Bayer 04 und Hopping

Belarus und Polen

 

BATE Barrysau v Bayer 04 1:1

Champions League – 5.Spieltag
24.11.2015 – 20:00 Uhr
Arena Barrysau

 
Als raus kam, dass der Bayer in der Champions League ins Weißrussische Baryssau reisen muss, war klar, dass ich dahin will. Daniel kotze dieses Los aber an, weil er da erst im letzten Jahr gewesen ist. Shit happens! Es kristallisierte sich dann als Reisegruppe Daniel plus Frau, meine Wenigkeit und Thorsten, ein ehemaliger Kommilitone von Daniel, der "gut am Glas ist", heraus! Das hört man doch gerne. Ich setzte dann alles in Bewegung, buchte die Flüge und eine Unterkunft in Minsk. Urlaub sei kein Problem, so der gemeinsame Tenor. Daniel brauchte etwas länger, die nötigen Unterlagen zusammen zu bekommen, was er sich dann im Nachhinken aber eh schenken konnte, weil sein Urlaub nämlich doch ein Problem war. Er bekam keinen! So stand ich vor einer Reise, alleine mit dem mir völlig unbekannten Thorsten. Das Visum, über eine Agentur organisiert, hatte ohne Probleme geklappt, so dass die Reise beginnen konnte. Der Plan war ursprünglich von Minsk nach Baku weiter zu fliegen, um dort Qarabag Agdam v Tottenham Hotspur zu gucken. Das hatten wir aber verworfen und stattdessen die Route über Warschau zurück gebucht. Dort würden wir am Donnerstag dann Legia v Midjytlland schauen.
Am Montagmorgen traf ich mich mit Thorsten am Bahnhof in Küppersteg und per Zug ging es via Düsseldorf nach Amsterdam. Auf der Fahrt wurden die ersten Biere vertilgt. Flug und Aus- und Einreise verliefen ohne Probleme. Ich hab ja immer etwas Bammel, wenn es in etwas "speziellere" Länder geht. Doch die Zolltrulla war freundlich, und stempelte mir brav mein Visum ab. Mit dem Bus 300 ging es dann in die Stadt. Unsere Herberge fanden wir schnell. Stop! Die Rezeption fanden wir schnell. Die war nämlich etwa nur 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Wir checkten ein um dann gesagt zu bekommen, dass unser Apartment nur zwei Stationen mit der Metro und dann eine mit dem Bus entfernt sei. „Easy, no problem!“ Blöd nur, dass unsere Wohnsiedlung auf den vorhandenen Karten nicht verzeichnet war, so dass die Tuse nur sage: "its anywhere here" und dabei mit ihrem Finger ein sehr vages Gebiet umkreiste, das sich neben der Karte, quasi auf dem Tisch befand, auf dem die Karte lag. In einem Land mit einer völlig anderen Schrift drohte das in einem guten Abenteuer zu enden. Statt die Bahn zu nehmen, zogen wir es vor zu laufen. Wir folgten grob der Richtung die man uns gesagt hatte. Das war in so fern schön, weil ein italienisches Restaurant unseren Weg kreuzte und ich so den Carbonara Länderpunkt direkt am ersten Abend einfuttern konnte. Die Portion war zwar winzig, dafür aber geschmacklich top.
Auch die Belegschaft des Restaurants konnte uns nicht konkret sagen, wo wir hin mussten, trotz aller Bemühungen. Und als die dann auch noch meinten, wir sollten "in the hood“ nicht zu viel fremde Sprache sprechen" entschieden wir und für einen Taxi. Dieses fuhr dann mal prompt in die völlig falsche Richtung, was wir aber bemerkten. Wir machten unseren Kutscher darauf aufmerksam, er erkannte den Fehler und tippte nun die korrekte Adresse ins Navi. So waren wir etwa zehn Minuten später am Ziel. Der Fahrer reduzierte den angezeigten Preis, weil es „ja sein Fehler gewesen sei“. Sehr fair. Ich stieg aus, der Taxi fuhr weg und ich bemerkte, dass meine Mütze noch im Auto ist. Ich rannte also hinter dem Wagen her und bekam ihn tatsächlich noch eingeholt, als der Fahrer stoppte um sich zu orientieren. Das war knapp!
