit Herz, Lunge, Leber, Nierenfett sowie Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Hört sich widerlich an. Ist es aber nicht. Zugegeben ich würde es nicht noch ein mal bestellen, aber dramatisch war es auch nicht. Das Wissen darum was ich da gerde kaute, mache es aber nicht leicht...
Ich lief ein wenig durch das eher langweilige Dorf und buchte ich dann auf einem kleinen Ausflugsdampfer ein, der mich eine gute Stunde über den legänderen Loch Ness schipperte. Eine Computerstimme erzählte dabei so einiges Interessantes: Die Legände des Loch Ness und dem bekanntesten Monster der Welt, Nessie, begann im Jahre 565 als jemand eine erste Sichtung Beschrieb. Seit dem wurde Nessi immer mal wieder entdeckt und sogar fotografiert. Die meisten Fotos waren Fälschungen, manche schlicht Tierkadaver, Holzstämme, gekenterte Boote oder sonst irgendwas, das halt im Wasser schwamm. Beweise für eine Existenz gab es nie, aber eben auch nicht für eine Nichtexistenz.... Der Mythos lebt weiter, vermutlich für immer.
Der See an sich wirkt recht unspektakulär. Er ist knapp 37 Kilometer lang und im Mittel etwa 1,5 Kilometer breit. Bemerkenswert lediglich die Tiefe von bis zu 230 Metern. Durch diese Ausmaße ist Loch Ness der wasserreichste See Schottlands.
Die Bootsfahrt jedenfalls hat sich gelohnt und nen Pint an Bord gab es auch für vertretbare 3,80 Pfund.
Nach dem ich wieder an Land war fuhr ich per Bus zurück bis zum Urquart Castle, das etwa auf halber Strecke direkt am Ufer liegt. Die acht Pfund Eintritt schenkte ich mir, da eh nur noch die Ruinen übrig sind. Statt rein zu gehen begab ich mich zu Fuß auf den Weg ins nächste Dorf namens Drumnadrochit, wo ich wieder den Bus bestieg und zurück nach Inverness fuhr.
Am Abend machte ich mir auf der Herberge eine Portion Nudeln mit Pesto und trank ein paar Bier dazu. Währendessen schrieb ich den Anfang von diesem Bericht. Dann ging ich pennen. Schließlich sollte am nächsten Morgen bereits um 08:30 Uhr das Highlight meines Trips losgehen: Eine Tagestour über die Isle of Skye.
 
