Bayer 04 und Hopping

London Tour 2009

London Tour 2009

(26.12.2009 bis 29.12.2009)

 

Das Christkind lieferte genug Papiergeld ab, so dass einem unbeschwerten Ausflug in die Hauptstadt des britischen Empires nichts im Wege stand. Lediglich das Wetter machte mir etwas Sorgen, gab es doch diverse Flugausfälle wegen Schnee und Eis. Am Samstagmorgen startete der Air Berlin-Flieger aber pünktlich bei strahlendem Sonnenschein.

Reserviert hatte ich Reihe eins. Dort saßen aber zwei Leute rum. Sebe nahm den dritten Platz in Reihe eins. Ich zog um, in die sechste Reihe, wo eigentlich „die Beiden“ sitzen würden. Von ganz hinten kämpfte sich ein Typ nach vorne, der eigentlich auch in Reihe eins sitzen sollte. Warum der hinten einstieg weiß der Geier. Da aber sein Platz in der ersten Reihe von „den Beiden“ besetzt war, fragte er die Dame in Reihe sechs ob er sich auf den dort verbleibenden Sitz setzten dürfe. Dafür bekam er erst mal `ne kräftige, verbale Abreibung von der Spießerschlampe, die ihn als „most stupid and unpolite man on the plane“ beschimpfte und ihm zu verstehen gab, „I don´t want to talk one more word to you“. Herrlich! Da fliegt man auf die Insel zum Fußball und schon im Flugzeug geht die Pöbelei los… Als ich den armen Mann hinterher fragte, ob er eine neue Freundin  hätte, antwortete er:,, Die Schlampe, der hau ich auf die Schnauze!“ Ob er dies tatsächlich noch tat, entzieht sich meiner Kenntnis…

Am Flughafen buchten wir den easybus zur Victoria Station für sofort und die Rückfahrt von der Baker Street für Dienstag Morgen 04:40 Uhr. Ein Fehler!

Die Busfahrt zur Victoria Station dauerte recht lange! Der Zug nach Norbiton, unserem Zielbahnhof für das Spiel

 

AFC Wimbeldon v Hayes & Yeading United

 

fuhr wegen Weihnachten nicht. Also mussten wir umplanen und fuhren mit der Tube nach Wimbeldon Station! Leider ist das Stadion vom AFCW aber in Kingston! Tolle Kiste! Ein Taxi dorthin würde 25 Pfund kosten! Zu viel! Recht schnell, aber nicht schnell genug fanden wir einen Bus (Nummer 131), der zum Stadion fährt. So kamen wir knapp drei Minuten nach dem Kick Off im Stadion an. Per Email hatte ich uns auf die Presseliste gelotst. Ein Ordner führte uns in irgendeinen Kabuff wo man uns auf der Liste abhakte und eine tolle grüne Presseweste aushändigte. Genau in diesem Moment fiel das 1 zu 0 für den AFCW. Schön, haben wir das auch noch verpasst. Als wir uns auf zwei freie Plätze gesetzt hatten, kam ein Typ an, winkte uns zu sich und verfrachtete uns direkt auf die Pressetribune, wo tatsächlich zwei Plätze mit unseren Namenschildern ausgestattet waren. Wir bekamen noch ein Blatt mit den Aufstellungen und ein Programmheft. Das Spiel war gut und die Tennisstädter gewannen mit 5 zu 0. Der Ground bietet auf allen Seiten überdachte Tribünen und hat Platz für knapp 5000 Leute. 3500 waren in etwa da. Stimmung war wie immer in GB. Hin und wieder Gesänge, und dann verhältnismäßig laut. Auch auf der Haupttribüne wurde manchmal ordentlich gegen den Referee gepöbelt.

Nach dem Spiel war es einigermaßen kalt, und es dauerte lange bis unser Bus kam. Im Bahnhof von Wimbeldon kamen wir mit zwei Dortmundern aus Remscheid ins Gespräch. Wir vereinbarten sie anzurufen, wenn wir am nächsten Tag Tickets erwerben könnten. Sie würden das gleiche tun. In Edgeware Road stiegen wir um, um nach Royal Oak zu fahren, um endlich in der Jugendherberge absteigen zu können. Royal Oak war zu wegen Christmas! Also weiter zur nächsten Station und von dort aus zu Fuß zurück. Irgendwann gegen sieben waren wir auf dem Zimmer. Die Betten waren hochgradig unbequem, aber für zwei Nächte okay. Zu mal wir dafür im 4er Schlafraum nur knapp 11 Euro pro Nacht zahlten. Für London sicherlich ein guter Preis.