Wir hatten uns zwischenzeitlich mit ausreichend Bier versorgt, so dass wir es wegen der vermeintlich unsicheren Gegend vor zogen auf unserer Bude zu ballern. Das Internet funzte nicht, so dass meine Idee, Musik von youtube zu spielen leider verworfen werden musste. Stattdessen fanden wir einen Fernsehsender der ein paar gute Lieder spielte, damit aber nach 20 Minuten wieder aufhörte und dann osteuropäischen 70er und 80er Jahre Schlager brachte.... Naja...
Irgendwann nach Mitternacht gingen wir pennen.
Am nächsten Morgen waren wir gespannt, ob sich der gute Eindruck, den Minsk bei Nacht gemacht hatte, bestätigen würde. Er tat dies. Zwar erkannte man nun die ein oder andere Macke mehr an den Häusern, aber das was wir sahen, überzeugte dennoch. Minsk ist weiß Gott keine heruntergekommene Ostblock-Metropole, wie ich zugegebenermaßen erwartet habe. Das ändert sich wahrscheinlich, wenn man in die Außenbezirke fährt... Aber die Innenstadt ist echt top.
Am Fahrkartenschalter hätte ich dann das erste Mal kotzen können. Die frühen Züge schienen alle ausgebucht, so dass wir erst um 15:05 Uhr einen bekamen. Das bedeutete, dass ich das u19 Spiel verpassen würde. Ausgebucht? Ja! Sogar für die Regionalzüge braucht man hier Tickets mit Sitzplatzreservierung, bzw. bekommt man diese direkt dabei. Das haben wir allerdings erst gemerkt als wir schon saßen und eine Mamuschka ankam und auf "meinen" Platz beharrte. Wir hörten plötzlich deutsche Stimmen, und als ich mich umdrehte erkannte ich Strelczyk, Peter und Konsorten. Da war noch ein Platz frei, den Thorsten nahm, ich hockte mich auf die Treppe. Ein Typ, der auch dabei saß, aber nicht dazu gehörte war ein raketenvoller Weißrusse, der uns alle ständig voll laberte ohne zu checken, dass wir kein Wort verstehen.... Völlige Nervensäge. Nach einer Viertelstunde etwa kam die Miliz oder sonst eine Art von Bullerei und nahm den Kerl mit. Nun konnte auch ich mich anständig setzten.
Schaute man aus dem Fenster sah man schon, dass man in einem eher ärmlichen Land ist. Ziemlich heruntergekommene Häuser, alte Autos und marode Infrastruktur... zumindest soweit man das im Vorbeifahren beurteilen kann.
Auch Barrysau entpuppte sich als "eher graue" Stadt. Aber nicht so schlimm, wie man meinen könnte. Wir gingen nun zu acht etwas Essen und trinken. Am Fenster huschte ein größerer Trupp Leute vorbei von denen wir einige erkannten. Beispielsweise Adler und Chris. Ich rannte nach draußen und erfuhr, dass alle auf dem Weg zu einem Irish Pub seien, wohl dem einzigen brauchbaren Laden in der Stadt, ohne zu wissen wo der denn genau ist. Ich sagte zu, dass auch wir uns nach dem Essen auf die Suche begeben würden. ....das klappte dann aber nicht. Keiner den wir fragten wusste etwas von einem Irish Pub und der miserable Internetempfang verriet nur, dass irgendein Laden etwa 2,8 Kilometer in der dem Stadion entgegengesetzten Richtung sei. Da gingen wir doch lieber in Richtung Stadion, in der Hoffnung auf dem Weg noch irgendwo ein Bier trinken zu können. In einem Laden, den Strelczyk von der anderen Straßenseite felsenfest als Büro ausmachte, klappte das dann auch. Von wegen Büro! Wenn ich sage das ist ne Kneipe, dann ist das auch ne Kneipe. Naja, zumindest so was ähnliches: Jedenfalls gab es da Bier für 80 Cent den halben Liter. So macht das Spaß! Nach dem Bier fuhren wir mit zwei Taxen zum Stadion und trafen da die Meisten anderen aus dem Tagesflieger vor dem Stadion Bier trinkend, obwohl die Cops daneben standen. So konnten auch Thorsten und ich noch unsere Dosen leeren.