Strömender Regen! Na toll. Ausgerechnet heute. Auf diese Tour hatte ich mich riesig gefreut. Wer mal bei der google Bildersuche "Isle auf Skye" eingibt weiß warum. Idealerweise sollte man eine solche Tour mit nem Mietwagen machen, weil man so die Möglichkeit hat spontan mal irgendwo anzuhalten. Und das könnte man alle paar hundert Meter. Fahren kam für mich aber nicht in Frage. Das Netz ist voll mit Anbietern die Tagesbustouren ab Inverness anbieten Nach einigem Überlegen entschied ich mich für die Tour von "wowscotland". Diese kam mir vom Preisleistungsverhältnis am besten vor. 69 Pfund für zwölf Stunden mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ich nehme es vorweg: es hat sich gelohnt.
Los ging es um 08:30 Uhr. Rob, unser Guide, fragte die ersten Anwesenden wo sie herkämen. Ich sagte: "Leverkusen". Robs Antwort: "Oh, they have a good football-team, or"! Ja sicha datt.
Zunächst fuhren wir knapp 2,5 Stunden über die Kessock Bridge, Dingwall und ein paar Dörfer, durch traumhafte Natur bis nach Kyle of Lochalsh wo wir über eine große Brücke rüber auf die Insel wechselten. Im Fischerdorf Kyleakin machten wir den ersten Stop. Von dort hat man einen tollen Blick auf die angesprochene Brücke und die Ruinen eines alten Schlosses. Das Wetter hatte sich gebessert und nun wechselten sich Wolken und Sonne ab. Jedenfalls war es trocken. Weiter ging es nach Sligachn. Hier gibt es eine uralte Steinbrücke in der wunderbaren Kulisse der Cullin Mountains. Das Dorf hat eine eigene kleine Brauerei. Diese Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen, so dass hier ein "Old bridge beer" den Weg in mein Inneres fand. Der nächste Stop war am Old Man of Storr, einem 50 Meter hohen Felsen, der wie ein Fallussymbol in den Himmel ragt. Rob erzählte, er ginge davon aus, dass der Tag kommen würde an dem eine Reisgruppe in froher Erwartung dorthin käme um festzustellen, dass der Alte Mann umgekippt ist. Ob wir das aber noch erleben steht in den Sternen. Schlißelich hat der gute ein paar Millionen Jahre auf dem Buckel. Warum sollte er ausgerechnet in den nächsten 30/40 Jahren sterben...? Ein Dudelsackspieler begrüßte uns bei unserem nächsten Halt am "Kilt Rock". So gab es dort neben "was für die Augen" auch was "auf die Ohren". Die herrliche, circa 60 Meter hohe Steilküste mit einem Wasserfall wirkte bei den Klängen aus dem schottischen Nationalinstrument noch schöner.
"Ruhe in Frieden" – auf wenigen Friedhöfen kann man das wohl so gut wie auf dem an unserem fünften Stop. Wäre da nicht das ewig blökende Schaf, das sich anhörte wie ein kaputter Lautsprecher. Aber das ist ja nicht immer da. Und wenn es dann mal weg ist, ist es dort tatsächlich ruhig, sehr ruhig. Hier ist nichts außer wunderschöner Natur, leichte Berge, grüne, weite Wiesen und frischer Luft. Einfach geil.
Einfach geil war es auch am Duntlum Castle. Weil ein Teil dieser Schlossruine vor 15 Jahren ins Meer abgestüzt ist, darf man sie nicht mehr betreten. Der Kerl der sich die Hütte vor Jahrhunderetn dort hinstellte, hatte jedenfalls Geschmack was die Lage angeht. Eingebettet auf eine Landzunge an der man sich nicht satt sehen konnte. Beim Blick gen Westen sieht man am Horizont die Insel Harris, die zu den äußeren Hybriden gehört. Die beiden nächsten Stops führten uns nach Uig, wo es einen relativ großen Hafen und die "Isle of Sky Brauerei" gibt , bzw. nach Portree, dem Hauptort der Insel. Etwa 2300 der insgesamt 10.000 Inselbewohner leben hier. Bekannt ist der Ort vor allem für seine bunten Häuser direkt am Hafen. Die Tour war voller Highlight, eigentlich ist sie ein einziges Highlight, aber nun wartete noch ein ganz besonderes Schloss auf meine Reisegruppe und mich: das Eilean Donan Castle. Es ist das meistfotografierte Schloss Schottlands und auch mehrere Filme wurden hier gedreht, unter anderem einige Szenen von Highlander. Der letzte Stop war am Urquart Castle, wo ich ja gestern bereits war. Um 21 Uhr waren wir wieder in Inverness. Ein super Tag. Rob, unser Guide, hatte zu jedem Stop auch während der Fahrt immer viel Interessantes zu erzählen gehabt. Die Tour war also ein tolles Erlebnis.
In einem Supermarkt deckte ich mich noch mit Bier ein und ließ den Abend dann gemütlich auf der Hostel ausklingen. Dabei plante ich den nächsten Tag.
 
Das Ergebnis meiner Planerei vom Vorabend war ein kurzer Trip per Zug gen Norden bis Invergorden am Cromarty Firth. Ich erhoffte mir ein typisch Schottisches Industriestädchen ohne Touris. Dort wollte ich was essen und trinken um dann gestärkt die ewta vier Meilen bis zum Nächsten Ort Allnes laufen. Da wollte ich dann in den Zug steigen und weiter bis nach Dingwall gefahren, wo am Abend das nächste Spiel auf dem Terminkalender stand.
Am späten Vormittag bestieg ich also den Zug nach Invergordon. Invergordon war lange wichtig für die Ölindustrie. Viele Ölplattformen liegen in unmittelbarer Nähe im Cromarty Firth und werden von Invergordons aus gewartet. Heute lebt die Stadt hauptsächlich von den Touris die regelmäßig von großen Kreuzfahrtschiffen ins Städchen ströhmen. Bitte was???? Ich wollte doch einen Ort ohne Touris. Das ging mächtig in die Hose. Denn das mit den Kreuzfahrtschiffen hatte ich wohl überlesen. Als ich da ankam sah ich schon von weitem ein riesiges Schiff: die die MSC Preziosa. 333,30 Mater lang bietet sie auf 18 Decks 3.502 Passagieren Platz. Und nicht wenige von diesen Bevölkerten nun "mein" Städchen. So ergab es sich, dass, als ich in einem Pub nach der Speisekarte fragte am Nachbartisch Bayrisch gesprochen wurde und eine Dame auf einer Parkbank sitzend ins Handy brüllte: "Ja, hallo Elke... uns gehts gut... wir sind jetzt in so einem Dorf in Schottland.... IN VER GOR DON!... ja das Wetter ist gut...!".... Schnell weg! Auch wenn die Stadt an sich eigentlich gar nicht so schlecht war. Ich lief also ungestärkt und durstig nach Allnes. Diese Stadt ist kleiner, langweiliger aber tourifrei. In nem Pub gab es nach meiner kleinen sechs Kilometer Wanderung vorbei and Feldern und Wiesen, einem Friedhof und Schafen, wohl verdiente Fish n Chips mit einem Bier.
Danach ging es weiter wie geplant mit dem Zug nach Dingwall, der Heimat des Ross County Footballclub. Es sollte ein denkwürdiger Abend werden.
 