An Schlaf war noch nicht zu denken. In einem Supermarkt kauften wir ein paar Bier und stellten diese erstmal kalt. Beim Dönermann schmissen wir noch was zu essen ein und guckten anschließend im Aufenthaltsraum bei Bier und Chips noch ein wenig Fernsehen. Gegen 22 Uhr ging es dann doch in die Kiste. Schließlich mussten wir früh raus, um Tickets für

 

Arsenal London v Aston Villa

 

zu organisieren. Vor dem Frühstück ging in der Hostel noch der Feueralarm los. Gekümmert hat es keinen! Schon komisch. Da brennt einem möglicherweise die Herberge unter dem Hintern weg und keinen juckts. Nach dem Frühstück, bestehend aus Cornflakes, Toast und ekligem Kaffee ging es zur Haltestelle Royal Oak, die heute wieder offen war. Auf Duschen wurde aus Hygiene-Gründen verzichtet. Besonders einladend war das Bad nämlich nicht. Per Tube ging es zur Haltestelle Arsenal, wo wir gegen kurz nach 10 ankamen. Von dort sind es knapp fünf Minuten zu Fuß. Es war schon einiges los. Die Burger- und Fanartikelbuden wurden aufgebaut und es war allerlei Volk auf den Beinen. Schon in der Bahn haben uns zwei, drei Arsenalfans wenig Hoffnung auf Tickets gemacht. Das Spiel sei ausverkauft und die Schwarzmarktpreise sehr hoch. Am Ticketschalter ließ man uns gar nicht erst durch und unsere Aussicht darauf, dass irgendwelche nicht abgeholten Karten in den freien Verkauf gehen, wurden zerstört. So blieb nur das „Prinzip Hoffnung“. Nur worauf wir hoffen sollten war uns nicht ganz klar. Auf ein Wunder halt!? Schwarzhändler wurden bald ausgemacht. Die Preise lagen zwischen 200 und 300 Pfund. Pro Ticket natürlich! Das war nicht diskutabel. Irgendwann entdeckte ich den Presseeingang und dachte mir: Frag einfach mal! Auch wenn ich schon `ne Absage per Email bekommen hatte. Leider wurde diese Absage hier nur bestätigt. Das Spiel rückte näher und die Hoffnung sank. Und darauf, 50 Pfund zu bezahlen um wesentlich nach Spielbeginn reinzugehen, weil vielleicht einer der Schwarzhändler kalte Füße bekommt, und seine Tickets dann doch noch zu „zivilen Preisen“ verscherbelt, hatten wir auch keinen Bock. Das Stadion ist neu und es wird genügend Gelegenheiten geben da mal ein Spiel zu gucken. Also ging es zurück zur Tubestation Arsenal. Unglaublich ist, wie viele Leute uns hier nach Spielbeginn noch entgegen kamen und Richtung Stadion hetzten. Es waren Hunderte…

Wir checkten nun ein paar Sachen für den Montag (Schließfächer, Lage der Bushaltestelle in der Bakerstreet usw.) und standen dann plötzlich vor Maddame Tussaude. 25 Euro Eintritt war uns aber much to much!

Alternativ fuhren wir nun zum Wembleystadion, um dieses wenigstens von außen zu begutachten. Das Teil ist recht imposant, aber das alte war mir (Ungesehenerweise) lieber. Wir drehten eine Rund drum herum und kamen so noch in den Genuss in einiger Entfernung ein kleines Feuerwerk (Grund unbekannt) zu bestaunen. Die Tube brachte uns dann zum Picadilly Circus, wo wir ein bisschen durch die Gegend liefen und schließlich bei einem Chinesen einkehrten. Dort aßen wir sprichwörtlich (!!!) die Katze im Sack. Lecker war es nicht, aber was soll es… Man konnte es essen.

Nun ging es zurück ins Hostel wo wir im Aufenthaltsraum mit einem jungen Franzosen ins Gespräch kamen. Er ist Allesfahrer von Paris SG und so hatten wir eine Gesprächsgrundlage. Es wurde daher schon etwas später. Gegen eins oder zwei waren wir in der Kiste.


Tottenham FC - West Ham Utd.

 
Heute, am Montag, habe ich dann doch mal geduscht und es bestätigte sich, dass es nicht verkehrt war, am Sonntag darauf zu verzichten. Die Dusche war eng und das wenige Wasser was rauskam, war nicht wirklich warm. So beschränkte ich mich auf das Waschen der wesentlichsten Körperregionen. Als erstes, als wir an der White Heart Lane ankamen, galt es die Tickets zu holen. Glücklicherweise kontrollierte ich den Umschlag mit den Tickets sofort, denn so merkte ich, dass es nur ein Ticket war. Nachdem ich die Emailbestätigung vorgezeigt hatte, bekamen wir das zweite Ticket ohne Umstände. Wir spazierten nun ein wenig in der Gegend rum und guckten Leute und Souvenirs im Fanshop. Wir haben uns sogar getraut einen der fettigen Burger an einem Stand zu probieren. Ich muss sagen: Top! Echt lecker! Hätte ich nicht gedacht. Als ich später ein Bier nachlegen wollte, nahm mir ein Cop die Flasche weg, schüttete sie aus und meinte: Stricktly, no drinking here! Na toll! Verstehe wer will, wenn es im Stadion dann doch Bier gibt. Aber egal. Als die Tore sich öffneten, enterten wir den Ground. Sebe und ich hatten verschiedene Blöcke, da die Reservierung sonst nicht geklappt hätte. Allerdings saßen wir in Blick- und  Rufweite. 