Die Eingangskontrollen waren streng und genau aber okay und zügig. Alles easy! Im Block erfreute mich der Anblick unserer zahlreichen Zaunfahnen. Das überraschte mich. Denn als vor zwei oder drei Jahren die Bayern gegen Barrysau gespielt hatten (in Minsk allerdings) waren alle Zaunfahnen in latainischer Schrift wohl noch verboten.... Etwa 200 LEVs hatten den weiten Weg auf sich genommen. Für unsere Verhältnisse bei so einem Spiel sehr ordentlich. Das Stadion ist ein nigelnagelneues Teil mitten im Nichts. Es bietet rundum ausschließlich Sitzplätze, die unter einem geschwungenen Dach liegen. Eine zwei-, dreihundert Mann starke Ultra-Truppe sorgte für Stimmung. Hin und wieder zog auch das Stadion mit, eigentlich aber nur wenn es "BATE BATE" Rufe waren. Unsererseits war die Stimmung ganz okay, man supportete halt dem Spiel angepasst vor sich hin. Das Spiel nämlich war eher bescheiden, um nicht zu sagen richtig scheiße. Ein 1:1 ist bei allem Respekt vor den Weißrussen nämlich einfach zu wenig, wenn man Gruppenzweiter werden will.
Als BATE in Führung ging, jubelte auf ein Mal jemand in unserem Block. Das führte zu einer kurzen Keilerei, die der LEV und der Busfahrer mit einem Blauen Auge bezahlten. Der Busfahrer? Jau, der Jubler war einer der Busfahrer, die die Tagesflieger nach dem Spiel wieder zum Minsker Airport karren sollte. Da haut ein LEV dem eigenen Busfahrer eine rein. Hat man auch nicht alle Tage :-) Geschlichtet wurde die ganze Sache von unserem Fanprojektlern und einigen Fans. Die Cops/Miliz schauten zu.
Nach dem Spiel mussten wir geschlagene 10 Minuten im Block bleiben, bis wir raus durften. Haken wir das ab unter "UEFA-Auflage" erfüllt. Habe ich schon mal erwähnt, dass die UEFA scheiße ist? Dann halt jetzt: Die UEFA ist scheiße!
Wir nahmen uns wieder zwei Taxen zurück zum Bahnhof und enterten da einen geilen Ranzladen der Dosenbier verkaufte. Je länger das Spiel vorbei war, desto mehr füllte sich der Laden mit LEVs. Unser Zug zurück nach Minsk fuhr eh erst in knapp 1,5 Stunden. Wir tranken noch etwas vor dem Laden, als plötzlich der betrunkene Affe von der Hinfahrt auftauchte. Na hoffentlich geht der uns nicht wieder auf den Sack. Ein anwesendes Mitglied der russischen Pillendreher, englisch- und russischsprachig, machte ihm dann klar, dass er sich verpissen soll, was er dann glaube ich auch tat.
Nun wurde es kurz brenzlig. Wir waren auf dem falschen Gleis, merkten das aber erst als der Zug schon einfuhr. Also huschten alle noch mal schnell über die Gleise auf das Richtige. Das war zwar eh der richtige Weg, aber halt gefährlich wenn 10.000 Tonnen Stahl auf einen zu rollen. Sechs Leute waren zu langsam, dann aber vernünftig genug es nicht zu riskieren. Also blieben sie auf dem falschen Gleis. Darunter auch Thorsten! Mit unserem Bier! Sollten die es nicht irgendwie in den Zug geschafft haben, hätten sie ein Problem, denn soweit ich weiß, war es die letzte Gelegenheit von Barrysau nach Minsk zu kommen. Nach einigen Minuten der Ungewissheit und des Bangens kam aber die Entwarnung: alle drin. Ein paar weitere Minuten später hatten sie sich dann auch durch gekämpft und kamen bei uns an. Das was wir