21.07.2017 um 19:45 Uhr
Ross County v Hibernian FC 0:0 (4:3 n E.)
Scotish League Cup
Global Energy Stadium
 
0 zu 0 und ich rede von einem legänderen Abend? Nun, dass ich nicht das Spiel meinte war den meisten doch hoffentlich klar.... Als erstes holte ich mir ein Ticket. Das Stadion ist direkt am Bahnhof weshalb das schnell erledigt war. Dann ging ich ein mal die Hauptstraße rauf was auch nicht lange dauerte, da Dingwall nur ein größeres Dorf ist. Durch einige alte Gebäude und drei oder vier schöne Kirchen aber durchaus ein sehenswertes.
Ich enterte zwei Pubs, wo von besonders der "The Mallard" überzeugen konnte. Dieser ist direkt auf dem Bahnsteig des Bahnhofs und wurde schon von vielen Fans beider Lager bevölkert. Stimmung kam aber leider keine auf. Im Stadion trank ich noch ein schnelles im Social Club um dann das Stadion zu betreten. Kleine Tribünen mit Sitzschalen auf allen vier Seiten gibt es hier. Nicht besonderes also. Stimmung gab es nicht wirklich. Lediglich die Hibs Fans sangen ganze zwei Mal. Das Spiel war ähnlich grausam und endete wie gesagt null zu null. Das bedeutete immerhin, dass es das Elfmeterschießen für einen Extrapunkt gab. Das gewann Ross County dann mit 4:3. Meinen Guide von gestern wirds gefreut haben, ist RCFC doch sein Verein, wie er mir verraten hatte.
Nach dem Spiel bekam ich vom Verein noch einen Schal für Alfie geschenkt und begab ich mich damit wieder in den "Mallard". Ich trug den Schal um den Hals und wurde daher von einem Hibs Fan angesprochen, was ich denn für die nächste Saison erwarten würde. Ich sagt ihm, ich sei kein RCFC Fans und erklärte warum ich den Schal hatte. "Do you have a Hibs scarfe already?" - "No!" - "Wait!". Keine zehn Minuten später drückte er mir nen Hibs Schal für Alfie in die Hand den irgendein Fan gespendet hatte. Absolut geil! Wir blieben im Gespräch. Plötzlich brach Hektik auf im Pub. Klar der 22:58 Uhr Zug nach Inverness nahte und das war für viele ihr Zug. Auch für mich und Billy, den Hibsfan. Zusammen fuhren wir zurück in meine kurzzeitige Heimatstadt. Mit dabei waren noch zwei weitere Hibsfans und ein Hopper aus Sutton. Highlight der Zugfahrt war aber der raketenvolle Hibsfan der sich seiner Oberhose entledigt ein paar Bier kippte, was in schottischen Zügen übrigens ab 21 Uhr offiziel verboten ist (also das Bier trinken), heute aber keinen juckte. Ohne "Ohnehose" und seinen Kumpel, aber mit den anderen ging ich dann noch in zwei oder drei weitere Pubs, immer eingeladen von den Grünweißen. Viele nette Anekdoten wurden ausgetauscht und erzählt. Es war so ein Abend für den ich dieses Hobby mache. Einfach genial. Erst gegen 2:30 Uhr trennten sich unsere Weg. Vielen Dank, Jungs.
 