Neben mir saß ein Vater mit seinen drei Söhnen. Ich unterhielt mich ein wenig mit denen. Die Zeit verging recht schnell und bald war Anstoß. Tottenham ging schnell in Führung und spielte ganz ordentlich. West Ham hingegen brachte in HZ eins nur einen (Kuller)torschuss zu Stande. Die Stimmung war ganz passabel und wurde in der HZ zwei noch etwas besser. Überall im Stadion wurde mal was angestimmt, was sich dann durchsetzte war auch entsprechend laut. Von Capos organisierte Gesänge gibt es in England ja sowie so nicht. Der West Ham Mob supportete erstaunlicherweise fast 90 Minuten durch, wobei deren inoffizielle Hymne (Forever blowing bubbles) das am meisten gesungene Lied war.

Die Polizei war zahlreich vor Ort. Ausschreitungen im oder vor dem Stadion blieben also aus.

Nach dem Spiel fuhren wir mit dem Bus direkt nach Wood Green. Wir schauten uns erst ne Shopping Mall an und aßen dann in einem Restaurant Fish and Chips (ein Tee war im Menü inklusive). Nun hatten wir genug Zeit totgeschlagen und begaben uns zum Bus W3, der uns zur

 

PDC Ladbroker World Dart Championchip 2010

 

bringen sollte. In der 180s Bar schauten wir noch die Afternoon-Session. Bereits hier lieferten sich walisische und englische Fans eine Gesangsschlacht. Dabei verspotteten die Engländer die Waliser als „Cheep-Shapers“. Diese nahmen das aber mir Humor.

Um 18 Uhr öffneten sich die Tore und wir holten unsere Tickets ab. Biermarken geholt! Platz genommen! Bier geholt! Die Show konnte beginnen. Wie schon im letzten Jahr war es ein Heidenspaß. Die Halle ging ab wie Schmitz´ Katze, das Bier schmeckte und war mit 3,60 Pfund für den Pint auch nicht all zu teuer. Ein paar Reihen weiter saßen ein paar 1860er, mit denen wir ein paar Worte wechselten. Dann kam Barney! Raymond van Barnefeld! Sieben mal tripple 20, tripple 19 und doppel 12. Der „9er Dart“, das „perfect game“ war da! Erst zum zweiten mal hat es ein Spieler bei der WM geschafft mit neun Pfeilen auszuchecken. Der erste war: van Barnefeld im letzten Jahr. Und nun waren wir dabei. Keiner saß mehr in der Halle, scheinbar jeder stand auf seinem Stuhl oder sogar auf dem Tisch und rastete aus. Im Nebenblock saß die komplette Mannschaft von Millwall und haute sich den Arsch voll. Später pöbelten die noch gegen irgendwen und schmissen mit Bierbechern um sich. Sehr lustig das Ganze…

Unser Suff hielt sich gegenüber dem letzten Jahr in Grenzen.

Nach dem letzten Spiel trafen wir einige weitere Deutsche. Die wussten schon von uns, waren es doch Kollegen der beiden Dortmunder aus Wimbeldon. London ist halt ein Dorf!

Mit denen gingen wir dann per Pedes zurück nach Wood Green. Gemeinsam fuhren wir von hier nach Kings Cross, wo sich unsere Wege trennten. Nach einem Burger bei Macces fuhren wir mit der Tube zur Baker Street. Hier begann das große Warten auf unseren Bus. Da wir gedacht hatten, die Dart WM würde länger dauern, und um sicher zu gehen, hatten wir den easybus für 04:40 Uhr gebucht. Jetzt war es gerade mal 01:00 Uhr. Infos ob es frühere Busse gab hatten wir leider nicht. Pubs, Internetcafes oder ähnliches war alles schon geschlossen. An einer 24-Stunden Tanke, konnten wir was Warmes zu trinken kaufen, uns aber nicht aufhalten. Gegenüber der Bushaltestelle war das „Dorset-House“! Ein Wohnkomplex mit Portier. Dieser erlaubte uns, uns solange auf zwei Sessel zu lümmeln bis uns sein Chef  dann nach knapp 1 ¼ Stunden doch rausschmiss. Nun kamen halbstündlich easybusse. Aber erst im Bus um 04:10 war genug Platz, damit er uns mitnehmen konnte. Immerhin kamen wir so eine halbe Stunde früher ins Warme.  Im Bus wurde dann gepennt.

Am Airport mussten wir noch `ne halbe Stunde warten bis der Check-In aufmachte. Danach wurde am Gate wieder gepennt. Im Flugzeug wurde: gepennt. Pünktlich landeten wir in Köln-Bonn. Und per Bahn ging es nach Hause auf die Couch. Dort wurde: gepennt.

 

Fazit:

 

Viele kleine Abfucker: Bahnen fahren nicht. Tubestationen sind geschlossen, zu spät zum Spiel, Tor verpasst, keine Tickets für Arsenal, nervige Nachbarn im Flugzeug, scheiß Dusche, unbequeme Betten usw. Aber alles überlebt. Im Großen und Ganzen war es wieder sehr geil. Nächstes Jahr wieder!

 

 

 

"