vor Antritt der Fahrt für einen Regionalzug gehalten hatten, entpuppte sich als ein Nachtzug von Moskau nach Brest. Dem entsprechend lagen überall irgendwelche absonderlichen Gestalten rum. Wir setzten uns in ein Abteil, wurden aber sogleich wieder von der Schaffnix-Furie vertrieben. Wir hatten wohl kein Abteil, sondern nur Platzkarten. Kann ja keiner wissen, wenn alles auf kyrillisch ist.... Wir setzten uns dann wieder irgendwo hin, wo wir zu sechst oder so Platz fanden. Nun hatte die Olle plötzlich was gegen mein Bier. Getrunken habe ich es dann trotzdem, gab auch keine Probleme mehr. Das schönste an dieser Bahnfahrt war das Gerede mit dem Mann der plötzlich auftauchte, seinen etwa achtjährigen Sohn in dessen Bett legt, ihn zu deckte und ihm noch einen Kuss gab, um dann neben ihm zu sitzen. Thorsten und ich hatten aus Versehen sein Bett in Beschlag genommen. Das war ihm aber egal, stattdessen freute er sich, sich mit uns auf gebrochenem Englisch unterhalten zu können. Auch sein Sohn schien "die Fremden" interessanter zu finden als möglichen Schlaf. Das Gespräch drehte sich natürlich um Fußball. Zum Abschied schenkte ich dem Jungen meinen LEV-Schal und bekam unerwartet einen BATE-Schal zurück. Für so was liebe ich den Fußball und das Reisen zu jenem über alles.
In Minsk am Bahnhof tranken Thorsten und ich sowie zwei Jungs die wir auf der Fahrt kennen gelernt hatten noch ein paar Bier in einer Art Stehcafé, bevor es für uns per Taxi in die heimische Bude ging.
Am nächsten Morgen schliefen wir relativ lang aus und gingen dann zurück in die Stadt. In einer anderen, recht skurrilen Kneipe am Bahnhof konterten wir ein Bier. Der Laden war ausgestattet mit mehreren Aquarien in denen unzählige, verschiedene Fische und Schildkröten schwammen. Per Bus ging es zurück zum Flughafen und von dort weiter nach Warschau. Das Abenteuer Weißrussland war fürs erste beendet. Muss ich da noch mal hin? Ich denke schon. Denn auf einem Ground in einem Land kann man nicht stehen...
Der Flughafen von Warschau ist schon wesentlich zentraler als der von Minsk, der Bus braucht aber dennoch genauso lange ins Zentrum, weil er alle zwei Minuten anhält. Ist halt ein gewöhnlicher Linienbus. Ob es auch eine Art Expressbus gibt, müsst ihr selber raus finden. Von der Endhaltestelle waren es etwa 10 Minuten Fußweg zu der Adresse unseres Hostels. Wir waren schon gespannt, wo man uns diesmal hinschicken würde... Aber hier war alles top! Beim Einchecken gab man uns eine ordentlich Karte, mit Kreuzchen wo wir waren und wo wir hin mussten. Auch waren es hier nur fünfhundert Meter, wenn überhaupt. So kamen wir schnell am Ziel an. Das Apartment war auch hier top sauber und gemütlich. Es bot zwei Doppelbetten, getrennt durch eine Schrankwand.
Nach kurzem Aufenthalt, gingen wir in einer Art Brauhaus was essen um danach noch ein paar Bier im Appartement zu trinken. Ich spielte, endlich wieder funktionierendes Wlan habend, ein paar schöne Lieder via youtube, und so genossen wir das Leben. Als unser Bier alle war (auch das Lied habe ich gespielt) holten wir in einem Supermarkt noch mal Nachschub, gingen in für ein paar Bier in eine Bar und tranken anschließend noch eins in unserem neuen Heim.
Am nächsten Morgen zögerte sich unser Aufstehen dann solange raus, bis wir statt zu frühstücken direkt Mittagessen gingen. In einem guten Burgerladen wurden wir fündig und konnten so gesättigt in den Matchday starten.