Ich schlief am Samstagmorgen nicht ganz so lange wie ich wollte, weil ich leider um zehn Uhr auschecken musste. Als ich geduscht hatte und alles gepackt war, tat ich dies. Ich brachte meinen Rucksack in ein Schließfach am Bahnhof und gucke mir anschließend das Inverness Castle aus der Nähe an. Die Aussicht von dort ist in die eine Richtung ziemlich mies, weil man mehr oder weniger vor ein Hochhaus guckt, zu anderen Seite aber grandios. Am Fuße der Burg liegt eine sehr schöne Taveren in der ich konterte.
 
 
22.07.2017 um 15:00 Uhr
Inverness Caledonian Thistle FC v Falkirk FC 0:2
Scottish Leaguecup
Tulloch Caledonian Stadium
 
Weil ich etwas trödelte wurde es knapper als gedacht. Die Queue an der Tageskasse war lang und die Abwicklung jeden einzelnen Fans dauerte ewig. Dennoch hielt ich pünktlich mein Billet für 10 Euro in der Hand und konnte auf der Haupttribüne Platz nehmen. Auch dieses Spiel war wieder langweilig. Der Fußball in Schottland ist nicht das Gelbe vom Ei... aber würde ich das Hobby wegen qualitativ hochwertigem Fußball machen, wäre ich wohl besser Ronaldo-Messi-Fanboy geworden.
Das Stadion wusste allerdings zu überzeugen. Zwei kleinere Hintertortribünen mit den Schriftzügen "Inversess", auf der Gegenseite ein paar wenige unüberdachte Plätze und eine recht ordentliche Haupttribüne gefielen mir.
Nach dem Spiel fuhr ein Bus ins Zentrum, so dass ich noch etwa Zeit hatte um einzukaufen...
Mit einer Dose Chips und zwei Dosen Bier begab ich mich auf den nächsten Abschnitt meiner kleinen Rundreise nach Dundee. Diese Zugfahrt führte mich durch den Cairngorms Nationalpark. Eine traumhafte Natur dort! Aber das ist in diesem Land ja keine Überraschung. Paralel zur Bahntrasse schlängelte sich über weite Strecken malerisch ein Fluss durch grüne Wiesen. WUN DER BAR.
Gegen 20 Uhr kam ich in Dundee an und da hatte ich es dann: schottisches Wetter. Es war kühl und regnete stark. Nun, bis dahin konnte ich mich nicht beschweren, tat es aber trotzdem Mehr aber weil ich das Hostel nicht fand, weil die Straßenbeschilderung irgendwie irreführend war und ne Taximokelin mich auch noch in die falsche Richtung schickte. Ich hatte den Laden aber doch irgendwann erreicht und brachte mein Zeugs aufs Zimmer. Ich holte mir in einem nahen Tesco noch Getränke und was zu essen und begab mich damit in den Aufenthaltraum. Weil da aber ein Typ per Skype mit seiner Ollen telefnonierte und den Lautsprecher dabei so laute hatte, dass die Krähenstimme in den Ohren weh tat, ging ich recht bald schlafen. Was für ein Vollidiot. Bei sowas bin ich hochgradig intollerant. Soll er doch Kopfhörer benutzen anstatt alle zu nerven. Ich hoffe deine Olle lässt sich scheiden...
Erst Mal ausschlafen. Dann gemütlich in einem Cafe frühstücken und eine Runde durchs Shoppimgcenter schlendern. Das war mein Morgen. Um 11:30 Uhr holte mich Stephen an der Hostel ab. Lusitg ist wie der Kontak zu ihm zu Stande kam: in EFW hatte er gefragt wie man an neun Tickets für Dortmund v Köln käme. Ich fragte ihn ob er das ernst meinte oder es Satire sei, weil öfter mal in der Gruppe nach Tickets für Dortmund gefragt wurde. Aber neun? Und das gegen Köln? Wie auch immer, es entwickelte sich eine kleine Diskussion, die aber durchaus fair war. Ich erwähnte dabei, dass ich ihm für sein Alternativspiel Leverkusen v Freiburg berechtigte Hoffnung machen könnte, da was zu organisieren. Ich schlug ihm vor, das doch mal bei einem Bier in Dundee zu besprechen, wenn ich demnächst da sei. Er sagt zu und nun stand er da. Weil er alleding mim Auto war, trank er wenige Minuten später einen Kaffee. Aber auch egal. Er ist FC Dundee Fan und organisiert und sammelt viele Fanartikel und andere Fußballerinnerungsstücke aus aller Welt und mit Dundee-Bezug. Er erzählte mir viel über die Stadt und die beiden Vereine Dundee FC und Dundee United und die Beziehung der beiden, die zwar von einer Rivalität geprägt ist, aber nicht gewaltätig ist. Nach einem zweiten Bier fuhr er mich auf den Dundee Law, dem mit 174 Metern höchsten Punkt der Stadt. Die Aussicht von hier oben war top. Besonders gefiel mir den Blick auf die beiden Stadien The Den und den Tannadice Park, die, wie die meisten wissen werden, nur etwa 50 Meter von einander entfernt liegen. Stephan zeigte mir noch den Socialclub des FC Dundee und dort einige Bilder bevor wir in einen United Pub gingen. "The Troll Inn" – ein geiler alter Ranzpub wo das Bier nur 2,50 Pfund kostete. Es dauerte auch nicht lange und Stephan war enttarnt. Es blieb aber bei fast freundschaftlichen Pöbeleien.
Mein Ticket hatte ich bereits in der Tasche, weshalb ich erst kurz vor Kick-Off ins Stadion ging. Ohne Stephan natürlich, der sich weigerte den Tannadice Park zu betreten.
 