 
Legia Warschau v FC Midjytlland 1:0
Europa League 5. Spieltag
26.11.2015 – 21:05 Uhr
Pepsi Arena

 
Was für ein Kackname für ein Stadion. Zunächst gingen wir aber genau dorthin um uns mit Karten zu versorgen. Seit der Kartakibica weiß man ja nicht wie aufwendig so was ist. Das war es dann aber kein bisschen. Perso hinlegen, Karte bezahlen, Karte haben. Das ganze nun noch ohne Perso und alles ist tippitoppi.
Wir liefen zurück in die Stadt. Die Hauptstadt Polens, in der Landessprache Warszawa geschrieben wusste vom ersten Moment an zu überzeugen. Besonders die Altstadt, in der übrigens unser Apartment lag, weiß zu gefallen. Schöne Märkte, Gassen und Häuser. Alles gut gepflegt und nicht so zugemüllt, wie beispielsweise Sofia. Wobei ich noch mal anmerken will, dass auch Sofia geil ist. Ansonsten bietet Warschau viele kleine Lokale, Restaurants und Bars. Vermutlich die Jahreszeit sorgte zudem dafür, dass nur wenige Touristen da waren. Herrlich! Den Tag verbrachten wir wieder teils in Bars, teils auf dem Apartment. Mit dem Bus fuhren wir dann gegen 19 Uhr zum Stadion zurück und gingen da noch auf ein Bierchen in einen relativ nobel wirkenden Laden. Keine Ahnung was das war. Die Einlasskontrollen verliefen ähnlich easy wie in Barrysau. Bloß, dass hier auch der Name auf der Karte mit dem Perso abgeglichen wurde. Die Pepsi Arena bietet rundherum zwei Ränge, die alle relativ gleich aussehen. Ein schlichtes Dingen, aber ganz okay. Oder gerade deswegen? Wir statteten uns mit einem Hot-Dog und einer Cola (hört sich an wie in der NBA) und nahmen Platz. Die Hoffnung heute ein Spektakel zu erleben wurde nur in Teilen erfüllt. Die Messlatte lag nach dem optischen Kracher gegen Neapel im zweiten Gruppenspiel von Legia aber auch hoch, zu hoch. Pyrotechnik gab es keine, auch keine Choreo. Leider war die Hintertortribüne von Legia auch nur zu etwa 75 Prozent gefüllt. Die, die da waren gaben dafür aber 90 Minuten Knallgas vom feinsten. Eigentlich ohne wesentliche Pausen wurde durchgezecht, ohne dass es dabei langweilig wurde. Eine geile Hüpfeinlage mit ordentlich Bewegung war dabei mein persönliches Highlight. Aus Dänemark waren etwa 50 Leute angereist, die weder optisch noch akustisch Stimmung machten.
Das Spiel war auf unterem europäischen Niveau, aber das war ja klar. Immerhin gewann Legia mit 1 zu 0 was für gute Laune auf den Rängen sorgte.
In der Halbzeit hatten sich Deniz und Martin zu uns gesellt. Die Beiden war auch in Minsk gewesen, allerdings mit dem Auto! Und heute waren sie dann hier! Respekt!
Eigentlich war nun die Idee mit dem gleichen Bus mit dem wir gekommen waren auch wieder zurück zu fahren. Das scheiterte aber daran, dass wir die Über- oder Unterführung nicht fanden über/durch die wir auf die anderen Seite der Schnellstraße gekommen wären. So liefen wir zurück, und ausnahmsweise war mein Orientierungssinn mal richtig und wir kamen nach einer gefühlten Ewigkeit in der Altstadt an. Dort tranken wir in einer Bar noch drei Bier zum Tagesabschluss um dann todmüde in die Horizontalen zu fallen.


Piast Gliwice v Ruch Chorzow 3:0
Ekstraklasa
27.11.2015 – 19:00 Uhr
Piast Stadion

 
Am nächsten Morgen frühstückten wir in einem Café und fuhren anschließend per Bus gen Airport. Ich stieg allerdings am Termini, eh am Centralna aus, während Thorsten weiter fuhr um nach Frankfurt zu fliegen. Ursprünglich hatte ich den 10:30 Uhr Zug nehmen wollen. Den hatte ich mir aber abgeschminkt, weil zu anstrengend und mich stattdessen für den 12:45 Uhr Intercity nach Katowice entschieden. Am Ticketschalter dann der mittlere Schock: Ausgebucht! Sowohl erste als auch zweite Klasse! Der nächste ging erst um 14:30 Uhr. Das würde zwar immer noch locker reichen, hieß aber, dass ich erst im Dunkeln ankommen würde. Das wiederum war schade, denn ich hätte Gliwice gerne noch im Hellen erreicht. Egal, es gibt schlimmeres. Auch mein 14:30 Uhr Zug war voll. Ich saß in einem Sechser-Abteil und war mir nicht sicher ob ich nun meine Blechbüchse öffnen sollte... ich tat es dann einfach irgendwann und keiner meckerte. :-) Ich zog später in den Barwagen um und trank da noch ein Bier und so verging die Zeit wie im Fluge und der Zug rollte in Katowice ein. Hier holte ich mir schnell das Ticket nach Gliwice und besteig die Bimmelbahn dorthin. Dieser Zug hatte als erster auf dem bisherigen Trip die Bezeichnung Gammelzug verdient. Ich bekam einen Sitzplatz und freute mich auf entspannte 35 Minuten, doch schon in Chorzow stiegen etwa 50 Fans Gästefans ein. Aber das war ja klar, dass das passieren würde. Ich wusste bloß nicht, dass diese Stadt so direkt auf der Route liegt. Diese Fans lümmelten nun in meinem Abteil ab. Zwischen Chorzow und Gliwice liegt Zarbze. Und weil Chorzow Zarbze nicht mag, gingen hier nun ein paar Böller hoch. Ob es daran lag, dass wir hier relativ lange standen, weiß ich aber nicht. Die Fahrt ging jedenfalls relativ unspektakulär weiter, so dass ich gegen 17:30 Uhr in Gliwice war. Ich hatte mir hier, für die eine Nacht ein Einzelzimmer im Vier-Sterne-Schuppen Diamant Plaza gegönnt, welchen ich nach etwa 500 Metern der Hauptstraße entlang fand. Eingecheckt, Zimmer bezogen, halbe Stunde relaxt und ab per Taxi zum Stadion. Das Stadion von Gliwice ist schnell beschrieben: Es ist nämlich exakt das gleiche wie das von Paderborn. Ungelogen. Von der selben Firma, der gleiche Bausatz. Ein bisschen wie von Lego.
Nun war Derby-Zeit. Der Taxifahrer hatte mir erzählt, dass die Fans von Zarbze, das ja wie erwähnt noch zwischen beiden Städten liegt der gemeinsame Feind ist. So sind Gliwice und Chorzow zwar keine Freunde, tun sich aber auch nicht gegenseitig weh. Ein bisschen so wie bei LEV und Mönchengladbach, die beide Köln nicht mögen, miteinander aber nicht mehr und nicht weniger zu schaffen haben, als mit jedem anderen Bundesligisten auch.
Stimmungstechnisch war es sehr ordentlich. Ich saß näher am Piast-Block, so dass dieser trotz Unterzahl deutlich lauter vernommen wurde. Dennoch kam auch aus der Ruch-Kurve permanent Stimmung in den Bausatz geschwappt. Von beiden Seiten war das eine gute Mischung aus Liedern und kurzen, kräftigen Schlachtrufen. Ich hatte mal wieder nicht die Tabellensituation gecheckt und wusste daher nicht, dass Piast Tabellenführer in Polen ist. Diesem Stand wurden sie gerecht und siegten überzeugend mit 3:0. Hätte sich Ruch vor dem Tor etwas cleverer angestellt, wäre es sicherlich knapper geworden. Schade, aber auch so war es ein gutes Spiel. Bier hatte im Stadion 1,50 Euro für den halben Liter gekostet, allerdings auch nur mit 3,0 Prozent, aber nun. Immerhin. besser als der alkfreie Mist vom UEFA-Spiel am Vortag. Daher hatte ich mir auch ein paar genehmigt.
Als das Spiel beendet war schaute ich mir noch die Feierei der Mannschaft mit den Fans an und fragte mich dann Richtung City durch. Als es rechts oder links hieß entschied ich mich für rechts und lag damit scheinbar daneben. Ein Riesenumweg war es aber letztlich auch nicht, denn bald schon stand ich vor meinem Hotel. Bevor ich aufs Zimmer ging aß ich im McDonald, etwas weiter die Straße hoch noch etwas. Das brachte mir die Erkenntnis, das Macces in Polen noch beschissener ist als in Deutschland. Man sollte diesen Laden, genau wie all die anderen Fast-Doof-Ketten einfach meiden.
Im Hotel, auf dem Zimmer, recherchierte ich noch allerlei Sachen und kam so erst gegen 1 Uhr in der Früh zum Pennen. Das Frühstück am nächsten Morgen verpasste ich so leider, ebenso die Möglichkeit mir Gliwice doch noch im Hellen anzuschauen.

 
Rozwoj Katowice v Wigri Suwalki 1:3
I. Liga
28.11.2015 – 13:00 Uhr
Rozwoj-Stadion