 
23.07.2017 um 15:00 Uhr
Dundee United v Cowdenbeath FC 4:1
Scottish League Cup
Tannadice Park
 
Bei Facebook hatte einige Wochen vor dem Spiel irgendjemand kommentiert, er habe seit 30 Jahren zum ersten Mal seine Jahreskarte nicht verlängert, weil es Stress zwischen den Fans und dem Chairman gebe. Genaueres weiß ich nicht, jedenfalls war das Stadion beinahe leer und Stimmung nicht vorhaden. Gäste gab es auch nur eine Handvoll. So gesehen war das Ding ziemlich langweilig und enttäuschend. Wenigstens fielen mal ein paar Tore. Fünf an der Zahl.
Nach dem Spiel ging ich zurück in "the Troll" und gönnte mir ein Bier. Als das halb leer (oder noch halb voll) war stellte mir ein United-Fan ein neues hin. Ich unterhielt mich darauf hin lange mit ihm und seinen Begleitern, was zur Folge hatte, das weitere Biere folgten. Später zahlten die noch einen Taxi in die Stadt und dort im Pub noch weitere Getränke. Das Klische Schotten seien geizig muss sich jemand ausgedacht haben, der selber nie da war. Denn es ist sowas von falsch. Danke auch für diesen Tag. Und ich kann es nicht anders sagen: Danke an die Fans vom FC Dundee UND von Dundee United. Meine neuen Freunde hauten aber irgendwann ab, so dass ich noch ins Trades House, einem geilen Pub, der mir schon bei meiner Ankuft aufgefallen war. Hier guckte ich Darts und trank die letzte Schlaftablette.
 