 
Ich ging zum Bahnhof und holte mein Ticket zurück nach Katowice. Dort kam ich um 12:10 Uhr planmäßig an. Ich hatte nun einen 3,8 Kilometer langen Fußmarsch vor mir und wusste nur anhand von Fotos die ich von der Route bei Googlemaps gemacht hatte wo ich lang musste. Es wurde ein ordentlicher Gewaltmarsch (ja ja, Bundeswehrsoldaten werden drüber lachen), trotz dem schaffte ich es auf dem Weg einer der verbliebenen Dosen zu leeren. Mit 0,5 Kilo weniger im Gepäck läuft es sich ja auch leichter. Ich schaffte es rechtzeitig zum Stadion, durfte aber an dem Eingang wo ich ankam nicht rein. Ich musste stattdessen einen Bogen über einen Feldweg nehmen, der es mich kostete bei Anpfiff im Stadion zu sein. Total sinnlos. Sinnloser, weil der Eingang im Endeffekt der gleiche war wie der wo ich angekommen war, nur von der anderen Seite. Und noch sinnloser deshalb, weil ich mich anstellte um ein Ticket zu bekommen, alles wie gehabt mit Perso usw., um dann zu erfahren, dass es heute kostenlos ist. Dann können sie die Leute auch direkt so reinlassen. Wäre das nämlich der Fall gewesen, wäre ich bei Anstoß drin gewesen. Ich bin zwar nicht der Hürther, der den Ground nicht zählt, wenn er bei Kick Off nicht drin ist, aber wenn man das alles so plant, ist es halt schon schade, wenn es am Ende doch an einer Minute scheitert...
Der Ground hat zwei leicht unterschiedliche Tribünen auf der Hauptseite und ein paar unüberdachte Sitzreihen auf der Gegenseite. Ansonsten Graswälle und oberhalb von diesen ein Stankett. Es gibt zu dem eine kleine Terrasse mit Biertischgarnituren. Hier stehen auch der Grill und ein Verkaufsstand. Ich orderte ein Bier und eine Kilbasa, die typische, rauchige, mettartige, Fettknoblauchwurst. Dazu wird Graubrot und Senf serviert. Purer Gaumensex! Während ich aß, trank und das Spiel guckte, kam ich noch mit ein paar anderen ins Gespräch. Offensichtlich hatte ich mich direkt ins Hoppernest gesetzt. Es waren ein Engländer mit seiner Tochter da, drei Jungs aus Liechtenstein und Michel, der Deutscher ist, aber derzeit in Breslau wohnt. Es entstanden die üblichen Gespräche: Wie viele Grounds/Länderpunkte hast du? Was machste heute noch, wo geht es morgen hin, welchen Verein unterstützt du usw. Alles sehr sympathisch. Das Spiel bekam man trotzdem noch ganz gut mit und sah, dass die Gastgeber mit 3 zu 1 verloren. Gegen Ende des Spiels gesellte sich noch ein Pole dazu, der fließend Deutsch sprach und ein wenig von Katowice und dem Fußball in Polen erzählte. Beispielsweise, dass sich sein Rozwoj und der GKS gegenseitig respektieren und es keine Feindschaften gibt, von denen er eh nicht viel hielt. Ich hätte mich gerne noch länger mit ihm unterhalten, aber Michel und ich mussten weiter zu...

 
Polonia Bytom vWisla Pulawi 0:3
II. Liga
28.11.2015 – 18:00 Uhr
Stadion Im Edwarda Szymkowiaka

 
Den Bahnhof Katowice-Brynow fanden wir ziemlich zügig. Eigentlich waren da aber nur zwei Bahnsteige, sonst nix. Es dauerte nicht lange und ein Zug fuhr ein, der uns nach Katowice Hauptbahnhof brachte. Schnell ein Ticket geholt und schon saßen wir im Zug nach Bytom. Vom dortigen Bahnhof liefen wir zum Stadion, das sich bereits von relativ Weitem als das Moped entpuppte, das ich mir von Bildern erhofft hatte. Einfach geil, wenn man durch einen Park läuft und zwischen den Bäumen und Häusern am Rande des Parks, plötzlich die Flutlichtmasten auftauchen.
Das Stadion hat eine dicke Haupttribüne mit einem skurril wirkenden Dach. Steht man gegenüber dieser Tribüne sieht man wie sich linksherum unzählige Sitzreihen bis auf die andere Seite ziehen. Hier ist dann der VIP-Bereich, in den uns Michel mittels eines Bekannten von Polonia rein gelotst hat. Dieser VIP-Bereich bestand allerdings lediglich aus einem Pavillionzelt und dem Buffet, sowie ein paar Biertischen darunter. Das Buffet wusste zu gefallen. Es bot eine Art Gulaschsuppe und mehrere Salate und Tafeln mit Broten und keksähnlichen Gebäckstücken die mit so was wie Frischkäse gefüllt waren. Letztere schmeckten absolut gigantisch. Bier gab es hier seltsamerweise nicht, dafür aber Vodka und diverse Sachen in welche man diesen kippen konnte. Ich gönnte mir einen großen Vodka-O. Das Spiel war ganz okay wurde aber weitestgehend verlabert, unter anderem auch mit einem Mokel von Polonia, der darauf bestand, das Polen in Mitteleuropa und nicht in Osteuropa liegt.
Zaghaften Support gab es erst ab der zweiten Hälfte. Warum nicht in der ersten? Keine Ahnung... Von einem Boykott der Fans wollte der Mokel aber nichts wissen.
Michel haute etwas früher ab, da er dringend seinen Zug bekommen musste. Ich hatte reichlich Zeit, weil mein Shuttlebus zum Flughafen von Katowice erst viel später fuhr. Mit dem Schlusspfiff verließ ich dennoch sofort den Ground, weil mir inzwischen arschkalt war. Beim Laufen zurück zum Bahnhof/Busbahnhof wurden meine Füße wieder etwas wärmer. An einem Kiosk holte ich noch zwei Bier und vertrieb mir damit in der Wartehalle des Bahnhofs die Zeit. Später am Bahnhof gammelte ich dann gut ab, und frühstückte nach dem Sicherheitscheck am Gate ein Blechbrötchen.
Weil der Shuttlebus von Dortmunder Flughafen in die City unverschämte 8,50 Euro kostet, fuhr ich via Holzwickede ganz normal mim RE bis Köln und traf dort AndyWundy. Nach einigem Hinundhergeschreibe, was mit meinem lahmen Katastrophenhandy ziemlich mühsam war, hatten wir uns auf einen Megakracher geeinigt.

 
Blau Weiß 06 Köln III v Lindenthal-Hohenlind IV 2:5
Kreisliga C Köln
29.11.2015 – 12:45 Uhr
Aschaplatz II Sportanlage Eichenkreuz

 
Vom Hbf ging es mit der Straßenbahn bis Militärring/Gleuler Straße und von da noch mal zwanzig Minuten zu Fuß zum Platz. Man war der kacke. Es gab nichts. Zudem regnete es wie aus Eimern. Warum man sich so was antut? Nun, Köln muss komplett, und die 200-Spiele-Marke in 2015 geknackt werden. Auf dem Ascheplatz I, der genau so wenig kann, spielten zeitgleich zwei andere Teams. Ich holte mir im Kiosk, den es dort immerhin gab, ein Bier und guckte mäßig interessiert das Gebolze auf Platz II weiter. Wenigstens fielen sieben Tore, wodurch man halbwegs unterhalten wurde.
Auf dem selben Weg den wir gekommen waren ging es nun zurück zur Straßenbahnhaltestelle und von dort via Mülheim nach LEV.

 
Bayer 04 v Schalke 04 1:1
Bundesliga – 14. Spieltag
29.11.2015 – 17:30 Uhr
BayArena

 
Am Bahnhof Mitte galt es nun noch Ken Morton zu treffen, einen Schotten aus der European-Football-Weekends Gruppe, dem ich eine Karte organisiert hatte. Mit Brille sah er etwas anderes aus als auf seinem Profilbild bei fb, dennoch fanden wir uns.
Zusammen gingen wir zum Stadion und ausnahmsweise mal nicht zum Eck. Es war ja auch schon Zeit und zudem waren ja auch strengere Sicherheitskontrollen angesagt, weil sich in Paris ein paar Deppen in die Luft gesprengt hatten. Die Kontrollen waren tatsächlich etwas strenger, aber am Ende doch nicht dramatisch.
Das Spiel war mal wieder eine Ernüchterung. Es läuft derzeit einfach nicht beim Bayer.
Stimmungsmäßig fand ich uns für unsere Verhältnisse okay, Schalke war gut aber schwächer als die letzten Jahre.
Mit Abpfiff holte ich meinen Rucksack, den ich das erste mal beim Gepäckabgabeservice gelassen hatte, ab und begab mich dann, ohne Andy und Ken, die beide die Heimreise antraten, aber mit einem Zwischenbier nach Hause. Dort holte mich ziemlich bald der Schlaf ein.
Eine grandiose Woche mit vielen tollen Leuten und einer Menge geiler Eindrücke ging zu Ende. Danke an alle die dabei waren.


 

 

 
 
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