Ich checkte zeitig aus und lief zum Bahnhof. Die Zugfahrt nach Edinburgh war ereignislos. Als ich den Hauptbahnhof Waverley verlies war sofort auf der anderen Straßenseite eine Beerhall. Ich ging blindlinks rein, schaute zur Bar und wollte gerade darauf zusteuern als mir auffiel das etwas nicht stimmte. Hier einer am schleifen, da einer am bohren, dort einer am Sägen. Das Ding war noch ne Baustelle. Mist, verdammter! Ich lief eine kleine Gasse hoch und stand vor der nächsten Kaschemme. Hier gab es dann ein Getränk und einen Cullen Sink für mich. Letzters ist ein Eintopf mit Kartoffel, Zwieben und Lachs in einer cremiegen Suppe. Danach checkte ich in meinem Hostel ein, dass sich direkt in der Alltstadt in der Cockburn Street befand. Die Lage ist entsprechend top. Es gab einen netten Aufenthaltsraum und ein Billardzimmer. Aber auch einen großen Nachteil.: die Toiletten waren auf einer anderen Etage als mein Zimmer. Nächtliches Pinkeln wird dadurch ziemlich nervig.
Den Tag verbrachte ich mit einem Spaziergang durch die Stadt zum Schloss und wie immer planlosem Umherlaufen. Am Abend bestätigte ich den Carbonara Länderpunkt in einem Laden am Grassmarket. Ich weiß es nicht mehr genau, aber möglicherweise war es der gleiche Laden wie damals. Später ging ich in die Globe Bar und nahm da an einem Pub-Quiz teil. Dass ich letzer wurde verzeihe ich mir, da ich als einziger alleine und nicht-muttersprachlich-englisch war. Immerhin gab es als Trostpreis einen Gutschein für irgendeinen Chicken-Laden. Gegen 1 Uhr oder so ging ich dann in die Heia.
Ich schlief schier endlos lange fast bis mittags. Dann ging ich mir irgendein Cremetörtchen und nen Kaffe zum Früstück holen und schwang mich damit in den Zug nach North Berwick. North Berwick ist ein kleiner Ort am Ufer des Firth of Forth etwa 40 Kilometer östlich von Edinburgh. Bekannt ist er für den Bass Rock, ein Felsen vor der Küste auf dem Hunderttaussende Vögel nisten, weshalb auf dem Festland auch das Scottish Seabird Center ist. Da mich Vögel aber nicht interessieren lief ich einfach nur im Ort umher. Sehr idyllisch dort. Definitiv lohnenswert da hingetuckelt zu sein.
Nach meiner Rückankunft in Edinburgh traf ich mich am Scott Monument mim Schrödter. Der günstige Pub von gestern hatte zu weshalb wir in einen anderen gingen. Dort kostete das Bier unverschämte fünf Pfund, weshalb es das erste und letzte Bier dort war. Am Cowgate fanden wir nen geilen Pub mit cooler live Musik. Hier blieben wir, bis sich unsere Wege trennten, weil Schrödter ein anderes Spiel besuchen wollte als ich. Er ging und ich blieb noch bis Damon eintraf. Damon hatte ich beim Spiel AIK v Djugardens kennengelernt und zu letzt beim Spiel vom FC United of Manchster gesehen. Nun hatte er sich als "Stadtführer" angeboten. Wir liefen los zu...
 
 
25.07.2017 um 19:45 Uhr
Edinburgh City FC v Motherwell FC
Scottish League Cup
Ainslie Park Stadium
 
Der Edinburgh City FC ist dir dritte Kraft in Schottlands Hauptstadt kann aber in keinster Weise mit den Heart oder den Hibs mithalten. So gut wie gar keine Fans und seit dem die vom Meadowbanks Stadium auf den besseren Sportplatz der Spartans Academy umgezogen sind, ist auch der Ground Mist. Dem Spiel drücke ich mal den Stempel "typisch Pokal" auf. Der Erstligist kam nicht ins Spiel und dominierte dennoch, weil der Drittligist nicht konnte. Es kam aber was kommen musste und der Drittligst ging durch einen sehenswerten Konter in Führung. Typisch eben. Typisch aber auch, dass der Erstligist die Kiste doch noch gedreht hat und am Ende mit 2:1 gewann. Von den 1000 anwesenden Menschen im Stadion waren etwa 900 aus Motherwell. Die restlichen 100 dürften Vereinsfunktionäre, Spielerfamilien und drei bis sieben Fans vom ECFC gewesen sein. Die Pie in der Halbzeitpause bildete die Grundlage für die zwei drei Bier, die wir nach dem Spiel noch in dem Pub am Cowgate tranken , wo wir auch Schrödter wieder trafen.
 
Der nächste Tag ist schnell erzählt, war es doch der Tag der Abreise. So geil die Tour auch war, nach Hause kommen ist auch immer schön. Per Bus fuhr ich zum Flughafen, gammelte dort bis Abflug ab, bestellte und bekam nen Cappuchino bei dem die Milch sauer war, bekam aber nen neuen und flog mit einer Stunde Verspätung zurück nach Bonn. Nach einem S-Bahn-Doppler war ich dann zu Hause.
 
Engländer und Schotten. Ich habe ihr Verhältnis bis heute nicht ganz verstanden. Ich glaube sie können nicht so richtig miteinander aber eben auch nicht ohne. Wer Bier und/oder Fußball mag wird jedenfalls in beiden Ländern schnell Freunde finden. Im Stadion oder im Pub oder in Beidem. Auch auf dieser Tour habe ich viele alte Freunde getroffen und neue kennengelernt. In beiden Ländern. Ich mag sie alle und werde mich da nicht einmischen, wenn sie sich mal wieder gegenseitig beböbeln. Wir machen das mit den Holländern ja schließlich auch, was die Briten nicht verstehen...
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